Am Kudamm lässt ein Autofahrer sein Fenster herunter. „Wofür steht’n ihr an?“, ruft er einer Gruppe junger Frauen zu. Auf die Antwort „Tulpen“ reagiert er mit einem ratlosen Gesicht. „Wofür?!“ Die Antwort bleibt dieselbe. Der Mann war nicht der einzige Passant, der erstaunt das Treiben auf dem Breitscheidplatz beobachtete. Schätzungsweise ein paar Tausend Leute versammelten sich am Sonnabend rund um die Gedächtniskirche, um dort 50.000 kostenlose Tulpen zu pflücken.

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Beim zweiten „Tulip Day Berlin“ konnten Besucher die 50.000 Blumen in einem Pop-up-Garten bestaunen und bis zu zehn pro Person pflücken und mitnehmen. Bereits im vergangenen Jahr war die Werbeaktion ein Erfolg. Diesmal dürften sich die Initiatoren noch übertroffen haben. Der Andrang am Breitscheidplatz war kurz vor Eröffnung so groß, dass man befürchten musste, die Absperrbänder könnten die Menschen nicht zurückhalten.

Kostenlose Tulpen am Breitscheidplatz

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    Berliner strömen für kostenlose Tulpen zum Breitscheidplatz

    Eine, die ihre Tulpen dann mit als Erste in den Händen hielt, ist Bettina Rauer-Zemmler. „Wir haben zwei Stunden angestanden“, sagt die Bielefelderin der Berliner Morgenpost. Sie sei ursprünglich davon ausgegangen, dass die Aktion um 11 Uhr starte. Deshalb hätten sie und ihr Mann sich um 10 Uhr eingereiht. Warum man überhaupt für Tulpen anstehe? Darauf hat Rauer-Zemmler eine einfache Antwort: „Ich liebe Tulpen“, sagt sie. Und schiebt noch hinterher, dass sie vergangene Woche 60 geworden sei und das beste Geschenk 60 Tulpen gewesen seien. Nun kommen eben noch zehn dazu.

    Ganz so früh sind Johannes und Ursula nicht zum Breitscheidplatz gefahren. Das Paar aus Tegel hält um 12.40 Uhr ebenfalls Blumen in den Händen. Von der Aktion haben sie im Radio erfahren. Und beim Frühstücken spontan entschieden, herzufahren. Bei der Frage, wie lange sie angestanden haben, guckt Ursula etwas beschämt und Johannes grinst spitzbübisch. „Nicht lange. Ich bin da ein bisschen von der Seite ran“, gesteht er.

    Tulip Day in Berlin
    Tulip Day in Berlin: Zahlreiche Berliner kamen zum Breitscheidplatz, um kostenlose Tulpen zu pflücken. Auch das Ehepaar aus Tegel war zeitig vor Ort. © Leonhard Rosenauer / Berliner Morgenpost | Leonhard Rosenauer

    Tulip Day in Berlin: Wer zu spät kam, ging leer aus

    Das Reindrängeln dürfte sich gelohnt haben. Bereits vor 12 Uhr reihten sich Menschen von der Nordseite der Gedächtniskirche, entlang der Budapester Straße und Kantstraße, dann auf der Joachimsthaler Straße und schließlich auf dem Kudamm zurück bis zur Südseite der Kirche. Stetig kamen Menschen hinzu. Eine Stunde später reichte die Schlange noch immer um den gesamten Block. Viele Besucher dürften am Ende des Tages leer ausgegangen sein.

    Rund um den Breitscheidplatz und das Pop-up-Blumenbeet versammelten sich zudem mehrere Hundert Schaulustige. Zeitweise musste man sich durch die Menschen kämpfen, um überhaupt einen Blick auf die Blumen erhaschen zu können. Die Aktion hatte bereits im Vorfeld für eine breite mediale Berichterstattung gesorgt. Und auch in den sozialen Medien sorgten die kostenlosen Tulpen für einen kleinen Hype.

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    Organisiert wurde der zweite Tulpentag von der niederländischen Botschaft und der Vereinigung „Tulip Promotion Netherlands“. Die Niederlande gelten als größter Tulpenproduzent weltweit. Bei der Vereinigung handelt es sich um einen Zusammenschluss von Hunderten niederländischen Tulpengärtnerinnen und -gärtnern, die für die Frühlingsblume werben wollen. Das dürfte ihnen mit der Aktion in Berlin gelungen sein.

    mit dpa