Seit August 2022 bietet der Discounter Lidl in seinen Filialen sogenannte Rettertüten mit Obst und Gemüse für drei Euro an. Diese wurden eingeführt, da vor allem bei Obst und Gemüse aufgrund der kurzen Haltbarkeit schnell Lebensmittelverluste anfallen, erklärt Lidl. Die Rettertüten, in denen bis zu fünf Kilo Obst und Gemüse stecken, enthielten „optisch weniger perfektes, aber verzehrfähiges Obst und Gemüse, dabei sind auch welche mit kurzer Haltbarkeit“. Die Herausforderung für den Kunden ist es, aus dem bunt gemischten Inhalt in relativ kurzer Zeit etwas zu kochen.

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Lidls Rettertüten sind beliebt bei Kunden, die Geld sparen und trotzdem Obst und Gemüse kaufen wollen. Seit Mitte 2022 konnten auf diesem Weg über 70.000 Tonnen Obst und Gemüse gerettet werden, teilt eine Lidl-Sprecherin auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Im August 2023 hat Lidl die Rettertüte zudem um eine Spendenmechanik erweitert, bei der ein fester Betrag pro verkaufter Tüte an die Tafeln in Deutschland geht. Zusammengekommen sind so bis heute mehr als 2,5 Millionen Euro, erklärt Lidl.
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Eine Art Wundertüte, die beim Einkaufen Geld spart
Rettertüten werden immer zum Einheitspreis angeboten und in allen 3250 Lidl-Filialen in Deutschland verkauft. Sie werden morgens nach Ladenöffnung gepackt und stehen meistens zwischen 9 und 10 Uhr bereit. Oft ist das knappe Dutzend Rettertüten noch am Vormittag in Berliner Filialen ausverkauft. Der Inhalt ist nie der gleiche, sondern variiert stark. Eine Art Wundertüte, die beim Einkaufen Geld spart. Denn Obst und Gemüse sind, je nach Saison, starken Preisschwankungen unterworfen und wurden durch Engpässe und steigende Transportkosten in der Vergangenheit immer wieder teurer.
Zu finden sind die Tüten mit dem Hinweis „Rette mich“ in speziellen Regalen der Lidl-Filialen. „Seit ihrer flächendeckenden, nationalen Einführung im Sommer 2022 erfreut sich die Rettertüte großer Beliebtheit bei unseren Kunden und wird von diesen sehr gut angenommen“, so die Sprecherin. Eine Win-win-win-Lösung, gegen die Lebensmittelverschwendung.
Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne.
Miriam Schroer, Leiterin für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility bei Lidl Deutschland
Miriam Schroer, Leiterin für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility bei Lidl, erklärt dazu: „Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne – das gilt ganz besonders für empfindliche Frischeprodukte wie Obst und Gemüse. Mit der Rettertüte bieten wir eine einfache und wirkungsvolle Lösung, die sich ganz unkompliziert in den Einkauf integrieren lässt. Dass wir so bereits über 70.000 Tonnen Lebensmittel retten und gleichzeitig mehr als 2,5 Millionen Euro an die Tafel Deutschland spenden konnten, spornt uns an, unseren Einsatz gegen Lebensmittelverschwendung konsequent weiterzuführen.“ Lidl hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 die Lebensmittelverluste in Deutschland um 50 Prozent zu reduzieren.

Lebensmittel, die zu gut zum Wegwerfen sind, lassen sich auch per App retten
Einen ähnlichen Ansatz gegen die Verschwendung von Lebensmitteln verfolgt das Kopenhagener Unternehmen Too Good To Go („zu gut, um es wegzuwerfen“). In seiner Gratis-App werden Lebensmittel von Läden in der Nähe angezeigt, die gerettet werden können. Die Preise reichen hier in der Regel von drei Euro bis sechs Euro. Angeboten werden weniger Obst und Gemüse, sondern vielmehr Backwaren, Kuchen, Pizza und Überraschungstüten.
Der Kunde muss diese reservieren, im Voraus in der App bezahlen und in einem bestimmten Zeitraum im Geschäft abholen. Dort zeigt er einen Beleg in der App vor, entwertet ihn und erhält seine Lebensmittel, in der Regel deutlich günstiger, als wenn er sie zum regulären Preis ohne die App kaufen würde. Nutzer können die gerettete Ware bewerten, das Angebot wird laufend ausgebaut.
Die App rettet vier Mahlzeiten pro Sekunde, während 80.000 verschwendet werden
Too Good To Go ist ein Erfolg, seit zehn Jahren in Deutschland aktiv und heute weltweit in 20 Ländern vertreten. „Mehr als 80 Millionen Überraschungstüten wurden in Deutschland bislang gerettet, weltweit sind es bereits mehr als 600 Millionen“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage. „In Deutschland gibt es derzeit mehr als 18 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, weltweit sind es über 120 Millionen, rund 26.000 Betriebe beteiligen sich bereits in Deutschland, weltweit sind es über 200.000.“ Too Good To Go rettet nach eigenen Angaben vier Mahlzeiten pro Sekunde, wobei 80.000 gleichzeitig verschwendet werden.
Die Rettung einer Mahlzeit mit einem Kilogramm Lebensmittel vermeidet 2,7 Kilogramm CO₂-Emissionen und 810 Liter Wasserverbrauch, rechnet die Firma vor. Das entspricht der Bewirtschaftung einer landwirtschaftlichen Fläche von 2,8 Quadratmetern pro Jahr. Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren, macht nicht nur Sinn, um Geld beim Einkaufen zu sparen, sondern auch unter den Aspekten Umwelt- und Klimaschutz.





