Deutschland ist ein Wanderland. Rund 300.000 Kilometer Wege führen von der Nordsee bis zu den Alpen. Auch Berlin und Brandenburg sind beliebte Ziele für alle, die gern zu Fuß unterwegs sind, ganz unabhängig vom Alter. Unser Redakteur Jörg Krauthöfer nimmt die Leserinnen und Leser mit auf Wandertouren durch Berlin und Brandenburg. Wöchentlich gibt es einen Wandertipp: mal ein Spaziergang durch den Kiez, mal eine längere Tour in die Brandenburger Landschaft, oft auch über versteckte Pfade. Ob dichte Wälder, glitzernde Seen oder innerstädtische Parks, für jede und jeden ist etwas dabei. Jörg gibt zudem Hinweise zu Ausrüstung und Planung und zeigt kulturelle und historische Besonderheiten entlang der Strecken. Also: Schuhe schnüren, Proviant einpacken und die Vielfalt Berlins und Brandenburgs zu Fuß entdecken. Heute geht es durch das Naturschutzgebiet Bogenseekette nach Buch. Unterwegs warten ein paar zottelige Gesellen auf Wanderer.
Infos zur Wegstrecke
- Start: Bahnhof Karow (S2)
- Ziel: Bahnhof Buch (S2)
- Weglänge (insgesamt: 9,2 km)
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldwege, Schotterpiste
- Höhenmeter: 20 hoch, 10 runter
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Los geht unsere Wandertour am S-Bahnhof Karow, der im Norden Berlins kurz vor der Stadtgrenze liegt. Über die Pankgrafenstraße gelangen wir zur Panke, überqueren die Brücke und biegen anschließend gleich nach links auf den Panke-Wanderweg ein.
Woher der Name Pankgraf stammt, ist nicht genau belegt; vermutet wird eine Vereinigung rechtschaffener Ritter und Beschützer der Gegend rund um die Panke. Bereits im 17. Jahrhundert erzählte man sich in Pankow die Legende vom Pankgrafen Udo mit der gespaltenen Klaue. Zu seinen Laster zählte die Trunksucht; der Überlieferung nach stürzte er sich 1631, betrunken und in voller Rüstung, in die Panke und ertrank jämmerlich. Seitdem soll Udo alle 50 Jahre als Nebelschatten erscheinen.
Im 19. Jahrhundert entstand anlässlich der eigenen Wiederbegründung eine zweite, eigens geschaffene Legende: Aus Pankgraf Udo wurde der Urgraf Udo mit der gespaltenen Klaue, dem die Gründung der Pankgrafschaft im Jahr 1381 zugeschrieben wird. Gleichgeblieben ist auch die Sage, dass sich Urgraf Udo alle 50 Jahre zeigt, um zu sehen, ob sein geliebter Fluss noch fließt.
Einige Meter weiter steht links eine Informationstafel. Dort wählen wir den linken Weg und wandern an einer Koppel vorbei Richtung Norden zu den Karower Teichen. Diese ehemaligen Torfstiche und Fischteiche dienen heute als bedeutendes Brut- und Rastgebiet für zahlreiche Vogelarten. Von Aussichtspunkten und Plattformen kann man die Teiche und ihre tierischen Bewohner genau beobachten. Ein kurzer Abstecher zu einem der zahlreichen Aussichtspunkte rund um diese Teichlandschaft lohnt sich auf jeden Fall.

Wir durchqueren das Naturschutzgebiet Karower Teiche und biegen vor der Bucher Straße rechts in den Feldweg ab. Der führt uns am Weidegebiet englischer Parkrinder, die hier als tierische Landschaftsgestalter „arbeiten“, entlang bis zum Schönerlinder Weg. Diesem folgen wir bis zur Brücke am Lietzengraben. Unter der Brücke wechseln wir auf die andere Seite des Kanals und gehen dort rechts am Lietzengraben entlang weiter Richtung Nordwesten.

