„Ich wurde schon mehrfach gefragt, ob ich weiß, wo die Ostereier versteckt sind, aber ich weiß es auch nicht“, sagt Anastasia, ehe sie wieder zur Kaffeemaschine läuft. Viel Zeit zum Plaudern bleibt der Restaurantmitarbeiterin im Olympiastadion nicht. An der Kasse hat sich die nächste Menschenschlange gebildet. Es ist Ostersonntag, einen Tag nach dem von Fan-Krawallen überschatten Sieg der Hertha in Dresden. Doch in der gut gefüllten Heimstätte der Alten Dame will an diesem Tag kaum jemand etwas von Fußball wissen. Hier geht es heute vielen nur um eins: die große Ostereiersuche.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

50 Eier täglich werden an den Feiertagen inner- und außerhalb des Stadions versteckt. Wer eins findet, darf sich über einen Gewinn freuen. Von Schokohasen über Tickets für Heimspiele von Hertha BSC bis hin zu Gutscheinen ist alles dabei. Jeden Tag wird zudem ein goldenes Ei versteckt, erzählt Lenn vom Besucherzentrum. Hier müssen die Glücklichen ihr gefundenes Ei abgeben und erhalten ihre Preise. „Heute mussten wir das Goldene Ei aber neu verstecken, das erste Versteck war scheinbar zu schwierig“, sagt Lenn und verrät: Die 50 Eier werden über den Tag verteilt. Heißt: Wer am heutigen Ostermontag einen Besuch plant, hat zwischen 9 und 19 Uhr zu jeder Tageszeit noch die Chance, ein Ei zu finden.

Auch interessant

Ostereiersuche im Berliner Olympiastadion: Auf den Geraden haben Suchprofis schlechte Karten

Es ist 15.15 Uhr an diesem Ostersonntag und selbst die bereits versteckten Ostereier wurden noch nicht alle entdeckt. Denn: Die schlaue Marketingaktion kommt nicht ohne einen Haken daher. Die Eier sind nämlich wirklich gut versteckt – selbst für Suchprofis. „Lass von unten anfangen und dann hochgehen“, sagt ein Junge zu seinen beiden Kumpels, ehe alle drei im Laufschritt beginnen, die 38 Stuhlreihen im Unterrang der Ostkurve abzusuchen. Immer wieder neigen sich ihre Köpfe, um auch ja sicherzugehen, nicht doch ein Ei in oder an den Sitzschalen zu übersehen.

Und der junge Ostereier-Suchtrupp ist mit seiner Taktik, erst einmal innerhalb des Stadions zu suchen, nicht allein. Wer in das weite Rund des Olympiastadions schaut, sieht auch im sonstigen Gästebereich des Stadions zahlreiche Menschen, die mit dem Kopf nach unten geneigt durch die Sitzreihen laufen. Vereinzelt finden sich auch Menschen in den Unterrängen auf den Geraden auf Suchmission. Was sie nicht wissen: Die Mühe ist vergebens.

Auch interessant

Sicherheitsmitarbeiter: „Das Stadion ist ja nur ein kleiner Teil der Ostereiersuche“

Das verrät Dieter, der als Sicherheitsmitarbeiter an diesem Ostersonntag zur Abwechslung nicht wegen eines Hertha-Heimspiels auf der blauen Tartanbahn vor dem Einlauftunnel wacht. „Es kamen schon viele Kinder zu mir und haben gefragt, wo die Eier versteckt sind“, sagt er schmunzelnd und teilt sein größtes Ärgernis sowie einen kleinen Hinweis: „Nun ist es so, dass für das Osterpublikum eigentlich nur die Ostkurve und das Marathontor zu betreten sind, die Geraden hier unten sind eigentlich zu.“ Da an Ostern aber auch Führungen stattfinden, gelangen immer wieder Menschen aber auch in die eigentlich für die Ostereiersuche irrelevanten Bereiche.

Ostereiersuche OIympiastadion
Dieter (79) bekam als Sicherheitsmitarbeiter mehrfach von Kindern die Frage gestellt, ob er einen Tipp geben könnte, wo die Ostereier versteckt seien.© Kurth | Kurth

„Das ist natürlich eine undankbare Geschichte, wenn man hier mit seinen Kindern Ostereier sucht und da ist eine offene Tür, in die sie hineinwollen“, sagt der 79-Jährige. „Außerdem ist das Stadion ja nur ein kleiner Teil der Ostereiersuche, das ganze Gelände ist ja involviert.“ Wer darin einen versteckten Hinweis sehen und sich am Ostermontag auf die Suche begeben will, hat wohl also auch außerhalb des Stadions gute Chancen, ein Ei zu finden.

Muschelkalksäulen im Außengelände erzählen Siegergeschichten der Olympischen Spiele

Das sieht auch Karla so. Sie ist mit ihrem Mann an diesem Ostersonntag im Außengelände unterwegs und begutachtet mit interessiertem Blick die alten Muschelkalksäulen nahe des Haupteingangs. „Wir wollten die Chance nutzen, einfach mal in Ruhe und ohne laute Fans und Fußball alles anzuschauen“, erzählt die 60-Jährige. So sei ihr noch nie aufgefallen, dass die Siegerstehlen die Sieger der jeweiligen Olympischen Spiele, angefangen im Jahr 1896, abbilden.

Auch interessant

Die Ostereiersuche lässt aber auch die Berlinerin nicht ganz kalt. „Natürlich schaue ich nebenbei, und wenn Kinder in der Nähe sind und ich ein Ei sehe, würde ich denen einen Tipp geben.“ Auch Birgit aus Dänemark ist schnell mit der Ostereiersuche infiziert. Eigentlich seien sie und ihre Familie – alle gerade zu Besuch in Berlin – hergekommen, um sich das Olympiastadion aus architektonischer Sicht einmal genauer anzuschauen. „Aber ich werde das meinen Kindern, die da vorn laufen, gleich sagen, dann können sie suchen.“

Falsche Gerüchte unter den Suchprofis

Eigentlich für Kinder gedacht, lockt die Ostereiersuche zumindest an diesem Sonntag zahlreiche Erwachsene an. Die Kombination aus Suchen und nach etwas Gewinnen scheint ihren Reiz zu haben. Doch aufgepasst: Gerüchte verbreiten sich unter den Suchprofis scheinbar schneller, als der Osterhase hoppeln kann.

So erzählt ein Mann, der gerade aus dem Oberrang der Ostkurve die Treppen hinunterläuft, dass seit Freitag erst 18 Eier gefunden worden seien. Zurück im Besucherzentrum gewährt Lenn später einen Blick in die Kiste mit den bereits gefundenen Ostereiern, und es sei gesagt: Da liegen allein an diesem Tag deutlich mehr Eier drin. Es besteht also für alle Suchprofis mit Ausdauer auch an diesem Ostermontag auf jeden Fall Hoffnung.