Die Frühjahrsumfrage der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) bietet nur wenig Erfreuliches. Vier von zehn Branchen erwarten für 2026 schlechtere Geschäfte als im Vorjahr. Ein echter Aufschwung sei derzeit nicht in Sicht, erklärt der UVB. Die Eskalation im Nahen Osten, steigende Unsicherheiten und Energiekosten bremsen die Konjunktur aus.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Aber auch „viele hausgemachte Hindernisse“ wie zu viel Bürokratie würden die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg behindern. Im UVB sind 60 Einzelverbände aus verschiedenen Branchen zusammengeschlossen. Er bezeichnet sich selbst als „Stimme der Wirtschaft in der Hauptstadtregion“.
Die wirtschaftlichen Aussichten und die aktuelle Geschäftslage bewerten vier von zehn Branchen im UVB schlecht, nur 20 Prozent zeigten sich zufrieden. 39 Prozent der Verbände befürchten eine weitere Verschlechterung. Nur jeder zehnte Betrieb rechnet mit einer spürbaren Verbesserung der Geschäfte.
Besonders schlecht sind Stimmung und Aussichten in der Industrie, hier vor allem in der Chemie- und Metallbranche. Deutlich besser sieht es dagegen in der Elektroindustrie und der Luftfahrt sowie in einigen Pharmasparten aus. Auch die Verteidigungsindustrie rechnet mit mehr Aufträgen.
Schwergewichte wie der Handel oder die Gastronomie sehen dagegen „kein Licht am Ende des Tunnels“, so der UVB. „Einen starken Aufschwung hat derzeit keine Branche auf dem Zettel“, erklärte Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der UVB, „wir steuern bestenfalls auf eine leichte wirtschaftliche Belebung zu.“
Für Berlin rechnet der Verband mit einem Prozent Wachstum, für Brandenburg mit einer „schwarzen Null“
Für Berlin rechnet der Branchenverband immerhin mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes von einem Prozent, für Brandenburg mit einer „schwarzen Null“, so Schirp. Für das Flächenland deutet sich damit für 2026 eine Trendwende an, nach drei Jahren mit negativen Ergebnissen in Folge. Und Berlin liegt mit einem Prozent Wachstum knapp über dem erwarteten Bundesdurchschnitt von 0,8 Prozent.
Die Unternehmensverbände rechnen bei der umstrittenen Ausbildungsplatzabgabe nicht mehr damit, dass das von der Politik vorgegebene Ziel von 2000 neuen Ausbildungsverträgen erreicht wird. Jeder zweite Verband habe erklärt, in diesem Fall sein Angebot zu reduzieren. „SPD und CDU setzen bei der Ausbildungsplatzabgabe auf das falsche Pferd“, kritisierte Schirp. Die Politik solle sich stattdessen lieber für bessere Bedingungen für Investitionen einsetzen. Auch im Wohnungsbau „müsse noch viel passieren in dieser Legislaturperiode“.
Lob für kurzen Koalitionsvertrag und große Investitionen in Brandenburg
Der UVB hatte Anfang des Jahres ein Programm für 100.000 Wohnungen vorgeschlagen, das unter anderem den Bau von Wohnungen auf Supermärkten und die Umwandlung von Büroflächen vorsieht. Eine verkürzte Planung und weniger Vorschriften sollen den Neubau beschleunigen. Dieses Konzept sei im Berliner Senat auf eine „gute Resonanz“ gestoßen, so Schirp, und werde von der Bauwirtschaft getragen, man befinde sich mit der Politik hier „in einem engen Austausch“.
Den mit 32 Seiten vergleichsweise kurzen Koalitionsvertrag zwischen SPD- und CDU-Fraktion in Brandenburg bezeichnete Schirp als „erfreulich“. Auch große Investments in den Aufbau von Rechenzentren, wie von Amazons Webservice (8 Milliarden Euro) und der Schwarz-Gruppe (11 Milliarden Euro), begrüßten die Unternehmensverbände.




