Als sich am Montagvormittag die Glastüren des Kino International an der Karl-Marx-Allee öffnen, wirkt der Moment wie ein Zeitsprung. Die Golddecke in der Eingangshalle, der Naturstein der Treppenaufgänge, die Holzlamellen der Panoramabar oben: Alles glänzt, als hätte die Nachkriegsmoderne gerade erst ihre Premiere gefeiert. Und doch war dieses Haus fast zwei Jahre lang eine Baustelle. Staub, Gerüste, offene Schächte, demontierte Paneele – all das ist nun Geschichte. Am 26. Februar 2026 startet das Kino wieder in den Spielbetrieb, zunächst mit einem Soft-Opening, am 3. März wird dann offiziell neu eröffnet. Das Interesse ist groß. Die ersten Vorstellungen, gezeigt wird der neue Film mit Timothée Chalamet, „Marty Supreme“, sind längst ausverkauft.

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Bereits jetzt, zwei Wochen vorher, dürfen wir einen ersten Blick in den denkmalgeschützten Prachtbau werfen, der modernisiert wurde, ohne dass es nach Umbau aussehen soll. „Wenn Sie sich umschauen, ist dieses Versprechen gehalten worden“, sagt Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck Kinogruppe, durchaus mit Stolz. Tatsächlich wirkt alles vertraut, erst beim genauen Hinschauen fällt auf, dass die Holzwand vor dem Saal nicht mehr so grau wirkt, die Sessel neu gepolstert sind, das Eichenparkett neu verlegt ist. „Wir haben fast ausschließlich mit traditionellen Berliner Handwerksbetrieben kooperiert“, betont Bräuer. Bis zu 50 Menschen hätten gleichzeitig auf der Baustelle gearbeitet.

Kino International in Berlin: Erste Fotos nach Sanierung

Wiedereröffnung des Kino International
Blick in das Foyer des Kino International. © Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen
Wiedereröffnung des Kino International
Alles glänzt, als hätte die Nachkriegsmoderne gerade erst Premiere gefeiert.© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Wiedereröffnung des Kino International
Neben der blauen Bestuhlung fällt auch die Decke auf.© Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen
Wiedereröffnung des Kino International
Von der Treppe (l.) geht es in den ersten Stock zur Panoramabar (r.) und den Eingängen zum Kinosaal (hinten links).© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Wiedereröffnung des Kino International
Wieder ganz frisch: der Naturstein des Treppenaufgangs.© FUNKE Foto Services | Reto Klar
Wiedereröffnung des Kino International
Blick in das Foyer des Kino International. © Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen
Wiedereröffnung des Kino International
Blick in das Foyer des Kino International. © Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen
Wiedereröffnung des Kino International
Imposante Kronleuchter hängen in der Panorama-Bar von der Decke.© Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen
Wiedereröffnung des Kino International
Blick in die Panorama-Bar im Kino International. © Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen
Wiedereröffnung des Kino International
Bei einer Pressevorführung wurde der Saal illuminiert.© Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen

Kino sollte hier in Mitte von Anfang an ein gesellschaftliches Ereignis sein

Seit seiner Eröffnung 1963 ist das Kino International mehr als ein Ort für Filmvorführungen. Es war Premierenkino der Defa und Bühne für Regisseure und Schauspieler aus aller Welt. Vor allem aber war es immer ein Haus, das sich selbstbewusst in die Stadt eingeschrieben hat. Kino als gesellschaftliches Ereignis.

Um diesen Anspruch in die Zukunft zu tragen, musste das International erstmals vollständig schließen. Von April 2024 bis Februar 2026, kurz nach dem 60. Jubiläum, wurde generalsaniert. Hinter dem sichtbaren Glanz verbirgt sich ein technischer Kraftakt. Leitungen, Elektrotechnik, Heizung, Sanitäranlagen – alles wurde erneuert. Im Keller wurden die haustechnischen Anlagen vollständig modernisiert. Die alten Systeme hatten sechs Jahrzehnte hinter sich. Die neue Heiztechnik senkt nun den Energiebedarf deutlich, der Saal verfügt jetzt über eine zeitgemäße Lüftung. Der Komfort wächst, die Zahl der Sitze schrumpft. 506 Plätze gibt es künftig, zuvor waren es 551. Dafür ist der Reihenabstand größer, die Bestuhlung neu gepolstert, im gewohnten Tiefblau, der Zugang barrierefrei.

