Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ist von den Erfolgschancen der Berliner Olympia-Bewerbung überzeugt. „Wir haben das beste Konzept aller Bewerber“, sagte Wegner am Mittwoch auf einer vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) organisierten Veranstaltung zum Nutzen und Wert von Großveranstaltungen für Berlin. „Wir haben die ideale Stadt für Olympische und Paralympische Spiele“, so Wegner.

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Aus dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der im September entscheidet, wer sich für Deutschland um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt, werde ihm zurückgemeldet, dass das Berliner Konzept sehr gute Chancen habe. Entscheidendes DOSB-Kriterium sei die internationale Strahlkraft. Hier steche Berlin die Mitbewerber – Köln, Hamburg und München – deutlich aus. Es werde beim DOSB auch registriert, dass eine Mehrheit der Berliner für die Spiele sei, so Wegner. Jüngst hatte eine Umfrage ergeben, dass 60 Prozent grundsätzlich für die Spiele sind.

Kai Wegner: 100 Jahre nach den Nazi-Spielen ein positives Signal in die Welt senden

Wegner versicherte, dass mit den zusätzlichen Milliarden, die Olympia in die Kassen spüle, der massive Investitionsstau bei den Berliner Sportanlagen aufgelöst werden soll. Und er betonte die Bedeutung von Olympia für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. 100 Jahre nach den Nazi-Spielen von 1936 könnten die Olympischen Spiele das Signal in die Welt senden, dass Veränderung möglich sei. In einer krisengeschüttelten Gegenwart brauche es so ein positives Signal.  

Vor Wegner hatte der als „Mister Olympia“ angekündigte Kaweh Niroomand das Berliner Konzept im Detail vorgestellt. Entscheidend sei, dass nahezu alle Sportstätten bereits bestehen würden. Sie müssten lediglich saniert und modernisiert werden. Einzig eine dritte große Arena müsse gebaut werden. „Die wird aber sowieso gebaut“, sagte Niroomand. Wenn man sie als gegeben voraussetze, dann habe Berlin bereits 97 Prozent der Sport- und Veranstaltungsstätten.

Kaweh Niroomand
Will Bestehendes nutzen, um die Spiele nach Berlin zu holen: der Olympia-Beauftragte des Senats, Kaweh Niroomand. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Neu gebaut werden muss nur ein neues Stadtquartier nahe der Messe. In dem Quartier „Stadteingang West“ soll während der Spiele das olympische Dorf einziehen.

Markus Voigt (VBKI) über Olympia: „Chance unserer Generation für die nächste“

Das jüngste, positive Umfrageergebnis habe „ein enormes Momentum erzeugt“, hatte VBKI-Chef Markus Voigt zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Olympia könne ein kraftvoller Katalysator für Investitionen und Identifikation sein. Die Spiele seien „die Chance unserer Generation für die nächste Generation“.

Kaweh Niroomand
Sieht ein „enormes Momentum“ für die Berliner Olympia-Bewerbung: VBKI-Chef Markus Voigt. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Auf der VBKI-Veranstaltung haben verschiedene Experten über finanzielle und stadtplanerische Lehren vergangener Spiele referiert. Ricky Burdett, der eng eingebunden war in die Planung der Olympischen Spiele 2012 in London, hatte ein Beispiel für positive Langzeitfolgen im Gepäck. In London habe man sich damals bewusst dazu entschieden, das olympische Dorf in dem Viertel mit dem damals niedrigsten sozialen Index, Stratford, zu bauen. Heute würden hier viele junge Familien mit Kindern leben.

Holger Preuß, Experte für die wirtschaftlichen Effekte von Olympischen Spielen, prognostiziert für Berlin im Falle einer Austragung ein Plus. Die lokale Wirtschaft könne mit einem Impuls von fünf Milliarden Euro neuer Mittel rechnen. Marcos L. Rosa erinnerte daran, was sich aus den Spielen in Rio 2016 lernen lasse. Damals wurde das Versprechen, sämtliche Favelas der Stadt aufzuwerten und zugänglich zu machen, nicht gehalten. Das ehemalige olympische Dorf in Rio ist heute eine Gated Community. Berlin empfiehlt Rosa deshalb, nichts über die Köpfe der Menschen hinweg zu entscheiden.