100.000 zusätzliche Wohnungen und mehr innerhalb der nächsten zehn Jahre in Berlin und im Umland sind nach Ansicht der regionalen Wirtschaft machbar. Doch es gibt einen Haken: Gelingen kann das nur, wenn die Politik den Weg dafür freimacht. Das geht aus einem Strategiepapier hervor, das die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) am Donnerstag in Berlin vorgelegt haben.

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„100.000 neue Wohnungen sind ambitioniert, aber machbar“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp. Das Potenzial könne gehoben werden, wenn Bauvorschriften entschlackt und zusätzliche Flächen freigegeben würden. „Der Handlungsdruck ist groß, denn der Wohnungsmangel macht unseren Firmen zu schaffen“, so der UVB-Chef.
„Was Berlin jetzt braucht, ist eine Bau-Offensive statt weiterer staatlicher Eingriffe“, ergänzte Maren Kern, Vorständin beim BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, mit Blick auf den Entwurf für ein Rahmengesetz zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, den CDU und SPD vorgelegt haben. Das Gesetz könnte noch im Januar 2026 vom Abgeordnetenhaus beschlossen werden, soll aber erst 24 Monate später in Kraft treten.
Enteignungsdebatte „verschreckt Investoren“
Mit dem Papier „Mehr Wohnraum ist machbar“ will Berlins Wirtschaft auch in die Debatte über die Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen eingreifen. „Enteignungen rütteln an den Grundfesten der sozialen Marktwirtschaft, verschrecken Investoren und verschärfen am Ende den Wohnungsmangel“, so Schirp. „Berlin braucht mehr privates Engagement – nicht weniger.“
Der anhaltende Wohnungsmangel bereitet längst nicht nur den vielen Menschen, die in Berlin verzweifelt eine Wohnung suchen, Probleme. „Unsere Unternehmen berichten uns immer häufiger, dass qualifizierte Fachkräfte einen Wechsel nach Berlin ablehnen, weil sie keine Wohnung finden“, berichtete Schirp. Um das zu ändern, benennen die Unternehmensverbände zentrale Handlungsfelder, die angegangen werden müssten.
Supermärkte und Büros für Neubauten nutzen
Dazu gehört es, mehr Flächen zu aktivieren: Durch die Überbauung von Supermärkten (+36.000 Wohnungen), Umwandlung geeigneter Büroflächen (+30.000), wirksame Verhinderung von Zweckentfremdung (+26.000) sowie Aufstockung (+7000) und durch die Randbebauung des Tempelhofer Feldes (+5000) sowie eine bessere Zusammenarbeit mit dem Berliner Umland könne mehr Platz für Neubauten entstehen.
Besonders wichtig ist nach Auffassung des UVB ein schneller Bürokratieabbau. Hätten früher 5000 Bauvorschriften den Wohnungsneubau geregelt, seien diese inzwischen auf 20.000 angeschwollen – Tendenz weiter steigend. Vereinfachte Genehmigungsverfahren, serielles Bauen, Digitalisierung und eine praxisnahe Anwendung bestehender Gesetze wie des Schneller-Bauen-Gesetzes könnten Verfahren beschleunigen und die Bauzeit verkürzen.
Neubauzahlen sinken weiter
Zudem müsse die verlässliche Finanzierung gesichert werden. Förderprogramme, steuerliche Anreize, Sonderabschreibungen sowie eine solide und langfristige Absicherung des sozialen Wohnungsbaus würden Bauherren entlasten.
Trotz intensiver Bemühungen und der Fertigstellung von 150.000 Wohnungen zwischen 2014 und 2023 zeigt der Trend bei den Neubauzahlen aktuell nach unten. Dabei wäre das Gegenteil vonnöten. Das politische Ziel von jährlich 20.000 neuen Wohnungen wird seit Langem verfehlt. Für 2025 ist mit kaum 14.000 Einheiten zu rechnen. „Ohne eine umfassende Neubauoffensive wird sich die Lage weiter zuspitzen“, warnte Schirp.




