Der Einsatz autonom fahrender Busse und Taxis könnte einer Studie zufolge in den nächsten Jahrzehnten für eine Ausweitung des Angebots im öffentlichen Nahverkehr genutzt werden – und auf diese Weise für kürzere Fahrzeiten und Wege zur nächsten Haltestelle sorgen. Im besten Fall könnten bis zum Einsteigen in das autonome Fahrzeug 5 bis 13 Minuten vergehen, heißt es in der von der Bahn-Regionalverkehrstochter DB Regio in Auftrag gegebenen Untersuchung. Ohne den Ausbau des ÖPNV mit autonomer Technik wären es demnach 7 bis 26 Minuten. „Die Reisezeiten wären ähnlich wie im Privatauto“, heißt es.

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Das Potenzial des autonomen Fahrens wird auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gesehen. Seit Ende 2025 sind die ersten fahrerlosen Kleinbusse in einem Kooperationsprojekt von BVG und der Volkswagen-Tochter Moia in der Stadt unterwegs, im ersten Halbjahr 2026 sollen die ersten Fahrgäste im Nordwesten Berlins mitfahren dürfen. Nach der Testphase, die 2027 endet, sollen die autonomen Shuttles fester Bestandteil des Verkehrsangebots in der Hauptstadt werden, so der Plan. Vor allem BVG-Chef Henrik Falk ist ein Unterstützer der Technologie. „Ich bin sicher, dass das autonome Fahren die Mobilität in den nächsten zehn Jahren radikal verändern wird“, sagte er der Berliner Morgenpost im Herbst.

Studie erstellt mehrere Szenarien für das Jahr 2045

Die aktuelle Studie wurde vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Software- und Verkehrsplanungsunternehmen ioki, dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum sowie der Prognos AG erstellt. Als Datengrundlage zur Abschätzung des künftigen Verkehrsverhaltens von Nutzerinnen und Nutzern dienten unter anderem die Studien „Mobilität in Deutschland“ von 2017 sowie vom Mobilitätspanel aus dem Jahr 2022/2023.

Die Autorinnen und Autoren haben dabei mit Blick auf die Integration autonom fahrender Fahrzeuge im ÖPNV mehrere Szenarien entworfen, die sich alle auf das Jahr 2045 beziehen. Im Basis-Szenario würde der von den Ländern und Verbünden organisierte Linienbusverkehr vollständig durch autonome Busse betrieben. Darüber hinausgehende Angebote wie Robotaxis oder autonome On-Demand-Verkehre wurden dabei nicht berücksichtigt. 

Im Vergleich zum Status quo würde sich dadurch aber kaum etwas verbessern. Weder die Distanz zur nächsten Haltestelle noch die Zeit bis zum Einstieg würden sich merklich verkürzen. Lediglich die reine Fahrzeit wäre deutlich kürzer, im Vergleich zum Individualverkehr mit eigenem Pkw aber immer noch länger. 

Flächendeckendes, autonomes Rufbus-Angebot bringt größte Verbesserung

Die größten Verbesserungen brächte demnach das sogenannte Daseinsvorsorge-Szenario. Das bestehende ÖPNV-Angebot würde dabei nicht nur mit autonomen Fahrzeugen ersetzt, sondern umfassend ausgebaut. Das Szenario beinhaltet etwa ein flächendeckendes, autonom fahrendes Rufbus-Angebot sowie eine neue Tarifstruktur. 

Dieses Szenario brächte vor allem für ländliche Regionen erhebliche Verbesserungen. Der Weg zur nächsten Haltestelle würde sich nahezu halbieren. Die Fahrzeit wäre zwar immer noch länger als mit einem eigenen Pkw, aber im Vergleich zum Status quo bedeutete es eine erhebliche Verkürzung. „Den größten Nutzen können wir daraus ziehen, wenn wir den ÖPNV grundlegend weiterentwickeln und das Angebot ausbauen – mit autonomen Shuttles, optimierten Buslinien und einer Verknüpfung zum Zug“, so der Vorstand Straße bei DB Regio, Frederik Ley. dpa/BM