• Glatteis sorgt in Berlin für viele Unfälle
  • Mehr als 200 Fälle am Campus Virchow-Klinikum und Carité Mitte versorgt
  • Notaufnahmen der Stadt überlastet
  • Auch am Sonntag besteht vielerorts noch Glatteis-Gefahr

Nach den zahlreichen Glätte-Unfällen in Berlin sind die Krankenhäuser in der Hauptstadt am Sonntag immer noch damit beschäftigt, die Verletzten zu versorgen. „Auch heute werden weitere Operationen durchgeführt“, sagte ein Sprecher der Charité. Es stünden noch etwa 20 Operationen an. Am Samstag und Freitag waren auch in den anderen Krankenhäusern in Berlin die Notaufnahmen wegen der Glätteverletzten voll gewesen.

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Insbesondere am Virchow-Klinikum und in der Charité Mitte sei es am Samstag zu einem extrem hohen Aufkommen von Patientinnen und Patienten mit glättebedingten Verletzungen gekommen, sagte der Charité-Sprecher. Es wurden mehr als 200 Menschen versorgt, schwerpunktmäßig mit Knochenbrüchen an Hüfte, Armen und Schulter. 

Glatteis in Berlin: Mehr als 130 Patienten gleichzeitig in der Notaufnahme

Zeitweise seien bis zu 130 Patienten gleichzeitig in der Notaufnahme gewesen. „Bis tief in die Nacht lief die unfallchirurgische Versorgung in drei Operationssälen gleichzeitig“, sagte der Sprecher. Zusätzliches ärztliches und pflegerisches Personal wurde aus der Freizeit mobilisiert. Die Charité hielt nach eigenen Angaben trotz des starken Andrangs die Notaufnahmen für zusätzliche Notfälle, Unfälle und lebensbedrohliche Erkrankte wie nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall offen.

Am Samstagabend gab die Berliner Feuerwehr die Zahl der Alarmierungen auf ihrer Website mit über 2000 an (Stand: 19.55 Uhr).

Am Sonntag war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bis in die Mittagsstunden gebietsweise weiterhin mit Glätte zu rechnen. Weiter stark gefordert ist auch die Berliner Stadtreinigung (BSR), in der Hauptstadt verantwortlich für den Winterdienst auf Autobahnen, Hauptverkehrsstraßen und Radwegen. Sie warnte bereits am Samstagabend beim Kurznachrichtendienst X vor Glätte und kündigte Streumaßnahmen und Kontrollfahrten an.

Glätte auf Straßen und Wegen: Polizei meldet hunderte Unfälle

„Man sieht schon, dass die Glätte Auswirkungen auf das Straßenbild hatte“, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. In Berlin wurden zwischen Freitagnachmittag und Samstagmorgen der Polizei 565 Verkehrsunfälle gemeldet. Dabei kann es zu Mehrfachmeldungen desselben Unfalls gekommen sein.

Bei 20 Unfällen seien Menschen verletzt worden, eine Person habe schwere Verletzungen erlitten, hieß es. Zum Vergleich: Am Tag zuvor waren es im gleichen Vergleichszeitraum rund 150 Meldungen.

Gefährliche Arbeitswege: Bin ich auf dem Arbeitsweg bei Glatteis versichert?

Auf der Märkischen Allee etwa ereigneten sich auf einer Brücke binnen kürzester Zeit gleich fünf Unfälle. Diese seien vermutlich auf die Glätte zurückzuführen, sagte der Polizeisprecher. An der Unfallstelle habe es ein leichtes Gefälle gegeben, so sei es zu den Unfällen gekommen. Auf der Gehrenseebrücke in Hohenschönhausen stießen zwei Autos zusammen, eine Person wurde verletzt. Auf der Welsestraße in Hohenschönhausen rutschte ein Auto wegen Glätte gegen einen Bordstein, wodurch die Hinterachse beschädigt wurde. Verletzt wurde niemand.

Mehrere Unfälle wegen Glatteis: Berliner Feuerwehr warnt
Auf der Welsestraße in Hohenschönhausen rutschte ein schwarzes Auto wegen Glätte gegen einen Bordstein. Die Hinterachse wurde beschädigt, verletzt wurde niemand.© Thomas Peise | Thomas Peise

Verzögerungen am Flughafen BER

Probleme gab es auch am Flughafen BER: Mehrere Pilotinnen und Piloten hätten sich dazu entschieden, vor dem Start ihre Maschine zu enteisen, was zu leichten Verzögerungen beim Abflug führen kann, teilte ein Sprecher des Flughafens auf Anfrage mit.

Starke Verspätungen habe es jedoch nicht gegeben. Dank der guten Vorbereitung des Winterdienstes laufe der Flughafenbetrieb trotz niedriger Temperaturen rund und routiniert, sagte der Sprecher. Die Flughafenbetreiber baten die Passagiere darum, sich bei der Anreise auf winterliche Bedingungen einzustellen. Am Samstag wurden 63.000 Reisende am BER erwartet.

