Zwei Nächte lang konnte Brigitte Peters nicht richtig schlafen. Die 93-Jährige leidet unter nächtlichen Atemaussetzern – auch Schlafapnoe genannt. Das Gerät, das diese gefährlichen Unterbrechungen verhindern soll, konnte sie nicht nutzen.

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Denn am 3. Januar war es dunkel und kalt geworden im Südwesten Berlins. Nach dem Anschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal fehlte dort weitflächig der Strom. Nicht nur für wenige Minuten, sondern für mehrere Tage. Mittendrin: die 93-Jährige und ihr 95-jähriger Mann Klaus-Jürgen Peters.

Doch das Ehepaar hatte Glück im Unglück. Sie bekamen liebevolle Unterstützung von ihren Nachbarn. „Sie waren gleich da, als der Strom ausgefallen ist“, sagt Brigitte Peters gegenüber der Morgenpost. Sie erinnert sich noch genau: „Unsere Nachbarn waren selbst betroffen, aber gut ausgestattet. So konnten sie uns sehr gut helfen.“ Gemeint sind Theresia und Thomas Fritsch. Kurz nachdem das Licht ausging, versorgten sie die beiden Hochbetagten mit dem Nötigsten.

Ehepaar Fritsch als „Stille Helden“ ausgezeichnet

„Sie haben uns Campingleuchten für jedes Zimmer gebracht, Kaffee und auch warmes Essen“, erinnert sich Brigitte Peters. Das Problem mit der Schlafapnoe rückte in dieser Ausnahmesituation erst einmal in den Hintergrund. Denn für die Senioren war diese herzliche Unterstützung eine Überraschung. „Das war so unverhofft, wir haben nicht damit gerechnet. Wir haben uns angeschaut und wussten gar nicht, was wir sagen sollen“, sagt Klaus-Jürgen Peters. Zwar sei das Verhältnis schon immer sehr gut gewesen, aber inmitten des Stromausfalls seien ihre Nachbarn eine noch größere Hilfe gewesen. „Das war für uns die Erleuchtung“, fasst es der 95-Jährige zusammen. 

Umso größer ist die Freude, dass ihre „Retter“ während des Stromausfalls nun eine Auszeichnung bekommen haben. Der Preis „Stille Helden“ wurde Mitte März vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf und von der Berliner Morgenpost verliehen. „In der heutigen Zeit ist es schön, dass man Nachbarn hat, die einem so spontan helfen“, sagt die 93-Jährige.

Theresia und Thomas Fritsch sind "Stille Helden"
Theresia und Thomas Fritsch haben ihren Nachbarn während des Stromausfalls Anfang des Jahres unter die Arme gegriffen. Für dieses Engagement wurde das Ehepaar als „Stille Helden“ ausgezeichnet. © privat | Privat

Mit Wasser und Stromaggregat für den Notfall vorbereitet

„Ach, mir ist das sehr unangenehm“, sagt Preisträger Thomas Fritsch, angesprochen auf die ungewohnte Aufmerksamkeit. Und dennoch sei die Freude groß gewesen. „Wir haben erst einmal geweint“, sagt Fritsch. Auch jetzt noch, einige Tage nach der Preisverleihung, mache ihn das emotional. „Wir helfen anderen aus Überzeugung und Selbstverständlichkeit. Wir freuen uns aber trotzdem, dass es aufgefallen ist.“ 

Wenn etwas im Haus passiere, würden er und seine Frau immer erst mal nach den Peters‘ schauen. „Die beiden sind ja auch schon etwas älter.“ So auch während des Stromausfalls Anfang des Jahres. Am ersten Tag sei er einkaufen gewesen. Und er war nicht unvorbereitet. „Ich habe auch ein großes Stromaggregat im Keller, das ist wie eine riesige Powerbank“, so Fritsch.

„Uns nervt es, wenn jeder nur seins macht“

Und dieser große Akku war es auch, der letztlich das Gerät zur Behandlung der Schlafapnoe von Brigitte Peters zum Laufen brachte. Als Thomas Fritsch von der Erkrankung erfahren hat, gab es keine Diskussionen. Er stellte sofort Strom zur Verfügung. Um die leergesaugte Powerbank am Morgen wieder aufzuladen, fuhr er zum Ordnungsamt oder in einen Baumarkt.

Blieb noch die Kälte als Problem. Denn ohne Strom sorgten auch die Heizungen im Berliner Südwesten nicht für Wärme. „Die Eiseskälte kroch richtig in meinen Körper hinein. Das war schlimm“, erinnert sich Brigitte Peters. Eine Enkeltochter, die in Schönefeld wohnt, hat schließlich eine kleine, tragbare Gasheizung besorgt. „Lange hat es natürlich nicht gehalten, aber so hatten wir es immer für ein paar Stunden warm“, sagt die 93-Jährige. Umso dankbarer sei das Ehepaar gewesen, dass Familie Fritsch mit ihrem Gaskocher immer wieder Wasser aufgekocht hat. Für warmen Tee zum Beispiel.

Wir helfen anderen aus Überzeugung und Selbstverständlichkeit.

Thomas Fritsch, Preisträger „Stille Helden“

Es waren aber nicht nur die Peters, die von ihren Nachbarn unterstützt wurden. „Wir haben bei allen im Haus geklingelt“, sagt Thomas Fritsch. Ein anderer Nachbar beispielsweise sei zum Zeitpunkt des Stromausfalls krank gewesen, für ihn haben sie die Koordination mit der Feuerwehr übernommen. „Für meine Frau und mich ist es selbstverständlich, dass wir für unsere Nachbarn da sind“, sagt Thomas Fritsch. Gerade in der heutigen Zeit seien viele Menschen Eigenbrötler. „Wir versuchen, das in unserem Umfeld anders zu machen“, sagt er. Seine Frau und er seien deshalb auch in der Wohnumgebung bekannt – weil sie sich auch mal Zeit für ein Gespräch im Alltag nehmen. „Uns nervt es, wenn jeder nur seins macht und sich in seiner Wohnung versteckt“, sagt Fritsch.