Die Berliner Grünen wollen einkommensschwache Haushalte bei den Stromkosten entlasten. Spitzenkandidat und Fraktionschef Werner Graf stellte am Dienstag einen Antrag für einen „Energiebonus“ vor, über den das Abgeordnetenhaus abstimmen soll. Sein Ziel: gezielte Hilfe statt Gießkanne – und zugleich mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Anspruch auf den Bonus hätten demnach alle Haushalte, die einen Wohnberechtigungsschein (bis WBS 220) erhalten können. Für einen Einpersonenhaushalt liegt die Grenze für den WBS 220 bei rund 26.400 Euro Jahresnettoeinkommen, für einen Zweipersonenhaushalt bei 39.600 Euro. Laut Graf fallen 53 Prozent der Berliner Haushalte unter diese Einkommensgrenze.

Energiebonus soll Berliner Haushalte beim Stromverbrauch entlasten

Jeder berechtigte Haushalt soll ein Grundkontingent von 500 Kilowattstunden Strom pro Jahr erhalten, dazu 100 Kilowattstunden je weiterer Person. Zum Vergleich: Ein Berliner Singlehaushalt verbraucht im Schnitt rund 1.400 Kilowattstunden im Jahr. Der Bonus deckt also etwa ein Drittel davon ab. Wer mehr verbraucht, zahlt den normalen Preis – so bleibt der Anreiz zum Sparen erhalten. Einpersonenhaushalte würden nach Grafs Rechnung rund 200 Euro im Jahr sparen.

15 bis 20 Millionen Euro aus der Landeskasse

Den Berliner Landeshaushalt würde der Bonus 15 bis 20 Millionen Euro im Jahr kosten – je nachdem, wie viele Berechtigte ihn tatsächlich beantragen. Die Grünen gehen in ihrer Berechnung von 50.000 bis 100.000 Haushalten aus, die den Energiebonus beantragen. Den Strom soll ein regionaler Ökostromanbieter liefern, den das Land per Ausschreibung auswählt. „Wir müssen aus früheren Krisen lernen und gezielt diejenigen entlasten, die Unterstützung am dringendsten brauchen. Gleichzeitig müssen wir besser vorsorgen und die Weichen für einen echten Systemwechsel stellen, weg von fossilen Energien“, begründet Graf den Antrag.

Graf will den Bonus mit Investitionen in Solar- und Windprojekte in Berlin und Brandenburg verbinden. „Berlin wird mit dem Energiebonus bezahlbarer und zugleich freier von der Abhängigkeit von autoritären Regimen“, sagte er. Maßnahmen des Bundes wie der Tankrabatt bei den Spritpreisen kämen bei der Mehrheit gar nicht an, denn rund zwei Drittel der Berlinerinnen und Berliner besitzen kein eigenes Auto. Auch die 1.000-Euro-Prämie bleibe für viele eine leere Ankündigung, da sie von der Zahlungsbereitschaft der Unternehmen abhängt, die sich diese Unterstützung in der aktuellen wirtschaftlichen Lage oft nicht leisten können oder wollen, so Graf. Berlin solle daher mit wirksameren Hilfen vorangehen.