Laut IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner ist die Suche nach einem Nachfolger für Berlins Unternehmen ein Riesenproblem. „Rund ein Viertel der Berliner Unternehmen steht laut unserer aktuellen IHK-Konjunkturumfrage vor der Übergabe des Unternehmens in den nächsten fünf Jahren.“ Bei fast 400.000 Firmen in Berlin wären 100.000 betroffen. Sollten sie in den nächsten Jahren keinen Nachfolger finden, drohen Schließungen.

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Helfen bei der Suche soll eine Nachfolgezentrale. Sie wird von der Handwerkskammer, der IHK und der Wirtschaftsbank mit einem Eigenanteil von je 150.000 Euro finanziert. Gestartet wurde sie von der Senatsverwaltung für Wirtschaft mit 300.000 Euro, der Anteil ist laut Schreiner jetzt auf eine Millionen Euro erhöht worden.
Gestartet ist die Zentrale im November 2024, gemeldet haben sich bis heute 400 übergabewillige Unternehmen und 1400 potenzielle Übernehmer. Aktuell laufen laut der IHK 150 Matching-Verfahren. Betreut werden sie von sechs Mitarbeitern, zwei weitere Stellen sind ausgeschrieben.
Nachfolgesuche dauert zwischen 18 und 36 Monaten
Interessenten bekommen zunächst anonymisierte Daten des Unternehmens, die sich nicht identifizieren lassen. Erst bei näherem Interesse geht es in die individuelle Vermittlungsarbeit, laut Schreiner ein aufwendiger Prozess, der zwischen 18 und 36 Monaten dauert. Für beide Seiten ist das Angebot kostenlos.
Ein Problem bei der Suche nach einem Nachfolger sei, dass oftmals die übergebenden Unternehmer den Wert ihrer Firma überschätzen. „Unternehmerinnen und Unternehmer haben natürlich so viel Herzblut investiert und sind ihrem Lebenswerk emotional verbunden. Daher gehen die Kaufpreisvorstellungen verständlicherweise oftmals über die rein rationalen wirtschaftlichen Zahlen hinaus“, so Schreiner. Eine neutrale Unternehmensbewertung soll hier helfen.
Immer seltener übernehmen Kinder die Firma der Eltern
Dass Kinder des Inhabers den Betrieb der Eltern übernehmen, werde immer seltener. Viele schrecke „ein zunehmend komplexes Regulierungsumfeld“ ab, so Schreiner, „Unternehmen müssen sich mit wahnsinnig viel Bürokratie herumschlagen.“ Das Thema Erbschaft- und Schenkungsteuer sei bei einer Familiennachfolge das schwierigste Thema. Ein weiteres sei der Datenschutz der Kunden. Bei Nachfolgern von außen seien es Veräußerungsgewinn und Steuerrecht.
Für viele Unternehmer ist der Verkaufspreis auch als Altersvorsorge eingeplant, oft müssen die Kinder ihn „rauskaufen“, ihnen fehlt dazu aber oft das Eigenkapital. Übernimmt ein Nachfolger außerhalb der Familie die Firma, besteht die Gefahr, dass dieser die Firma an die Wand fährt und sich die Altersvorsorge in Luft auflöst.
Ein Treffer ist für die IHK ein Erfolg
Die Nachfolgezentrale hat in 16 Monaten erst eine Firma und einen Nachfolger zusammengeführt. Sie sollen auf dem Nachfolgetag der IHK Berlin am 20. März vorgestellt werden. Schreiner wertet einen Treffer als Erfolg. Es brauche eben Zeit, Firmen zu finden, die sich eignen, mit ihnen Gespräche zu führen und alle Daten zu erfassen. „Ein erfolgreiches Match nach etwas mehr als einem Jahr ist ein Erfolg, wenn man berücksichtigt, dass Nachfolgeprozesse in der Regel drei bis fünf Jahre brauchen“, so Schreiner.
Hunderttausende Nachfolgen stehen in den nächsten Jahren bundesweit an. „Da das den gesamten Mittelstand betrifft, ist es absolut notwendig, dass bürokratische und steuerliche Hürden auch auf Bundesebene angegangen werden“, fordert Schreiner.




