Der radikale Versuch sorgte Anfang März für Schlagzeilen: 74 Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Köpenick verzichteten drei Wochen auf ihr Smartphone. An der internationalen Studie nahmen insgesamt mehr als 72.000 Schülerinnen und Schüler teil. Knapp zwei Monate später liegen die Ergebnisse vor. Das Experiment hat die Schulgemeinschaft dazu veranlasst, einen weiteren Schritt zu gehen. Ab dem kommenden Schuljahr soll ein generelles Handyverbot für alle Jahrgänge gelten. Zuerst berichtete der „Tagesspiegel“.

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Das sogenannte DOK1-Handyexperiment sei die größte Studie mit experimentellem Charakter zum Smartphone-Verhalten von Jugendlichen, die er je durchgeführt hat, sagt Oliver Scheibenbogen vom Anton Proksch Institut in Wien. Zusammen mit der Sigmund-Freud-Universität Wien hat die Suchtklinik das Projekt begleitet. Schülerinnen und Schüler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol haben anonymisiert an dem Versuch teilgenommen.

Durch Handyverzicht sanken depressive Symptome um circa 30 Prozent

Die erste Befragung habe gezeigt, dass jeder zweite Jugendliche über leichte bis mittelschwere Schlafstörungen klagte. Rund zwei Drittel der über 70.000 Befragten verspürten laut Umfrage leichte bis schwere Symptome einer Depression. Etwa 71 Prozent zeigten ein problematisches, riskantes oder pathologisches Internetnutzungsverhalten, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Nach drei Wochen Smartphone-Verzicht hat der Anteil problematischer Internetnutzung um 13 Prozentpunkte abgenommen. Die deutlichste Verbesserung konnte im Bereich depressiver Symptome erzielt werden, heißt es in der Auswertung: Sie sanken um knapp 30 Prozent. Ein- und Durchschlafstörungen verringerten sich um mehr als 20 Prozent, das psychische Wohlbefinden stieg zeitgleich um rund 18 Prozent.

Aufgrund der Anonymisierung ist eine berlinspezifische Auswertung der Daten nicht möglich, erklärt der Initiator des Experiments, Fabian Scheck, auf Anfrage. Allerdings gibt Kerstin Schwitters, Schulleiterin der Evangelischen Schule Köpenick, einen Einblick in die Einschätzung der Schülerschaft, die abseits der Befragung von ihren Erfahrungen berichtet hat. „Viele erklärten, dass sie tiefer und länger schlafen konnten“, so Schwitters. Ein Schüler habe dieses subjektive Empfinden mit einem Schlaftracker belegen können.

Berlin: Köpenicker Schule führt Handyverbot für alle Stufen ein

„Es gab ganz viele, die meinten, sich vermehrt analog mit Freunden und Familie getroffen zu haben.“ Man habe wieder Zeit zum Lesen gefunden oder um der Großmutter einen Brief zu schreiben. Auch habe sich das allgemeine Wohlbefinden verbessert. „Eine Schülerin erzählte, dass sie sich wieder wie ein Kindergartenkind fühle“, sagt Schwitters. „Sie gehe durch die Welt und nehme alles offen wahr.“

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Zugleich seien die positiven Seiten der Handynutzung sichtbarer geworden: Erreichbarkeit, Orientierung und Sicherheit, wenn man – insbesondere als Mädchen – alleine unterwegs ist. „Einige haben das Handy auch vermisst“, so die Schulleiterin. Mindestens zwei Personen hätten das Experiment kurzzeitig unterbrochen.

Das Experiment hat laut Schwitters mitunter dazu beigetragen, dass auf einer Schulkonferenz im April entschieden wurde, ein generelles Handyverbot ab dem kommenden Schuljahr einzuführen. Bislang habe dieses nur Schülerinnen und Schüler bis zur zehnten Klasse betroffen. Für diese Altersgruppen gebe es Schließfächer, die oberen Stufen müssten das Smartphone in Zukunft ausgeschaltet in der Tasche lassen. Auch Lehrkräfte seien angehalten, kein Handy in Anwesenheit der Kinder und Jugendlichen zu benutzen.