Als am 18. November 2025 endlich der Schlusspfiff in Kingston erfolgt, verwandelt sich das Spielfeld im Stadion der jamaikanischen Hauptstadt binnen weniger Minuten in ein blau-gelbes Meer aus Menschen. Ineinandergeschlungen feiern sie den größten Erfolg ihrer Fußballgeschichte: Erstmals hat sich Curacao dank des 0:0 gegen Jamaika für eine Fußball-WM qualifiziert, als kleinster WM-Teilnehmer aller Zeiten. Just in dem Moment fängt das Telefon von Patrick Drewitz an, nicht mehr stillzustehen. Der Berliner ist vor elf Jahren zusammen mit seiner Frau auf die Karibikinsel ausgewandert und sagt: „Curacao befindet sich seitdem im positiven Ausnahmezustand.“

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Denn abgesehen von den paradiesisch anmutenden Stränden gibt es auf Curacao derzeit kaum einen Ort, der nicht auf die Fußball-WM 2026 hinweist. „Mittlerweile ist fast alles blau-gelb angemalt und geschmückt“, erzählt Drewitz. Selbst an kleineren Tankstellen zieren WM-Pokale und Nationalflaggen winzige Tische, Aufsteller zeigen feiernde Fans mit Nationalfarben im Gesicht. Die Euphorie ob des Spiels der „Blue Wave“, wie das Nationalteam genannt wird, gegen Deutschland an diesem Sonntag (19 Uhr, live ARD und MagentaTV) ist riesengroß. „Wenn die Menschen hier eins können, dann sich freuen und feiern“, sagt Drewitz. „Dabei sein ist alles.“
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Der gelernte Malermeister kommt aus Köpenick, seine Frau Severine aus einem kleinen Dorf bei Bad Freienwalde (Brandenburg). Vor mehr als einem Jahrzehnt wanderten beide gemeinsam, nur mit der Erfahrung eines vorherigen zweiwöchigen Urlaubs im Gepäck, nach Curacao aus. Initial wollten beide nur ein Jahr bleiben, „aber wir haben uns unendlich in die Insel verliebt“, so Drewitz. „Irgendwann wird man 30 und fragt sich, ob das alles war, und wir hatten nichts zu verlieren“, sagt der 44-Jährige heute rückblickend. Das Paar betreibt in dem autonomen Land, das zum Königreich der Niederlande gehört, die einzige deutsche Touristenfirma „Curacao Dreams“.
Deutschen Urlaubern bringen sie auf ihren Touren die Mischung aus niederländischem Kolonialerbe und karibischem Flair näher. „Unser Tourist Board hier würde sagen ,feel it yourself‘, aber hauptsächlich gefällt es uns so gut, weil die Welt hier noch in Ordnung ist“, begründet Drewitz seine Leidenschaft für die Insel. Aufgrund der guten Infrastruktur und medizinischen Versorgung sei es „eigentlich wie in Europa, nur mit besserem Wetter und glücklichen Menschen“.

Doch der Anfang dieses Abenteuers war alles andere als paradiesisch. Kurz nach der Ankunft erfuhren beide, dass man mindestens fünf Jahre im Land leben muss, um sich selbstständig machen zu können. Das durchkreuzte die Pläne des Paares, dessen Erspartes immer weiter schrumpfte. Doch Drewitz wurde erfinderisch und renovierte zwei alte Gebäude auf dem eigenen Grundstück im Norden der Insel – die richtige Entscheidung. Die Gästehäuser wurden schnell gut gebucht und das Glück war auch auf der Seite der beiden: Der Vermieter erklärte sich bereit, als niederländischer Staatsbürger das Unternehmen für beide zu gründen. Ihrem Plan, als Touristenführer auf der Insel zu leben, stand damit nichts mehr im Weg.
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Mittlerweile ist das Berliner Paar in Banda Abao, dem ländlichen Teil im Nordwesten der Karibikinsel, heimisch geworden. Die Touren werden gut gebucht, das entspannte Karibik-Lebensgefühl hat auf beide abgefärbt. „Wir sind glücklich, kaum krank, uns geht es gut“, sagt Drewitz.

In Hinblick auf das Spiel der „Blue Wave“ gegen Deutschland am Sonntag übt sich der Berliner in Diplomatie. Sein Herz schlage zwar für Curacao, aber „wir hoffen auf ein Unentschieden“. Seine Freunde auf der Insel sehen das natürlich anders. Eigentlich sei Baseball der Nationalsport auf der Insel, „zuvor hat man hier nie was mitbekommen vom Fußball“, so Drewitz. „Doch seit der WM-Qualifikation ist alles anders.“ Und wer weiß, vielleicht machen sich die Karibik-Kicker in den kommenden Wochen auf, für den nächsten historischen Moment in der eigenen Fußballgeschichte zu sorgen.