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Das Quellgebiet des kleinen Kanals liegt ein paar Kilometer weiter im Gebiet der Gemeinde Schönow. Eigentlich fließt der kleine Fluss gemächlich mehrere Kilometer direkt auf der Stadtgrenze zwischen Berlin und Brandenburg entlang. Hinter der Autobahnunterführung wird er auf einigen Metern jedoch zu einem schnellen Fließgewässer. Grund dafür ist der Bau einer Fischtreppe. Eine Informationstafel an dieser Stelle informiert über die Besonderheiten dieses kleinen Biotops.

Wir unterqueren die Eisenbahnbrücke der Regionalbahnlinie 27. Die Niederbarnimer Eisenbahn, hier gern auch Heidekrautbahn genannt, verbindet mit ihren Zügen, die im Stundentakt zwischen Karow, Groß Schönebeck und Wensickendorf verkehren, die Hauptstadt mit dem Barnim. Hinter dem Bahndamm leben die heimlichen Stars dieser Wandertour: schottische Hochlandrinder. Der Weg führt uns durch gesicherte Zaunanlagen direkt über die Weidegebiete dieser zotteligen Gesellen. Mit etwas Glück halten sich die Tiere ganz in der Nähe auf und lassen sich beim Fressen beobachten. Vorsicht ist dennoch geboten. Warnschilder an den Durchgängen informieren die Besucher über das richtige Verhalten und den Umgang mit den robusten Landschaftspflegern.

Das Weideland auf der nördlichen Bahndammseite markiert auch den Beginn des Naturschutzgebiets Bogenseekette. Es liegt im sogenannten Bucher Forst und besteht im Wesentlichen aus drei Karpfenteichen und dem Bogensee. Besonders beeindruckend ist der alte Hutewald. Die schottischen Rinder arbeiten hier als freiberufliche Landschaftsgärtner und sorgen dafür, dass lichter, parkartiger Wald mit alten Bäumen, wenig Unterholz und hoher Biodiversität entsteht. Wir wandern entlang der Karpfenteiche durch diese einzigartige Kulturlandschaft und biegen dann nach rechts zum Aussichtspunkt Bogensee ab. Er liegt hinter einer Brücke und bietet eine gute Sicht auf die Rastplätze der Kraniche und Schwäne.

300 Meter weiter biegen wir scharf links in einen Waldweg ein und folgen ihm nordostwärts; zeitweise führt er durch einen wunderschönen Buchenwald. Dabei überqueren wir die Schönerlinder Chaussee und laufen parallel zum Waldgraben bis zur Hobrechtsfelder Chaussee. Dieser folgen wir nach links für ein paar Meter bis zur Revierförsterei. Gegenüber windet sich ein unscheinbarer Pfad in den Laubwald hinein, an dessen Ende wir auf den Pöllnitzweg treffen. Er bringt uns stadteinwärts bis zu einem kleinen Fußgängerweg, dem wir nach rechts in das Ludwig-Hoffmann-Quartier folgen.

Der Namenspatron dieses neuen Stadtquartiers in Berlin-Buch war zwischen 1896 und 1924 als Stadtbaurat der Berliner Hochbauverwaltung tätig und prägte in dieser Zeit das Stadtbild an vielen Stellen. Hoffmann war maßgeblich am Bau von 13 Krankenhausanlagen beteiligt, davon fünf in Buch. Das heutige Ludwig-Hoffmann-Quartier war in Teilen ursprünglich als vierte Berliner Heil- und Pflegeanstalt geplant. Die vorgesehene Nutzung trat jedoch nie ein; während des Ersten Weltkriegs wurde die Anlage als provisorisches Kriegslazarett verwendet. Später war sie ein Kinderkrankenhaus, dann ein städtisches Krankenhaus. Die Rote Armee nutzte sie zeitweise als Sitz der sowjetischen Sanitätsverwaltung. Heute hallt fröhliches Kinderlachen durch die historische Anlage. Denn neben 1000 Wohnungen sind an der Wiltbergstraße auch mehrere Schulen und Kitas und andere soziale Einrichtungen beheimatet.
Wir verlassen die historische Wohnanlage und folgen ostwärts der Wiltbergstraße bis zum S‑Bahnhof Buch, dem Endpunkt unserer heutigen Wanderung.




