Berlin trug Lila: Insgesamt sind fast 40.000 Menschen am Sonntag zu verschiedenen Demonstrationen und Veranstaltungen anlässlich des Internationalen Frauentags in Berlin unterwegs. Der größte Zug startete gegen 13 Uhr am Oranienplatz in Kreuzberg und erreicht gerade das Rote Rathaus. Allein dort kamen zur Abschlusskundgebung laut Veranstaltern rund 28.000 Menschen zusammen. Laut Polizei gab es bis zum frühen Abend keine besonderen Vorkommnisse. Zudem machten sich 7500 Radfahrer aus Kreuzberg zu einer Rundfahrt zum Frauentag auf. Am Abend startete ein Zug mit 6500 Demonstranten vom Kottbusser Tor Richtung Sonnenallee. Dieser wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet und widmete sich eher dem Thema Nahost.

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Aufgerufen zum Protest hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Verbänden und Initiativen. „Gleichberechtigung ist keine Raketenwissenschaft“, war auf einem Plakat auf der großen Demo zu lesen, „Mann tötet nicht aus Liebe“ auf einem anderen. Rednerinnen kritisierten, dass Gewalt gegen Frauen in Deutschland zum Alltag gehöre. Sie wandten sich auch gegen die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz und gegen eine mögliche Wehrpflicht für Frauen. Ein wichtiges Thema war auch die Solidarität mit den Frauen im Iran.

Der größte Zug war gegen 13 Uhr am Oranienplatz in Kreuzberg gestartet. Mit dabei waren unterschiedlichste Gruppierungen, von der „Interventionistischen Linken“ über einen Antifa-Block bis zu Frauenzentren und „Omas for Future“ und dem Frauenchor „Judiths Krise“, der in neonbunten Perücken auftrat und sang.

„Wir müssen bei der Erziehung der Kinder anfangen“

8. März Frauentag
„Wir müssen bei der Erziehung der Kinder anfangen, etwas zu ändern“, so Eva (l.), die mit ihrer Schwester und Kindern zur Demo gekommen war.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Was ist anders, wenn Frauen demonstrieren? „Uns geht es darum, Solidarität und Gemeinschaft zu zeigen“, sagten die Studentinnen Lilli (21) und Ari (27). Lilli, aufgewachsen in einem Dorf, ging für „Gerechtigkeit in Sachen Geld“ auf die Straße. „Ich möchte genauso bezahlt werden wie meine männlichen Kollegen.“ Auch das Thema Sicherheit sei wichtig, sagt sie. „Frauen müssen nach wie vor damit rechnen, dass sie abends nicht sicher sind, wenn sie allein unterwegs sind. Das darf nicht sein.“ Dies sei in Berlin nicht anders als auf dem Dorf. „Wir müssen bei der Erziehung der Kinder anfangen, etwas zu ändern“, sagten zwei Schwestern, die mit ihren Kindern vom Stadtrand und aus Pankow zur Demo am Alexanderplatz gekommen waren.

Eine Vielzahl der Plakate richtete sich direkt an die Männer. „Wenn Männer schwanger würden, wäre Abtreibung ein Grundrecht“, hatten Marisa (28) und Aline (32) auf ihre Plakate geschrieben, und: „Wenn dich das triggert, bist du Teil des Problems.“ Alle Männer, auch ihre Väter, Onkel und Opas, sagten die beiden, „sollten mal reflektieren, dass sie Teil des Problems sind und auch aktiv daran arbeiten müssen“. Ein gesellschaftliches Thema sei Gleichberechtigung in Wissenschaft und Medizin, so Marisa. „Es kann nicht sein, dass es mehr Studien zu männlichem Haarausfall gibt als zur Frauengesundheit wie etwa Endometriose.“

Frauentag 8. März 26 Berlin Teilnehmerinnen Marisa und Aline
„Wenn Männer schwanger würden, wäre Abtreibung ein Grundrecht“, hatten Marisa (28) und Aline (32) auf ihre Plakate geschrieben. © Berlin | Uta Keseling

Gleiche Bezahlung von Frauen und Männern und bessere Arbeitsbedingungen gefordert

Unter den Aktivistinnen waren auch zahlreiche Männer. Jonas (42) etwa verteilte in Kreuzberg Flyer der Bewegung „Ende Gelände“ gegen Gasbohrungen. Er räumte ein: Dabei habe er vor allem die linke Zielgruppe der Frauendemos im Blick gehabt. Er finde es wichtig, dass auch Männer für Feminismus auf die Straße gingen. „Solange Männer für schwul oder irgendwie anders gehalten werden, nur weil sie beispielsweise Gefühle zeigen, gibt es gesellschaftlich noch viel zu tun.“

Anlässlich des Weltfrauentags am Sonntag hatten zahlreiche Organisationen sowie Politikerinnen und Politiker gleiche Bezahlung von Frauen und Männern sowie bessere Arbeitsbedingungen gefordert. Auch 2026 verdienten Frauen in Deutschland im Durchschnitt noch immer weniger als Männer, so die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), die im Demonstrationszug mitlief. Der Internationale Frauentag sei deshalb nicht nur ein Tag der Anerkennung, sondern auch der Auftrag, „dafür zu sorgen, dass Frauen überall selbstverständlich mitentscheiden, mitgestalten und die gleichen Möglichkeiten und Freiheiten haben wie Männer“.

Karger: Recht auf Teilzeit nicht einschränken

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) konstatierte zum Feiertag, hinsichtlich Frauenrechten sei zwar „viel erreicht“ worden, „aber es gibt noch viel zu tun“. Auch er verwies auf die schlechtere Bezahlung von Frauen und ihre mangelnde Repräsentation in Führungsetagen. Zudem dürften Gewalt gegen Frauen und Femizide „niemals akzeptiert werden“.

Die Bezirksvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Berlin-Brandenburg, Katja Karger, forderte, Frauen besser vor sexueller Gewalt am Arbeitsplatz zu schützen, das Recht auf Teilzeit nicht einzuschränken und am 8-Stunden-Tag festzuhalten. Der Bundesregierung warf sie einen Angriff auf den Sozialstaat vor. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, griff die Äußerungen aus der CDU von einer angeblichen „Lifestyle-Teilzeit“ auf. Dieser Vorwurf sei „respektlos“.

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mit epd/dpa