Liebe Leserin, lieber Leser,
am Morgen danach sieht man, was von der Mottowoche übrig bleibt: Glasscherben im Gras, Müllberge, die sich durch ganze Parkflächen ziehen. Die überfüllten Wege, blockierten Straßen und überforderten Einsatzkräfte gehören da schon zur Nacht davor – ebenso wie die genervten Anwohner. Szenen, die in Berlin inzwischen fast schon zum festen Begleitprogramm gehören.

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Dabei ist das Ritual so alt wie das Abitur selbst: ein letzter kollektiver Ausbruch vor dem Ernst des Lebens. Auch wir haben das damals gefeiert. Laut, manchmal zu laut. Aber wir wussten noch, wo Schluss ist.
Wo bleibt der Mindeststandard an Verantwortung?
Was sich jetzt in Berliner Parks abspielt, ist kein harmloser Übermut mehr. Es ist Rücksichtslosigkeit. Und die Verantwortung dafür liegt zuerst bei denen, die feiern. Lesen Sie hier mehr dazu.
Mit 18 ist man kein Kind mehr. Wer alt genug ist, das Abitur abzulegen, ist auch alt genug zu verstehen, dass öffentlicher Raum allen gehört. Dass man keine Straßen blockiert, keinen Müll hinterlässt – und schon gar keine Flaschen oder Steine auf Polizisten wirft.
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Doch genau das ist am Freitagabend passiert. Und es muss klar gesagt werden: Wer Einsatzkräfte angreift, begeht eine Straftat. Das ist kein Ausrutscher, kein Party-Exzess, sondern durch nichts zu entschuldigen. Das ist keine hohe moralische Messlatte. Das ist Mindeststandard.
Soziale Medien führen zu Massenereignissen
Gleichzeitig hat sich etwas verändert. Was früher auf dem Schulhof blieb, wird heute über soziale Netzwerke binnen Stunden zum Massenereignis. Aus einer Mottowoche wird ein Event. Aus einer Gruppe werden Hunderte, manchmal Tausende. Die Dynamik kippt – und mit ihr oft auch die Hemmschwelle. Das erklärt, warum Situationen schneller eskalieren. Es entschuldigt sie nicht.
Auch Behörden und Polizei müssen solche Entwicklungen besser antizipieren. Wenn sich große Gruppen digital verabreden, darf das kein Überraschungsmoment mehr sein. Und Berlin muss sich fragen, ob es genug Räume gibt, in denen junge Menschen feiern können, ohne andere zu belasten. Aber all das ersetzt nicht das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: ein Mindestmaß an Eigenverantwortung.
Das eigentliche Problem ist nicht das Feiern
Feiern gehört zur Mottowoche. Das eigentliche Problem ist auch nicht, dass zu viel gefeiert wird. Sondern dass immer weniger klar ist, wie man feiert, ohne andere einzuschränken. Wer aus einem gemeinsamen Abschluss ein Ereignis macht, das andere gefährdet, blockiert oder belastet, hat diesen Rahmen längst verlassen. Das ist kein Generationsproblem. Es ist ein Haltungsproblem.
Und genau deshalb darf man die Verantwortung nicht wegdelegieren. Nicht an die Schule, nicht an den Bezirk, nicht an die Polizei – sondern dorthin, wo sie hingehört: zu denen, die feiern.





