Die Enthüllungen aus den Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bringen immer neue Details ans Licht. Wie Recherchen des „Spiegel“ zeigen, gab es auch eine Verbindung zu dem renommierten Berliner KI-Forscher Joscha Bach und seiner Familie. Demnach würden E-Mails, Chatverläufe und Kontoauszüge zeigen, dass Epstein den deutschen Wissenschaftler umfassend privat wie beruflich gefördert hat. Dem Bericht zufolge schickte Epstein Bach von 2013 bis 2019 hohe Geldsummen. Dabei handelt es sich um insgesamt mehr als eine Million Dollar. Auf eine Anfrage des „Spiegel“ bestätigte Bach, dass Epsteins Finanzierung seinen „Aufenthalt als Wissenschaftler in den USA maßgeblich ermöglicht“ habe.

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Bach, der an der Humboldt-Universität in Berlin studiert und in Osnabrück promoviert hatte, lernte Epstein 2013 kennen. In diesem Jahr begann er auch, für eine Non-Profit-Organisation zu arbeiten. In den folgenden Monaten half der Milliardär dem Wissenschaftler, in die USA zu ziehen und sich ein Leben in Boston aufzubauen. Bach bestätigte dem „Spiegel“, dass Epstein einen Umzug, die Miete, Schulgeld und einen Zuschuss zu Bachs Gehalt als Postdoktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bezahlt habe. Auch die Kosten für Flüge zu Konferenzen habe Epstein übernommen.
„Diese Finanzierung war an keine Bedingungen geknüpft und ich schuldete nichts im Gegenzug“, erklärte Bach. Auf seine Forschung habe Epstein keinen inhaltlichen Einfluss genommen. „Aber ich nahm an Treffen mit Wissenschaftlern, Intellektuellen und Politikern teil, zu denen er einlud.“
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Berliner KI-Forscher: „Hätte ethischen Bedenken stärkeres Gewicht geben sollen“
Er schrieb dem Nachrichtenmagazin auch, dass andere Wissenschaftler ihm zuvor empfohlen hätten, das Angebot Epsteins anzunehmen. „Das Verständnis dieser wissenschaftlichen Community war, dass Epstein sich nach der Verbüßung seiner Haftstrafe keiner weiteren Vergehen schuldig gemacht hatte.“ Aus heutiger Sicht denke er aber, dass er seinen „ethischen Bedenken stärkeres Gewicht hätte geben sollen.“
Epstein war bereits 2008 wegen Sexualverbrechen verurteilt worden, musste im Zuge einer umstrittenen Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft aber nur 13 Monate in Haft verbringen. Im Jahr 2019 wurde er erneut festgenommen.
Neben seiner Arbeit am MIT verhalf Epstein Bach auch zu einem Platz an der Harvard University. Dort begann der Forscher im Jahr 2016 mit der Arbeit an einem Forschungsprogramm des Professors Martin A. Nowak, den ihm wiederum Epstein vorgestellt hatte. In den Nullerjahren war das Programm mithilfe einer Millionenspende Epsteins ins Leben gerufen worden. Später erklärte die Uni zu Bach, sie habe ihn weder bezahlt, noch Mittel zur Unterstützung seiner Forschung bereitgestellt. Das Geld für Bachs Arbeit in Harvard kam offenbar von Epstein.
Berliner KI-Forscher hatte auch privat Kontakt zu Epstein
Auch privat standen Epstein und Bach in Verbindung. Laut „Spiegel“-Recherchen durfte Bach mit seiner Familie bei New-York-Reisen in einem von Epsteins Apartments wohnen. 2015 folgte der Berliner Wissenschaftler einer weiteren Einladung des Milliardärs. Per Helikopter wurde er von den Amerikanischen Jungferninseln aus für einen Abend auf dessen Privatinsel Little Saint James eingeflogen. Wie inzwischen bekannt ist, soll Epstein dort den Missbrauch junger Frauen organisiert haben. Dem „Spiegel“ sagte Bach, er habe „keinerlei Anzeichen für illegale oder fragwürdige Aktivitäten, bei dieser oder irgendeiner anderen Gelegenheit“ gesehen.
Die nun veröffentlichten Akten zeigen, dass Bach bis zuletzt Kontakt zu Epstein hielt. Noch im Februar 2019 habe dieser ihm einen Scheck ausgestellt, noch im Mai 2019 habe Epsteins Assistentin Flüge für Bachs Familie für den Sommer gebucht. Noch Wochen vor seiner Festnahme wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs habe Epstein den KI-Forscher in seinem Stadthaus in New York empfangen. Im August 2019 wurde Epstein dann tot in seiner Gefängniszelle gefunden.




