„Herzlich willkommen in meiner Kiezkantine“, sagt Elif Eralp. Die Spitzenkandidatin der Linken trägt eine rote Schürze und serviert ihren Gästen Kohlrouladen und Rotkohl. In dem Kreuzberger Lokal, „Spumante“ hat die Linke am Freitag ihr Konzept für Kiezkantinen in Berlin vorgestellt. Mit jährlich 19 Millionen Euro sollen 15 Kantinen neu aufgebaut und acht weitere, schon bestehende Kantinen gefördert werden. Langfristig sollen die Kiezkantinen als Teil der städtischen Infrastruktur vom Land Berlin selbst betrieben werden.

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Bevor gemeinsam gegessen wurde, hat Eralp erklärt, was hinter der Idee steckt. Die Lebensmittelpreise seien in den vergangenen fünf Jahren um 35 Prozent gestiegen, die Angebotsmieten im selben Zeitraum um fast 100 Prozent. Jedes vierte Kind in Berlin lebe mittlerweile in Armut, in sozial schwachen Bezirken wie Spandau oder Neukölln seien es sogar bis zu 65 Prozent. „Immer mehr Menschen müssen sich zwischen einer warmen Wohnung und einer warmen Mahlzeit entscheiden“, sagte Eralp. Immer mehr arme Menschen würden sich ungesund ernähren, immer mehr Renter würden sich eine Teilhabe am öffentlichen Leben nicht mehr leisten können.

Die Linke stellt Konzept für Kiezkantinen vor
Hat früher selbst gekellnert, um sich ihr Studium zu finanzieren: Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken, bei der Vorstellung des Konzepts der Kiezkantinen im „Spumante“. © FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Als Mutter von zwei Kindern begründet Eralp die Bedeutung der Kiezkantinen aber auch feministisch. Frauenrechtlerinnen hätten schon vor langer Zeit die Idee der Volksküche propagiert. Daran wolle man anschließen: Die Kiezkantinen sollen auch dazu beitragen, die noch immer mehrheitlich von Frauen geleistete, unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit zu vergesellschaften, so die Spitzenkandidatin.

Kiezkantinen in Berlin: Das ist das Konzept der Linken

In den Kantinen sollen an jedem Wochentag frisch zubereitete Gerichte angeboten werden, von denen das günstigste immer nur drei Euro kostet. Bei der Standortsuche soll der Fokus auf den 24 Berliner Großsiedlungen liegen, in denen besonders viele Rentner und Menschen mit geringem Einkommen leben. Es sollen sowohl bestehende Angebote ausgebaut als auch neue Kantinen eröffnet werden. Der Aufbau und Betrieb der Kantinen sollen mit jährlich 19 Millionen Euro vom Land Berlin gefördert werden. Das Programm ist zunächst auf vier Jahre angelegt und so gerechnet, dass die Kantinen wochentags, nicht am Wochenende, geöffnet haben.

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Zuerst sollen bestehende Kantinen gefördert werden, die ihr Essen aktuell noch nicht für drei Euro anbieten können. In einer zweiten Phase sollen nach einer öffentlichen Ausschreibung neue Kantinen entstehen. Langfristig sollen die Kantinen dann in einen landeseigenen Betrieb überführt werden. Die Linke rechnet damit, dass die Kantinen schon im zweiten Jahr des Programms 14.000 Essen pro Tag anbieten können. Zum Vergleich: Das Studierendenwerk betreibt aktuell an 34 Standorten Mensen mit täglich 22.000 Besuchern. Diese Mensen werden mit jährlich 17 Millionen Euro bezuschusst.

Vorbilder für die Kiezkantinen gibt es unter anderem in Istanbul, Paris und Kopenhagen. Die Linke versichert, dass die Kantinen keine Konkurrenz zu der von den Auswirkungen der Corona-Pandemie noch immer gebeutelten Gastronomieszene sein sollen. Und für die Landwirtschaftsbetriebe im Berliner Umland entstehe ein verlässlicher Abnehmer. In den Kiezkantinen soll saisonales, nachhaltig produziertes Essen verkauft werden.