Ich saß heute auf dem Balkon, die Sonne schien mir ins Gesicht. Es war einer dieser ersten Tage im Jahr, an denen man nicht mehr nur hofft, dass der Frühling kommt – sondern ihn spürt. Unten im Hinterhof wurde gelacht. Irgendwo klapperte Geschirr. Jemand diskutierte sehr ernsthaft darüber, ob es schon warm genug für kurze Ärmel ist.

Dann kam die Push-Mitteilung. Raketen. Rauch. Tote. Bilder, die man nicht sehen will – und trotzdem ansieht.

Angriff auf den Iran - Teheran
Iran: In Teheran ist eine Explosion zu sehen.© Uncredited/AP/dpa | Uncredited

Für einen Moment fühlte sich alles falsch an. Darf ich hier sitzen? Darf ich diese Sonne genießen, während anderswo Menschen in Kellern Schutz suchen? Müsste ich nicht zumindest ein schlechtes Gewissen haben? Die klare Antwort lautet: Nein.

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Wir sind keine Solaranlagen für globale Schuldgefühle. Empathie heißt nicht, sich selbst das Licht auszuschalten. Wer im Park sitzt und lacht, relativiert kein Leid. Wer die Sonne genießt, unterstützt keinen Krieg. Unser Alltag ist kein moralischer Fehltritt.

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Trotz Krisen: Offenheit und Lebensfreude stärken die Gesellschaft

Im Gegenteil: Eine offene Gesellschaft erkennt man nicht daran, dass sie kollektiv den Kopf hängen lässt. Sondern daran, dass sie trotz allem weiterlebt. Informiert. Mitfühlend. Wach. Aber eben auch lebendig.

Ja, wir sollten hinschauen. Ja, wir sollten Haltung zeigen. Ja, wir sollten uns nicht wegducken vor dem, was in der Welt geschieht. Aber wir müssen den Frühling nicht boykottieren.

Frühling in Berlin
Berlin: Die Sonne geht hinter einem Baum im Regierungsviertel auf.© Christophe Gateau/dpa | Christophe Gateau

Die Gleichzeitigkeit von Frieden hier und Krieg dort ist kein Zynismus – sie ist Realität. Und sie auszuhalten, ohne zu verrohen und ohne zu verzweifeln, ist vielleicht eine der stillen Herausforderungen unserer Zeit.

Also ja: Ich bleibe informiert. Ich lese die Nachrichten. Ich denke an die Menschen, die gerade nicht auf Balkonen sitzen können. Und dann bleibe ich noch einen Moment in der Sonne sitzen. Mit Bewusstsein. Mit Maß. Und ja – vielleicht auch mit einer Kugel Eis in der Hand.