Liebe Leserin, lieber Leser,
es gibt Momente im Leben, da merkt man: Timing ist alles. Beim Immobilienkauf zum Beispiel. Ein paar Tage früher oder später und plötzlich kostet derselbe Kredit Tausende Euro mehr im Jahr. Während ich also vor wenigen Wochen noch dachte, halbwegs clever gehandelt zu haben, schrieb mein Finanzberater trocken: „Perfektes Timing.“ Kurz darauf zogen die Zinsen aufgrund des Iran-Kriegs spürbar an.

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Denn so nüchtern es klingt: Über Inflation, Notenbankpolitik und geopolitische Krisen entscheidet sich gerade, wer sich Wohneigentum leisten kann – und wer nicht. Steigende Zinsen machen Kredite teurer, viele potenzielle Käufer springen ab. Die Folge: Mehr Menschen bleiben im Mietmarkt. Und dort passiert das, was man gerade in Berlin besonders deutlich sieht: Die Mieten steigen weiter. Trotz Mietpreisbremse.
Eindeutige Zahlen zeigen strukturelles Problem auf
Die Zahlen sind eindeutig: plus 69 Prozent in zehn Jahren. Für viele bedeutet das, mehrere hundert Euro mehr Belastung im Monat. Für manche heißt das schlicht: Nichts wie raus aus der Stadt! Das ist keine normale Entwicklung mehr, das ist ein strukturelles Problem.
Denn die Wahrheit ist unbequem: Solange zu wenig gebaut wird, bleibt Wohnen ein Verteilungskampf. Wir deckeln Preise, aber nicht das eigentliche Problem. Hohe Zinsen bremsen den Neubau zusätzlich aus, Investoren halten sich zurück, Projekte werden verschoben. Gleichzeitig wächst die Nachfrage. Ein perfekter Sturm – nur leider keiner, bei dem am Ende alle entspannt wohnen.
Wohnen darf kein Markt wie jeder andere sein
Was also tun? Die Politik diskutiert zu oft über die Symptome und zu selten über die Ursachen. Mietpreisbremse allein reicht nicht. Entscheidend ist das Angebot: schneller bauen, einfacher genehmigen, gezielter fördern – vor allem bezahlbaren Wohnraum. Förderprogramme wie die der KfW gibt es zwar. Doch bei den aktuellen Zinsen verlieren sie für viele ihren Reiz und damit ihre Wirkung.
Und vielleicht braucht es auch einen ehrlicheren Blick auf die Realität: Wohnen ist kein Markt wie jeder andere. Es ist Grundbedarf. Wer hier nur auf Marktmechanismen setzt, nimmt in Kauf, dass sich immer weniger Menschen ein Zuhause leisten können.
Bis sich endlich etwas tut, bleibt vielen nur, worauf man sich nicht verlassen sollte: gutes Timing. Oder, weniger beschönigend gesagt: Glück.
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