Der Senat muss in den kommenden Jahren vor allem den Stadtrand in den Blick nehmen, wenn er die soziale Lage der Berlinerinnen und Berliner verbessern will. Denn dort finden sich die neu hinzugekommenen Quartiere, in denen sich soziale Probleme ballen. Das geht aus dem Bericht „Soziale Stadtentwicklung Berlin 2025“ hervor, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlicht hat. Insgesamt zeigt sich aber auch: Wo sich soziale Probleme festgesetzt haben, sind sie nur sehr schwer wieder zu lösen.

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Zunächst: Der Fokus des Berichts liegt vor allem auf den „Gebieten mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf (GmbA)“. Dort konzentrieren sich soziale Probleme überdurchschnittlich stark – mit verschärfter Dynamik. Aktuell fallen 57 von 542 Planungsräumen in diese Kategorie – das sind etwa elf Prozent. Als Indikatoren für die soziale Benachteiligung eines Gebietes werden hohe Arbeitslosigkeit, Kinderarmut, ein hoher Anteil an Bürgergeld-Empfängern sowie viele Kinder und Jugendliche in alleinerziehenden Haushalten herangezogen.
Zwölf Gebiete sind neu hinzugekommen: Karower Chaussee (Pankow), mehrere Bereiche in Spandau (Griesingerstraße, Im Spektefeld, Westerwaldstraße, Nonnendammallee), Marienfelder Allee Nordwest (Tempelhof-Schöneberg), Ortolanweg und Goldhähnchenweg (Neukölln), Wittenberger Straße (Marzahn-Hellersdorf), Wartenberg Süd (Lichtenberg) sowie Teichstraße und Reinickes Hof (Reinickendorf). „Der Großteil der neuen Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf liegt in der äußeren Stadt und verdeutlicht damit den Trend zur Verschiebung sozialer Problemlagen aus der inneren in die äußere Stadt“, heißt es im Monitoring-Bericht.
Entwarnung für Wohngebiet in Neukölln war nur von kurzer Dauer
Im Gegenzug waren fünf Planungsräume im Vorgängerbericht aus dem Jahr 2023 als Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf klassifiziert und sind es im 2025 nicht mehr: Antonstraße, Schwedenstraße (Mitte), Freiheit (Spandau), Rosenbecker Straße (Marzahn-Hellersdorf) und Fennpfuhlpark (Lichtenberg).
Dass diese Zuordnungen durchaus fragil sind und nicht von Dauer sein können, zeigt etwa der Kiez um den Goldhähnchenweg in Neukölln: Der war im Monitoring-Bericht 2023 gerade erst aus der Kategorie „mit Aufmerksamkeitsbedarf“ entlassen worden – nur um zwei Jahre später wieder in diese Rubrik zu rutschen.
Soziale Benachteiligung hat sich in vielen Quartieren festgesetzt
Dass sich die Armut in vielen Quartieren festgesetzt hat, zu diesem Schluss kommt auch der Bericht. „Die räumliche Verteilung der Gebiete mit sozial benachteiligten Einwohnenden in Berlin lässt weiterhin eine hohe Konstanz erkennen“, schreiben die vom Senat beauftragten Forscher der Hafencity-Universität Hamburg.
Die Gebiete, in denen sich soziale Benachteiligungen besonders konzentrieren, befinden sich wie bereits seit Jahren überwiegend in den Ortsteilen Gesundbrunnen, Kreuzberg, Staaken, Falkenhagener Feld, Neukölln, Neu Hohenschönhausen, Marzahn, Hellersdorf, Reinickendorf und dem Märkischen Viertel. In einem Großteil dieser Gebiete ist bereits ein Quartiersmanagement aktiv, um die Menschen dort zu unterstützen und die Kieze aufzuwerten.
Sozialräumliche Entwicklung: Innere Stadt zeigt positive Dynamik
Überdurchschnittlich positive Entwicklungen finden sich vor allem innerhalb des S-Bahn-Rings. Besonders für Mitte (mit Schwerpunkt Gesundbrunnen), Neukölln und in Kreuzberg werden weniger Belastungen registriert, negative Trends treten hier seltener auf. Mögliche Gründe dafür können die Nähe zu wachsenden Arbeits- und Bildungsstandorten in Mitte, die Aufwertung des Wohnumfelds sowie der Zuzug einkommensstärkerer Haushalte sein.
Anders am Stadtrand: In Spandau – vor allem in Staaken – und in Treptow-Köpenick (Ortsteil Köpenick) häufen sich Anzeichen für wachsende Probleme. Möglicherweise auch deshalb, weil Menschen mit geringem Einkommen aus der Innenstadt verdrängt und in diese Bereiche ausgewichen sind. Es gibt aber auch Lichtblicke: In Lichtenberg und in Marzahn-Hellersdorf sind positive Entwicklungen zu sehen, wenn auch nicht flächendeckend. Rund drei Viertel aller Planungsräume gelten insgesamt als stabil – im Positiven wie auch im Negativen.
Kinderarmut in Berlin bleibt trotz leichtem Rückgang alarmierend hoch
Für Armin Dötsch, Sprecher des Landesvorstandes vom SoVD Berlin-Brandenburg, ist die entscheidende Botschaft des Berliner Sozialberichtes 2025 denn auch die Tatsache, dass in Berlin fast jedes vierte Kind von Armut betroffen ist. Laut Bericht ist der Indikator Kinderarmut zwischen 2022 und 2024 zwar leicht von 24,5 Prozent auf 23,3 Prozent gesunken, aber weiter hoch.
„Kinderarmut ist nicht nur ein unerträglicher sozialer Missstand, sondern auch ein gewaltiges Zukunftsproblem“, sagt Dötsch. Diverse Studien zeigten, dass die Auswirkungen von Kinderarmut auf spätere Bildungs- und Erwerbsbiografien verheerend sind.




