Wie können wirksame Therapien für bislang als unheilbar geltende Erkrankungen entwickelt werden? Damit befassen sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in zwei Forschungszentren, die am Mittwoch (21.04.) auf dem Campus Bio- und Medizintechnologie an der Amrumer Straße in Wedding offiziell eröffnet wurden.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Grußworte bei der Eröffnung sprachen unter anderem Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU), die neue TU-Präsidentin Fatma Deniz sowie der Vorstandsvorsitzende der Charité, Heyo K. Kroemer. Bär sagte, Deutschland wolle bei der Entwicklung neuer Therapien weltweit an der Spitze stehen. „Unsere Vision für die Medizin der Zukunft ist klar: Unheilbares heilbar machen.“ Kroemer sprach von einem wesentlichen Entwicklungsschritt für die gesamte Biomedizin in Berlin.
Die Bauzeit der beiden Einrichtungen dauerte von 2021 bis 2025. Die Baukosten von mehr als 40,9 Millionen Euro für das Si-M und von 37,9 Millionen Euro für das Becat wurden demnach von Bund und Land getragen.
Das Zentrum „Der Simulierte Mensch“ (Si-M)
Das Zentrum „Der Simulierte Mensch“ (Si-M) betreiben Charité und Technische Universität Berlin gemeinsam. Dort simulieren Experten verschiedener Disziplinen die Funktionen menschlicher Zellen und Gewebe mithilfe neuester Technologien. Dazu zählen der 3D-Biodruck und die Verwendung von Organoiden, im Labor gezüchteten Mini-Organen aus Stammzellen.

Wissenschaftlicher Ansatz ist einzigartig in Europa
Im Fokus steht die realitätsnahe Nachbildung menschlicher Biologie – von molekularen Prozessen bis hin zu komplexen Geweben und Organfunktionen. Die enge Verzahnung von ingenieurwissenschaftlicher und medizinischer Expertise, um Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie zu finden, gilt als einzigartig in Europa. Der Schwerpunkt liegt auf onkologischen, immunologischen und regenerativen Fragestellungen.

Neubau für das „Berlin Center for Advanced Therapies“
Unmittelbar neben dem Si-M eröffnet die Charité den Neubau für das „Berlin Center for Advanced Therapies“ („Berliner Zentrum für fortgeschrittene Therapien“), kurz BeCAT. Dort sollen innovative Arzneimittel entwickelt, hergestellt und in klinischen Studien auch angewendet werden. Bei den „fortgeschrittenen Therapien“ handelt es sich in erster Linie um Zell- und Gentherapien.
Die dafür notwendigen zellbasierten Arzneimittel sind mit herkömmlichen Medikamenten nicht zu vergleichen. Diese enthalten in aller Regel synthetische Wirksubstanzen und zielen darauf ab, Symptome von Krankheiten zu bekämpfen, nicht aber deren Ursache. Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) hingegen sind biologische Arzneimittel. Sie sind darauf ausgerichtet, Patienten zu heilen, statt nur Beschwerden zu lindern. Sie brechen also mit klassischen Prinzipien und eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Behandlung von bisher nicht heilbaren Erkrankungen.
Zell-Therapeutika bedeutet, dass die Forschenden mit lebendigen Zellen arbeiten, Gen-Therapeutika, dass sie diese Zellen genetisch verändern. Diese Arzneimittel kommen patientenindividuell zum Einsatz, auch hier insbesondere bei Krebserkrankungen, Krankheiten des Immunsystems sowie in der regenerativen Medizin.
Verbindungsstück zwischen Forschung und Patientenbett
Prof. Dr. Annette Künkele-Langer leitet das Be-CAT seit Ende 2024. Die Oberärztin in der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité ist auch Geschäftsführende Direktorin des Nationalen Zentrums für Tumorerkrankungen Berlin. Sie erklärt die wichtige Funktion des Forschungszentrums: „Das Be-CAT ist das Verbindungsstück zwischen der Grundlagenforschung und der klinischen Anwendung.“
Für die Herstellung dieser innovativen Medizinprodukte gelten hohe Auflagen. Sie unterliegt dem Arzneimittelgesetz ebenso wie dem Gentechnikgesetz. Das lässt sich nicht in einem normalen Labor bewerkstelligen. Mit dem Be-CAT-Neubau werden strukturelle und räumliche Voraussetzungen geschaffen, die hohen Anforderungen zu erfüllen. Dort steht den Forschenden eine Reinraumeinheit in einer deutschlandweit besonderen Größe zur Verfügung: vier Reinräume der Reinheitsklasse C sowie zehn Reinräume der Klasse B. In jedem B-Klasse-Labor steht zudem eine sterile Sicherheitswerkbank, in der dann die höchste Reinheitsklasse A herrscht. Dort stellt man 100.000-fach weniger Partikel fest als auf einer üblichen Stadtstraße. Die Baukosten für das neue Gebäude wurden jeweils zur Hälfte von Bund und Land getragen und liegen bei knapp 38 Millionen Euro.
Das Berlin Center for Advanced Therapies werde im engen Zusammenhang mit dem „Berliner Zentrum für Gen- und Zelltherapien“ stehen, erklärte Annette Künkele-Langer. Das gemeinsame Projekt von Charité, Bayer AG und dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) soll 2028 am Nordhafen eröffnet werden. Die beiden Institutionen ergänzten sich, sagte sie. Angesichts des zu erwartenden starken Zuwachses an Zell- und Gentherapien sei eine zu geringe Auslastung des Be-CAT nicht zu befürchten. Eher werde man künftig weitere Kapazitäten an Reinraum-Laboren schaffen müssen. Am Forschungszentrum der Charité werde man auch gezielt Therapien und Arzneimittel für seltene Erkrankungen entwickeln.




