Die explodierenden Sprit- und Energiepreise als Folge des Iran-Krieges treffen auch das Berliner Handwerk hart. Dementsprechend fällt dieses Frühjahr die übliche Belebung der Konjunktur im Handwerk aus, warnte die Handwerkskammer Berlin. Normalerweise zieht im Frühjahr die Konjunktur im Handwerk deutlich an, da jeder zweite Betrieb im Bereich Bau und Ausbau tätig ist und hier im Frühling die Aufträge vergeben werden.

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Diesen Anstieg hat die Handwerkskammer nicht feststellen können. „Die Frühjahrsbelebung bleibt aus“, teilte ihr Hauptgeschäftsführer Jürgen Wittke am Donnerstag mit und sprach von einer „spürbaren wirtschaftlichen Schwächephase“. Die hohen Energie- und Kraftstoffpreise belasten die Betriebe massiv. 83 Prozent bewerten sie als „hohes oder sehr hohes Risiko“. Damit stehen sie auf Platz 1 der Risiken, noch vor Lohn- und Nebenkosten und den Eingriffen der Politik.
„Die Betriebe stehen unter massivem Druck, und das von mehreren Seiten gleichzeitig“, warnte Wittke. Zwar können die Handwerker die gestiegenen Kosten ihren Kunden auf die Rechnung stellen, bei schon bestehenden Aufträgen helfe das aber nicht. Der Spielraum für Preiserhöhungen bei gedämpfter Nachfrage sei minimal, so die Handwerkskammer, weil Kunden Ausgaben zurückstellen würden. Auch die geplante Senkung der Energiesteuer werde die steigenden Preise nicht dauerhaft dämpfen, befürchtet die Kammer.

Handwerksbetriebe fahren mit angezogener Handbremse, so die Kammer
„Die Betriebe fahren nicht auf Sicht, sondern mit angezogener Handbremse, das schadet auf Dauer dem Motor“, so Wittke. Die Kosten steigen, die Aufträge seien rückläufig und jede Personalentscheidung werde zur Kostenfrage.
Der von der Kammer gemessene Geschäftsklimaindex im Handwerk landete mit 100 Punkten im neutralen Bereich. Im Herbst 2025 lag er noch bei 107 Punkten. Der Saldo der aktuellen Geschäftslage sank auf 9 Punkte, der schwächste, gemessene Wert eines Frühjahres seit 13 Jahren.
Handwerkskammer fordert von der Politik „klare und verlässliche Unterstützung“
Die Eingriffe der Landes- und Bundespolitik sieht Carola Zarth, die Präsidentin der Handwerkskammer, sehr kritisch. „Wenn die Dynamik nachlässt, darf die Politik nicht gegen das Handwerk arbeiten“, fordert sie. Dieses sei wesentlich für die wirtschaftliche Stabilität der Stadt und die Transformation, wie zum Beispiel den Bau von Wärmepumpen und Solaranlagen. „Es braucht jetzt klare und verlässliche politische Unterstützung“, fordert die Kammer.

Zusätzliche Kosten, wie die umstrittene Ausbildungsplatzumlage oder 1000-Euro-Inflations-Entlastungsprämien für Mitarbeiter, würden die Situation weiter verschärfen. Dazu zähle auch die Berliner Bürokratie, die Zarth als „die Regelwut von Schreibtischtätern“ scharf kritisierte. Dazu kommen Fachkräftemangel und Nachfolge-Sorgen.
Das Handwerk hat keinen goldenen Boden mehr
Die weiteren Zukunftsaussichten im Handwerk sehen ebenfalls trübe aus, so die Kammer. Nur 16 Prozent der befragten Handwerksbetriebe rechnen im nächsten halben Jahr mit einer besseren Geschäftslage, 24 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Größtes Hemmnis sei hier die schwächelnde Nachfrage. Jeder vierte Betrieb bewertet seine Auftragslage als „zu klein“. Die Auftragspolster, sie werden immer dünner, reichen im Schnitt nur noch für 12 statt 14 Wochen.
Der sprichwörtliche goldene Boden des Handwerks scheint sich in eine dünne Blechschicht zu verwandeln.