Beim ersten Testlauf bekamen alle Beteiligten echte Gänsehaut

Wie kompliziert dieser Prozess war, wird deutlich, als Daniel Dickmann, der die Renovierung als leitender Architekt betreut hat, über die Besonderheiten des historischen Gebäudes spricht. Um neue Technik zu integrieren, musste zunächst abgenommen werden, was das Haus prägt. Holzverkleidungen, Steinflächen, Decken: alles Stück für Stück, dokumentiert und später wieder eingesetzt. Parallel dazu lief eine aufwendige Restaurierung der historischen Ausstattung. Kilometerweise Holzlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche wurden einzeln aufgearbeitet. In der Panoramabar erhielten die Kristallleuchter aus böhmischem Glas in Handarbeit ihre ursprüngliche Eleganz zurück.

Ein besonderes Projekt war der silberne Premierenvorhang im Saal, der seit der Eröffnung 1963 unzählige Premieren begleitet hat. Er kehrt restauriert zurück, mit dem charakteristischen Glanzeffekt, der den Raum vor Filmbeginn in Bewegung versetzt. 40 Millionen Pailletten, in Handarbeit restauriert von einem 20-köpfigen Team. Dabei sei auch ein historischer Fehler korrigiert worden, erklärt Hausleiter Thore Horch beim Rundgang. „Zwei Teilstücke, die in den 1970er-Jahren falsch herum angenäht wurden, liegen nun wieder richtig.“

Wiedereröffnung des Kino International
Wieder ganz frisch: der Naturstein des Treppenaufgangs.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Technisch spielt das Kino International nun in einer anderen Liga. Ein neuer 4K-Laserprojektor sorgt für Projektion auf höchstem Niveau, ergänzt durch ein eigens auf den Saal abgestimmtes Dolby-7.1-Sound-System. Christian Bräuer formuliert den Anspruch so: „Hinter der denkmalgeschützten Fassade steht modernste Technik.“ Beim ersten Testlauf mit allen am Bau Beteiligten sei es im Saal ganz still geworden. „Da kam echtes Gänsehaut-Feeling auf“, sagt er.

Christoph Rauhut, Direktor des Landesdenkmalamtes, erinnert daran, dass das Kino International Teil eines wichtigen städtebaulichen Projekts des Wiederaufbaus entlang der Prachtallee war. Als gesellschaftlicher Bau der Moderne sollte es bereits zu DDR-Zeiten nicht nur Filme zeigen, sondern Begegnung und Austausch ermöglichen. „Man hat sich hier getroffen“, sagt Rauhut und erinnert an Nebenräume, in denen sich früher ein Jugendclub befand. Heute sei wieder sichtbar, welche Qualität in diesem Gebäude stecke und welches Selbstbewusstsein dieser Ort ausstrahle.

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Mit Gesamtkosten von rund 15 Millionen Euro, aus diversen Fördertöpfen und einem Eigenanteil der Yorck Kinogruppe, konnte die Sanierung etwas früher als erwartet abgeschlossen werden. Für die Berlinale, die traditionell auch hier stattfindet, aber weit im Voraus planen muss, dennoch etwas zu spät.

Und so lädt das Kino just am 22. Februar, dem letzten Publikumssonntag der Berlinale, parallel zu einem Tag der offenen Tür, bei dem die Besucherinnen und Besucher das Haus vor dem regulären Spielbetrieb erkunden können. Und ins Staunen geraten. Denn das Kino International kehrt zurück als Denkmal, das nicht museal wirkt, und als Filmtheater, das für die kommenden Jahrzehnte gerüstet ist. Und Berlin bekommt einen seiner großen kulturellen Räume zurück, vertraut und runderneuert zugleich.