Die mutmaßlich rassistische Äußerung eines Berliner Polizeibeamten gegen ein Präsidiumsmitglied von Hertha BSC Berlin hat keine strafrechtlichen Konsequenzen. Laut Polizeivizepräsident Marco Langner hat der Betroffene „kein Interesse an Strafverfolgung“ geäußert. Auch die Berliner Staatsanwaltschaft sieht kein strafrechtlich relevantes Verhalten, sagte Langner am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Langner verwies aber auf das Disziplinarrecht.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Am Rande des Bundesliga-Heimspiels gegen Schalke 04 kam es am 17. Januar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei, bei denen 31 Fans und 21 Einsatzkräfte verletzt wurden. Bis heute geben sich Polizei und die Fanhilfe Hertha BSC gegenseitig die Schuld an der Eskalation. In der letzten Sitzung des Sportausschusses hatte Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich den mutmaßlich rassistischen Vorfall öffentlich gemacht, sich hinter die aktive Fanszene gestellt, aber kein Verständnis für Gewalt gezeigt.

Ostkurven-Eklat: Polizei und Fanhilfe widersprechen sich bei Gewalt von Fans

2. BL Hertha BSC - FC Schalke 04 2025/26
Die Hertha-Fans gerieten beim Spiel gegen Schalke bereits am S-Bahnhof Olympiastadion mit der Polizei aneinander.© Matthias Koch | Sebastian Räppold/Matthias Koch

Nach Polizeiangaben hätten Teile der aktiven Fanszene gegen 18 Uhr am Eingang zur Ostkurve sogenannte Schutzbewaffnung angelegt – maßgeblich Vermummung und Handschuhe mit Quarzsand. Ein Schalke-Fan sei attackiert und ein Scherengitter zur Ostkurve zugezogen und somit ein entscheidender Rettungsweg für bis zu 15.000 Menschen blockiert worden. Die Fans seien gegenüber den Einsatzkräften gewalttätig gewesen.

Die Fanhilfe Hertha BSC, die kein Organ des Vereins ist, bestreitet hingegen weiter, dass es diesen Schalke-Fan gibt. Das geschlossene Gitter räumt die Fanhilfe zwar ein. Das hätte „jederzeit auch wieder beispielsweise durch den vor Ort befindlichen Ordnungsdienst […] geöffnet werden können“, heißt es in einer Erklärung vom Freitag. „Ebenso gibt es zwei weitere Zugänge zur Kurve, die im Bedarfsfall ebenso als Rettungswege genutzt werden können.“

Laut Thomas Goldack, Leiter der örtlich zuständigen Polizeidirektion 2 (West), gibt es vom Vorfall mehr als 645 Stunden nicht öffentliches Videomaterial, das noch nicht komplett gesichtet worden sei. Darauf sei zu sehen, wie 100 bis 150 vermummte Fans mit Mülleimern, Stuhlbeinen und Gittern angreifen.

Polizei ermittelt wegen 39 Straftaten nach Fan-Krawallen

„Die Einsatzkräfte greifen sich niemanden raus, sondern versuchen nur, das Gitter aufzuhalten“, sagte Goldack. Das habe der Ordnungsdienst allein nicht geschafft. Die Angreifer hätten dabei Dinge gerufen wie „Das ist unsere Kurve!“. „Was man nicht sieht, ist die Attacke auf den Schalke-Fan“, räumte Goldack ein. Es gebe in diesem Zusammenhang aber ein Strafermittlungsverfahren.

Hertha gegen Darmstadt: Ostkurve
Mit Transparenten gegen Polizeigewalt machten einige Fans ihrem Ärger beim Spiel gegen Darmstadt Luft.© BM | privat

Insgesamt ermittle man wegen 39 Straftaten, zumeist Landfriedensbruch und Körperverletzung, sagte der Polizeidirektor. In 32 Fällen seien die Tatverdächtigen bereits bekannt. Die Zahl der Beschwerden gegen die Polizei liege weiterhin bei zehn, allerdings gebe es nun vier statt bisher zwei Strafanzeigen gegen die Einsatzkräfte – eine wegen Nötigung und Bedrohung, drei wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt. Diese drei Anzeigen sowie sechs der zehn Beschwerden wurden laut Goldack von Beobachtern und nicht von Beteiligten gestellt.

Grüne und Linke werfen Polizei hartes Vorgehen gegen Hertha-Fans vor

Grüne und Linke kritisieren die Polizei für ihr vermeintlich hartes Vorgehen gegen die Hertha-Fans. „Fußballfans werden als Störer und Gewalttäter geframt und haben das Gefühl, die Politik mag sie nicht“, sagte die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek. „Deeskalation bedeutet nicht, dass man alles laufen lässt“, so der Linke-Abgeordnete Niklas Schrader. Stattdessen würde es einer durchgehenden Bewertung der Lage bedürfen. Es benötige „eine höhere taktische Sensibilität“. „Wenn man meint, ein Hubschrauber ist ein Symbol des Friedens, dann kommt man nicht weiter.“

Gemeint ist ein Polizeihubschrauber, der am 25. März 2025 beim Spiel gegen den Karlsruher SC im Einsatz war. Spiele gegen den KSC gelten nicht als Risikospiele, weil eine Fanfreundschaft beide Mannschaften verbindet. Dennoch kreiste ein Hubschrauber laut Fanhilfe stundenlang und während des Spiels über dem Stadion. Laut Polizeivizepräsident Langner habe man ab 10.09 Uhr lediglich einen gemeinsamen Fanmarsch begleitet, sei dabei einmal über das Stadion geflogen und habe den Hubschraubereinsatz um 11.17 Uhr beendet. Anstoß war erst um 13.30 Uhr.

Bitte orientieren sich an Dingen, die tatsächlich geschehen sind.

Christian Hochgrebe, Berlins Staatssekretär für Inneres

„Bitte orientieren sich an Dingen, die tatsächlich geschehen sind“, sagte Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe an die Opposition gewandt. Auch die Behauptung, dass die Polizei mit drei Hundertschaften im Fanblock stehe, sei „eine Falschdarstellung“. Vorwürfe der Provokation durch die Polizei oder einer Pauschalisierung der Fans wies der SPD-Politiker zurück. Es gehe nicht um die Fußballfans, sondern um 200 bis 300 Gewalttäter und Randalierer. „Wenn es polizeiliches Fehlverhalten gibt, werden wir es aufarbeiten.“

Hertha BSC: Polizei zeigt bei Risikospielen im Olympiastadion mehr Präsenz

Über Jahre hatte die Berliner Polizei bei Heimspielen von Hertha wenig Präsenz gezeigt. Polizeiführung und Sicherheitsbehörden betrachten das Heimspiel gegen Dynamo Dresden am 1. November 2025 als einen Paradigmenwechsel. Fans hätten Absperrungen überwunden und seien in Bereiche geklettert, wo sie in Lebensgefahr geschwebt hätten. „Ein Stadion ist kein rechtsfreier Raum“, bekräftigte Polizeidirektor Goldack.

Die Partie gegen Schalke wurde wie die gegen Dresden im Vorfeld von der Landesinformationsstelle für Sporteinsätze (LIS) als Risikospiel eingestuft. Die letzte Partie gegen Darmstadt am 1. Februar nicht. Dabei hielt sich die Polizei wieder deutlich zurück, während in der Ostkurve polizeifeindliche Banner gezeigt und Gesänge angestimmt wurden. Am Dienstagabend empfängt Hertha im Olympiastadion im DFB-Pokal-Viertelfinale den SC Freiburg.