Von Jörg Krauthöfer

Wer den Namen Beelitz hört, hat sofort Bilder vor Augen: endlos weite Felder, überzogen mit den markanten grauen Folien, die sich über ebenso lange Dämme spannen. Darunter wächst von April bis Juni jenes Gemüse, für das die Region weltweit bekannt ist: der Spargel. Das edle Gewächs erfreut sich ungebrochener Beliebtheit, auch wenn die Preise in den vergangenen Jahren vor allem eine Richtung kannten – nach oben. Unser Redakteur und Wanderexperte Jörg Krauthöfer nimmt euch mit auf eine Wanderung rund um die Spargelstadt Beelitz und hat natürlich auch ein kleines Rezept für den heimischen Herd im Gepäck, bevor die Spargelzeit am 25. Juni offiziell endet.

Infos zur Wegstrecke

  • Start/Ziel: Bahnhof Beelitz Stadt (RB 33)
  • Parken Pkw: Bahnhof Beelitz Stadt
  • Distanz: 13,5 Kilometer
  • Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldwege, Feldwege, Kopfsteinpflaster
  • Für Kinderwagen geeignet
  • Höhenmeter: 50 m ⬆️ 50 m ⬇️
  • Leichte Wanderung
  • Gastronomie: Spargelhof Jakobs-Hof, Spargelhof Falkenthal (am Wochenende), diverse Möglichkeiten in Beelitz

Los geht’s am Bahnhof Beelitz. Mit seinen markanten Backsteinelementen ist er ein kleiner Hingucker am Wegesrand. Seine ursprüngliche Funktion erfüllt das historische Gemäuer allerdings nicht mehr: Die Züge der Regionalbahn halten ein paar Meter weiter nördlich an einem Behelfsbahnsteig. Im alten Bahnhof kann man gut essen; auch der Tourismusverband Fläming hat hier seinen Sitz.

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Der alte Bahnhof Beelitz Stadt beherbergt heute ein Restaurant und den Tourismusverband Fläming.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Wir biegen in die Virchowstraße ab und laufen an schmucken Einfamilienhäusern entlang bis zur Jahnstraße. Diese führt uns nach links, und nur wenige Meter nach dem Abzweig wird die kleine Asphaltstraße zu einem Feldweg. Wir wandern nun durch die sogenannten Zuckerwiesen. Die Bezeichnung hat einen landwirtschaftlichen Ursprung: Früher wurden hier Zuckerrüben angebaut.

Der Weg windet sich in weitem Kreis an den Neubauten vorbei bis zu einem kleinen Abzweig. Geradeaus ginge es in den Ort, wir biegen jedoch links ab und nehmen einen schmalen Waldweg bis zur Hermann-Löns-Straße. Diese überqueren wir und laufen weiter nordwärts auf dem Amselweg bis zum Waldrand. Die alte Kiesgrube ist unser nächstes Etappenziel; Hinweisschilder an den Bäumen zeigen den Weg. Der idyllische Baggersee am nördlichen Stadtrand liegt inmitten der typischen brandenburgischen Kiefernlandschaft. Ein schmaler Uferweg schlängelt sich dicht am Schilf entlang. Früher, so erzählen es die Einheimischen, konnte man hier noch baden. Heute hat sich die Natur den einstigen Abbauplatz des begehrten Baustoffs zurückerobert. Nur ein paar Angler sind hier noch auf der Suche nach dem Fisch ihres Lebens.

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Die Kiesgrube Beelitz ist ein kleines Naturjuwel. Ein schmaler Wanderweg führt am Ufer entlang und lädt zum Verweilen ein. Das Gewässer ist bei Anglern sehr beliebt.

Weißer und grüner Spargel: So unterscheiden sich Anbau und Ernte

Über eine kleine Schotterpiste erreichen wir die Bundesstraße 2 (B 2), überqueren sie und wandern nach Norden bis zur nächsten Kreuzung. Ein überdimensioniertes Spargeltrio aus Plastik weist auf den nahen Spargelhof mit Hofladen, Streichelzoo und Restaurant hin. Der Jakobs-Hof gehört, neben den bekannten Höfen in Klaistow und Schlunkendorf, zu den 14 Spargelhöfen der Region, die im Beelitzer Spargelverein zusammengeschlossen sind.

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Der Spargelhof Jakobs-Hof liegt direkt an der Wanderstrecke und ist einer von 14 Betrieben, die im Beelitzer Spargelverein zusammengeschlossen sind.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Doch warum hat sich der Anbau gerade in dieser Region entwickelt? Eine Grundvoraussetzung ist ein leichter, sandiger Boden. Und den gibt es in Brandenburg zwischen den endlosen Kiefernwäldern reichlich. Sandiger Boden erwärmt sich im Frühjahr schneller und lässt sich leichter bearbeiten – beste Voraussetzungen für kräftige Stangen.

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Der Weg zur Ernte beginnt ein Jahr vor der Pflanzung: Der Boden wird tiefgründig gelockert und mit organischem Dünger vorbereitet. Im folgenden Frühjahr kommen die Jungpflanzen rund 25 Zentimeter tief in die Erde; sie werden gewässert, gedüngt und vom Unkraut frei gehalten. Für eine Vollernte sind sie da noch zu jung. Erst im dritten Jahr trägt das Feld über einen längeren Zeitraum. Nach zehn bis zwölf Jahren sind Pflanzen und Boden erschöpft; idealerweise ist das nächste Feld dann bereits vorbereitet. Deshalb sind längst nicht alle großen Ackerflächen gleichzeitig in Betrieb.