Spiegelglatte Gehwege: Immer wieder Stürze im ganzen Stadtgebiet

Auch für Fußgänger war die Lage stellenweise gefährlich. In Prenzlauer Berg oder Friedrichshain waren die Gehwege teils spiegelglatt. Menschen bewegten sich nur vorsichtig vorwärts, dennoch stürzten vereinzelt Passanten. Ältere Menschen hielten sich auf dem Weg zum Einkaufen teils an den Hauswänden fest.

Winter in Berlin
Ein Streufahrzeug der BSR fährt über die Wilhelmstraße in Mitte. © Paul Zinken/dpa | Paul Zinken

Das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) meldete bei X am Samstagnachmittag: „Aktuell werden rund 75 Glätteopfer in der ukb Rettungsstelle versorgt. Gut zwei Drittel davon haben Frakturen erlitten und müssen zum größten Teil operiert werden. Insgesamt versorgt das Team von Chirurg:innen und Pflegefachkräften mehr als 200 Patient:innen zur Stunde!“

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Notaufnahmen in Berliner Krankenhäusern überfüllt

Auch in anderen Krankenhäusern waren die Notaufnahmen am Limit: Im Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau, im Evangelischen Krankenhaus Hubertus, in der Evangelischen Elisabeth Klinik und im Martin Luther Krankenhaus sei die Notaufnahme überfüllt, teilte die Johannesstift Diakonie mit.

Und nicht nur die Notaufnahmen seien überlastet – auch die OP-Säle und Intensivstationen liefen voll. Die vier Kliniken befänden sich kurz vor einer kritischen Auslastungssituation, hieß es weiter.

Wegen der vielen Patienten und der begrenzten Kapazitäten komme es zu deutlich längeren Wartezeiten. Patienten mit Beschwerden, die nicht lebensbedrohlich sind, werden gebeten, zum Hausarzt zu gehen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Anspruch zu nehmen. Akute Notfälle würden selbstverständlich jederzeit und unverzüglich behandelt.

Massanfall von Verletzten: Sämtliche Behandlungsplätze belegt

Probleme gab es am Samstag auch am Potsdamer Krankenhaus Ernst von Bergmann. Wie die „B.Z.“ meldet, führte das Glatteis zu einem sogenannten „Massenanfall von Verletzten“ (ManV). „In der Rettungsstelle wurden zeitweise bis zu 86 verletzte Patientinnen und Patienten versorgt“, sagte eine Sprecherin des Krankenhauses der Zeitung.

Die Feuerwehr sprach von mehr als 2000 Rettungseinsätzen, was allerdings nicht nur Glatteisopfer betraf, sondern die Gesamtzahl der Einsätze im Rettungsdienst bis 20.05 Uhr.

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Gefahr droht: Glatteis – Orthopäden raten zum Pinguin-Gang

Feuerwehr warnt: „Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien“

Angesichts der flächendeckenden Glätte hatte die Berliner Feuerwehr bereits am Freitagabend zur Vorsicht aufgerufen. „Vermeiden Sie nach Möglichkeit nicht notwendige Aufenthalte im Freien.“ Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erneuerte im Laufe des Samstags seine Warnung: Autofahrer müssen sich in Berlin und Brandenburg weiter vor glatten Straßen in Acht nehmen. Am Samstag soll es vereinzelt etwas Sprühregen geben. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 1 und 3 Grad. 

Winter in Berlin
Das Licht der Fahrzeuge an einer Ampel bricht sich im Asphalt einer Straße. Blitzeis verwandelte besonders die Gehwege in Rutschbahnen.© Paul Zinken/dpa | Paul Zinken

Auch in der Nacht zum Sonntag kam es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) gebietsweise zu Glätte durch überfrierende Nässe. „Gebietsweise Glätte durch überfrierende Nässe, im südlichen Brandenburg Glatteis durch gefrierenden Sprühregen“, heißt es in der aktuellen DWD-Wettervorhersage.

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Berliner Feuerwehr: „Die Glättesituation fordert uns sehr“

„Die Glättesituation fordert uns sehr“, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr am Samstagmorgen der Berliner Morgenpost. „Es ist die Summe der vielen kleinen Einsätze.“ Insgesamt musste die Feuerwehr zwischen 0 und 8 Uhr rund 120-mal glättebedingt ausrücken. Überwiegend seien es Stürze und kleinere Unfälle gewesen.

„Wir haben zusätzliche Rettungswagen im Dienst“, so der Sprecher weiter. Der größte Einsatz in diesem Zusammenhang war der Unfall am Freitagabend auf der Märkischen Allee in Marzahn, bei dem zwölf Autos zusammengekracht waren. Dabei blieb es jedoch bei Blechschäden, niemand wurde verletzt.

mit dpa