Vom Flughafen BER über Straßen und Gehwege bis zu den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG): Die Glätte hat am Montag zu extremen Einschränkungen im Verkehr in und um die Hauptstadt geführt. Am BER kam es bis zum Nachmittag zu zahlreichen Verspätungen, aber auch Flugstreichungen. Vor allem die Enteisung der Flugzeuge stellte die Mitarbeiter vor Herausforderungen. Diese dauere „aufgrund immer wieder überfrierenden Regens mit bis zu 60 Minuten pro Abflug deutlich länger als gewöhnlich“, teilte eine Sprecherin mit. „Auch die Flugbetriebsflächen müssen laufend behandelt werden“, sagte sie weiter. Und betonte: „Unser Enteisungsdienstleister Wisag und der Winterdienst des BER sind seit der Nacht im Hochleistungseinsatz.“

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Noch stärker als den BER erwischte der Eisregen die BVG, die sämtlichen Straßenbahnverkehr einstellen musste. Diese Einschränkung gilt mindestens noch bis Dienstagvormittag, wie das Unternehmen mitteilte. Die BVG sprach davon, dass „der anhaltende Eisregen im Straßenbahnnetz zu einer in dieser Form seit Jahrzehnten nicht vergleichbaren Situation geführt hat“. Zu den Problemen kam es, weil die Oberleitungen in der Nacht zum Montag „in kürzester Zeit extrem und flächendeckend eingefroren“ seien. Auch das Enteisen gestaltete sich schwierig: „Solange sich die Temperaturen kaum über null Grad bewegen, bildet sich immer wieder neues Eis“, erklärte die BVG. Jeder einzelne Straßenabschnitt müsse manuell bearbeitet werden. Bei einem 200 Kilometer langen Netz sorge das für einen enormen Aufwand.
Straßenbahnen der BVG müssen im Netz stehen bleiben
Techniker seien „mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz“, ebenso spezielle Turmwagen, von denen aus Mitarbeiter das Eis von den Oberleitungen entfernen würden, betonte die BVG. Die vereisten Leitungen hatten auch zur Folge, dass Straßenbahnen, die zunächst noch fuhren, mitten im Netz stehenbleiben mussten – die BVG sprach von 40 Zügen, die nicht mehr vorankamen und seither aus Sicherheitsgründen durch Fahrerinnen und Fahrer durchgehend betreut und gesichert werden mussten.
Am Abend rollten die ersten Straßenbahnen dann wieder, die BVG konnte auf der Strecke Probefahrten durchführen. „Der Strom kommt durch, die Technik funktioniert soweit“, berichtete ein Fahrer am Hackeschen Markt. Eine vergleichbare Situation habe er noch nie erlebt.
Die Komplett-Einstellung des Tramverkehrs sorgte aber auch für Kritik. Zwar sei der nächtliche Eisregen in Berlin und Brandenburg „gewiss eine außergewöhnliche Wetterlage“, räumte der Landesverband des BUND ein. Verwiesen wurde allerdings darauf, dass in Potsdam, anders als in Berlin, die Straßenbahnen fahren konnten. Gefordert wurde daher eine Strategie „um auch bei widrigen Wetterlagen den Tramverkehr nicht komplett einstellen zu müssen“. Dazu könnten, so der Vorschlag, robuste Altfahrzeuge genutzt werden, die laut BUND mit starken Stromschwankungen besser zurechtkommen und helfen könnten, Oberleitungen zu enteisen.
Berlins Krankenhäuser müssen mehr Menschen mit Sturzverletzungen behandeln
Auch der U-Bahn-Verkehr war auf den oberirdischen Linien unterbrochen, am Nachmittag traf das immer noch auf die U2 zwischen Potsdamer Platz und Wittenbergplatz und zwischen Rosa-Luxemburg-Platz und Pankow zu. Die S-Bahn kam zwar insgesamt etwas besser durch den Eisregen, auch deren Fahrgäste blieben aber nicht vollkommen von Einschränkungen verschont. Das Problem waren dort aber weniger die Strecken selbst, sondern vielmehr die Betriebswege. „Die Kehranlagen, an denen die Lokführer die Züge wenden, sind vereist“, erklärte ein Bahn-Sprecher. Dort gibt es beispielsweise Podeste aus Metall, auf denen die Lokführer aussteigen müssten, das aber durch Vereisung nicht sicher könnten. „Obwohl es schon eine Anti-Rutsch-Schicht gibt“, so der Sprecher. Den ganzen Tag über gab es so Einschränkungen auf den Linien S46, S47 und dem S-Bahn-Ring.
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Die Berliner Krankenhäuser bekamen die Glätte ebenfalls zu spüren. „Die sieben Zentralen Notaufnahmen und die Unfallchirurgien von Vivantes verzeichneten heute wetterbedingt ein deutlich höheres Aufkommen an Patient*innen mit Sturzverletzungen und Frakturen“, hieß es aus der Pressestelle. Betroffen waren demnach Sprunggelenke, Handgelenke, Ober- oder Unterarme. Die Betroffenen würden alle so schnell wie möglich versorgt, hieß es. In der Folge sei es jedoch nicht auszuschließen, dass Patientinnen und Patienten mit anderen, nicht akuten Beschwerden länger warten müssen.
Wir vermuten, dass viele Menschen ihr Auto aufgrund der Wetterwarnungen stehen gelassen haben.
Ein Sprecher der Berliner Polizei, über das verhältnismäßig geringe Unfallaufkommen
Glättewarnung gilt zumindest noch Dienstagvormittag in Berlin
Immerhin: Auf den Straßen in der Hauptstadt blieb das große Chaos aus. Zwar musste der Tunnel Grenzallee im Zuge der A100 zeitweise wegen der Glätte gesperrt werden, was für Autofahrer einen Stau von bis zu 60 Minuten bedeutete. Das Unfallaufkommen hielt sich, Zahlen der Berliner Polizei zufolge, aber in Grenzen. Diese registrierte bis 14 Uhr insgesamt 204 Verkehrsunfälle. „Ein Großteil davon aufgrund der Witterungsverhältnisse und menschlichen Fehlverhaltens, etwa mangelnden Sicherheitsabständen oder einem Unterschätzen der Glätte der Fahrbahn“, so ein Sprecher auf Nachfrage. Zum Vergleich: Am vergangenen Montag kam es im gleichen Zeitraum zu 223 Unfällen. „Wir vermuten, dass viele Menschen ihr Auto aufgrund der Wetterwarnungen stehen gelassen haben“, heißt es von der Polizei.
Viele Mülltonnen blieben derweil am Montag voll: Die Berliner Stadtreinigung teilte am Morgen mit, dass die Müllabfuhr entfällt, auch die Recyclinghöfe in der Stadt waren geschlossen. Zu hoffen ist, dass sich die Lage in den kommenden Tagen entspannt, weil es zwar kalt, dann aber trocken bleiben soll. Zumindest bis zum Dienstagmorgen müssen die Berlinerinnen und Berliner aber noch mit Glätte rechnen. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge, kann es in der Nacht zum Dienstag anfangs noch etwas Schnee oder gefrierenden Sprühregen geben. Die Verkehrsinformationszentrale rät auf Gehwegen und Straßen weiterhin zur Vorsicht; eine Glättewarnung gilt demnach – zunächst – noch bis 11 Uhr am Dienstag.




