Berlin-Mitte, Sonnabend, 14 Uhr: Die Spree zieht vorbei und der süße Duft nach Erdbeeren liegt in der Luft. Normalerweise riecht es mitten in der Hauptstadt nicht so gut. Aber an diesem Tag ist alles anders, schließlich feiert die Berliner Konditoreninnung nicht immer 300-jähriges Bestehen mit 300 Metern Erdbeertorte. „Wir haben am Freitagabend angefangen, zu zupfen, heute früh dann geliert“, sagt Tobias Menge, Obermeister der Konditoren – also aktueller Chef der Innung. „Acht Leute, zehn Stunden – alle ehrenamtlich aus dem Vorstand.“

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Um 13 Uhr wurde dann auf der Spreepromenade unterhalb des Humboldtforums das fertige Produkt enthüllt: 180 Bleche voll mit Erdbeerschnitte, die von oben eine knallrote 300 bildeten. „300 Meter wären es, wenn man alle Stücke hintereinanderlegen würde“, so Menge. Allerdings sind Bleche für die Herstellung, den Transport und schließlich für das Verteilen deutlich praktikabler. Wer bis 15 Uhr am Humboldtforum vorbeikam, hatte Glück. Schnell sammelten sich Menschen um die Bleche, Einheimische wie Touristen.
Verteilt wurden die Stücke gegen Spenden für das Ricam-Hospiz in Neukölln. Jede und jeder konnte selbst entscheiden, was er für ein Stück Torte gibt. „Wenn jemand gar nichts spenden will, bekommt er oder sie trotzdem ein Stück“, sagte Menge. „Aber die Leute sind sehr spendenbereit.“ Tatsächlich füllt sich die Spendenbox zunehmend mit Münzen und Scheinen.
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Hospize trotz staatlicher Zuwendung auf Spenden angewiesen
„Die Innung kam auf uns zu, das war natürlich mega“, sagt Ricam-Geschäftsführer Philipp Freund. „Denn wir sind als Hospize nie ganz ausfinanziert.“ Kranken- und Pflegekassen übernehmen bei der Sterbebegleitung nur 95 Prozent der Kosten. „Unsere Gäste, die sterbenden Menschen, müssen bei uns nichts zahlen, sodass wir die restlichen fünf Prozent aus Spenden finanzieren.“
Insgesamt wurden laut Obermeister Menge 350 Kilogramm Erdbeeren verarbeitet. Die wiederum hatte der Fruchthof Berlin gespendet – ein Zusammenschluss mehrerer überwiegend mittelständischer Großhandelsunternehmen auf dem Berliner Großmarkt in Moabit. Trotz des eher verhaltenen Wetters riss der Zustrom dabei nicht ab. Wem sein Stück im Gedrängel auf den Boden fiel, bekam sogar noch eins. „Wäre ja sonst schade“, sagte Menge, während er einen der Unglücklichen für eine zweite Runde zurück in die Schlange schickte. Auch Eis gab es – für einen Euro pro Kugel.

300 Meter Erdbeertorte: Innung kassierte zunächst Absage für Breitscheidplatz
Dass die Aktion überhaupt an diesem Ort stattfinden konnte, sei auch der Initiative von Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) zu verdanken gewesen, so Menge weiter. Sie habe den Kontakt mit der Stiftung Humboldtforum hergestellt, der das Gelände gehört. Eigentlich habe man zunächst den Breitscheidplatz favorisiert, jedoch eine Absage durch das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf kassiert.
Spendensammeln sei immer auch eine Möglichkeit, mit Menschen über die Themen Tod und Sterben ins Gespräch zu kommen, sagt Hospiz-Leiter Freund. Erstmals haben die Menschen Sorge, stellen es sich dunkel und traurig vor. „Aber tatsächlich steckt in Hospizen viel Lebendigkeit – sehr konzentriert am Ende des Lebens.“ Respekt vor dem Thema würde im Gespräch meist Neugierde weichen und dem Wunsch, wirksam zu sein und etwas Gutes zu tun.