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Bei Schlunkendorf wartet ein Spargelfeld auf die Erntehelfer. Täglich kontrollieren sie die sorgfältig gepflegten und abgedeckten Dämme.

Weißer Spargel wächst in aufgezogenen Dämmen. Abdeckfolien schützen vor Sonne, halten den Boden feucht und verhindern Verfärbungen. Anfang April beginnt die tägliche, mühsame Ernte. Feine Risse in der Oberfläche verraten erntereife Stangen. Bis zu 40 Zentimeter tief wird die Stange vorsichtig freigelegt und mit einem Spezialmesser gestochen, ohne benachbarte Triebe zu verletzen. Anschließend wird das Loch wieder verschlossen und geglättet. Grünspargel gilt als unkomplizierter: Er wächst oberirdisch aus flacherem Boden und wird, sobald er die richtige Länge erreicht hat, einfach mit einem scharfen Messer abgeschnitten.

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Grüner Spargel im Rindfleischmantel mit geschmorten Tomaten, Kräuterdipp und geröstetem Baguette© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Rezept: Grüner Spargel im Rindfleischmantel mit geschmorten Tomaten, Kräuterdipp und geröstetem Baguette

  • Rinderminutensteaks
  • Grüner Spargel
  • Kirschtomaten
  • Zwiebeln
  • Schmand
  • Baguette
  • Butterschmalz
  • Salz und Pfeffer
  • Frische Kräuter (nach Wahl)

Zubereitung

Spargel vorkochen: Den grünen Spargel für ca. 5 Minuten in kochendem Salzwasser vorgaren, danach abgießen und kurz abschrecken.
Geschmorte Tomaten: Die Kirschtomaten halbieren und die Zwiebeln klein schneiden. Beides in etwas Butterschmalz in einer Pfanne sanft schmoren lassen und mit Salz und Pfeffer würzen.
Fleischröllchen braten: Die Minutensteaks mit Salz und Pfeffer würzen. Jeweils etwas von dem gekochten Spargel in ein Steak einrollen. Die Röllchen mit etwas Butterschmalz in einer heißen Grillpfanne rundherum scharf anbraten (am besten auf der Schnittfläche beginnen, damit sie gut zusammenhalten).
Kräuterdipp anrühren: Den Schmand mit Salz, Pfeffer und den fein gehackten, frischen Kräutern abschmecken.
Baguette rösten: Das Baguette aufschneiden und ebenfalls in der Grillpfanne (im restlichen Bratfett für extra Geschmack) knusprig anrösten.

Wir wandern auf dem Kähnsdorfer Weg weiter Richtung Nordosten und biegen gleich hinter dem Ortsausgang von Schlunkendorf rechts auf den Beelitzer Spargelrundweg ab. Dieser führt durch einen wunderschönen Kiefernwald, vorbei an einem Pferdegestüt, zurück nach Schlunkendorf. Im Ort halten wir uns stets rechts und gelangen zur historischen Dorfkirche. Sie thront auf einem kleinen Hügel mitten im Ort. Ihr hölzerner Turm ist ein markantes Wegzeichen und schon von Weitem zu erkennen. Empore und Altar stammen aus der Erbauungszeit um 1740 und sind entsprechend bemerkenswert alt. Vor dem Kirchengelände treffen wir auf den Jakobsweg, der von Stettin kommend bis nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus führt.

Auf der Schlunkendorfer Dorfstraße laufen wir nun südwestwärts an den Spargelfeldern vorbei bis zu einem Feldweg. Hinweisschilder weisen nach rechts. In der Ferne erhebt sich die alte Bockwindmühle Beelitz mit ihren charakteristischen Flügeln in den brandenburgischen Himmel. Sie ist unser nächstes Ziel.

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Blick auf die Bockwindmühle Beelitz.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Das technische Denkmal wurde 1792 nach preußischer Tradition errichtet und gehört zu jener ältesten Bauform der Windmühlen, bei der der gesamte hölzerne Mühlenkörper auf einem Bock sitzt und dem Wind nachgeführt wird. Über Generationen mahlte sie Getreide für die Region, bevor sie in den 1930er-Jahren auf Elektroantrieb umgerüstet wurde. Mit der endgültigen Stilllegung im Jahr 1965 setzte der Verfall ein, ein Schicksal, das viele historische Mühlen teilten. Erst engagierte Beelitzerinnen und Beelitzer, organisiert in einem Förderverein, ermöglichten die Versetzung an einen neuen Standort und eine behutsame Restaurierung. Heute drehen sich die Flügel wieder, Führungen machen das Müllerhandwerk greifbar. Geöffnet ist die Bockwindmühle sonntags, dann können Wandernde einen Blick hinter die Kulissen werfen.

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Im historischen Stadtkern von Beelitz warten unter anderem die Stadtpfarrkirche St. Marien/St. Nikolai und der schmucke Kirchplatz mit dem Brunnen und der Bronzeskulptur einer traditionellen Spargelstecherin auf Besucher. Im Spargelmuseum an der Mauerstraße erfährt man viel über die Geschichte des Spargelanbaus in der Region, und gleich dahinter liegt das Gelände der Landesgartenschau, die 2022 in Beelitz zu Gast war. Wir durchqueren die wunderschöne Parkanlage Richtung Westen, überqueren die Mühlenstraße und folgen auf der anderen Parkseite dem Burgwall bis zum Nieplitzwehr. Parallel zur Bahnstrecke Potsdam–Jüterbog führt uns unser Wanderweg nordwärts zurück zum Bahnhof Beelitz, dem Ausgangspunkt unserer Tour.

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Malerisch überragt die Stadtpfarrkirche St. Marien/St. Nikolai das Stadtzentrum der Spargelstadt Beelitz im Fläming.