Von Mittwoch bis Samstag früh streiken Mitarbeiter der Vivates-Töchter und fordern ein Ende der „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Denn die rund 2500 Angestellten der Tochterfirmen seien deutlich schlechter gestellt, als Angestellte des Mutterkonzerns.

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So komme es vor, dass für die gleiche Arbeit in einer Abteilung unterschiedlich viel Lohn gezahlt werde, berichtete Christina Sambrowski auf einer Pressekonferenz von Verdi. Sie arbeitet bei der Vivantes-Tochter Vivaclean und ist für die Reinigung in einer Notaufnahme zuständig. Angestellte der Vivantes-Mutter bekommen Tariflohn nach TVöD, Angestellte der Töchter sollen nach den Plänen von Vivantes bis 2030 schrittweise an den Tariflohn herangeführt werden.
In zwei Verhandlungsrunden habe Vivantes ausschließlich Angebote vorgelegt, die diese Zwei-Klassen-Belegschaft weiter zementieren würden, kritisiert Verdi. So bekommen die Angestellten der Vivantes-Töchter nicht nur weniger Lohn, sondern auch keine betriebliche Altersvorsorge. „Das führt in die Altersarmut“, warnte Sambrowski.
Ein Gericht entscheidet über den Notdienst
Streit gibt es auch um das Notfallprogramm während der Streiktage. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatte in einer Entscheidung einen Notdienstplan festgelegt, der sich weitgehend an den Anträgen des Vivantes-Arbeitgebers orientiert. Dieser sieht Notdienste während des Streiks bei fast allen Vivantes-Töchtern vor.
Die Gewerkschaft Verdi sieht darin eine Einschränkung des durch Artikel 9 Absatz 3 Grundgesetz geschützten Streikrechts. Denn nur für die Glasreinigung und den Winterdienst hat das Arbeitsgericht die Anträge der Vivantes-Töchter abgewiesen. Nur in diesen Bereichen müsse während des anstehenden Streiks kein Notdienst stattfinden, erklärte das Gericht. Patienten müssen damit rechnen, dass planbare Operationen verschoben werden, sagte ein Vivantes-Sprecher. Einige der streikenden Beschäftigten sind für die sterile Reinigung von Operationsinstrumenten zuständig.
Verdi sieht den Berliner Senat in der Pflicht
Die Gewerkschaft sieht auch den Berliner Senat in der Pflicht: CDU und SPD hätten schon im Koalitionsvertrag 2023 festgelegt, eine Angleichung an 100 Prozent des TVöD umzusetzen. „Die Zusage wurde gebrochen, ohne dass sich die regierenden Parteien dazu bisher erklärt haben“, kritisierte Verdi.
Der Streik der Vivantes-Töchter trifft offenbar den Nerv vieler betroffener Angestellter. Eine Streikversammlung der Gewerkschaft im Haus des „Neuen Deutschlands“ war mit mehr als 250 Teilnehmenden gut besucht. Die Kollegen seien sauer, die Streikkasse gut gefüllt, erklären die Verhandlungsführer. Das Zusammentreffen mit dem BVG-Streik sei aber Zufall, betonten sie.




