Weihnachten ist viel. Ein Strom an Gedanken. Bildern. Reichtum der Geschichte. Das ist schön, ich genieße das an diesem Fest. Es hat etwas Unausschöpfliches, nie Versiegendes.

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Etwa das Licht. Die Engel, die umleuchtet werden in der Geschichte, auf dem Felde, mit einem Mal ist es im Dunkeln hell, ganz hell. Das machen wir ja nach in unseren Wegen auf das Fest hin. Ob in den Fenstern, auf den Balkonen oder in den Gärten, überall leuchtet das Licht in Form von Ketten und angedeuteten Bäumen oder Zelten. Immer spüre ich dabei die Sehnsucht, dass das Licht sich durchsetzen soll und wird, dass das Dunkel nicht dunkel bleibt, dass das die Kraft dieses Festes ist: das Licht stärker als alles andere. In diesen Tagen ist das eine Botschaft, die wir besonders ersehnen.

Landesbischof Christian Stäblein
Der Theologe Dr. Christian Stäblein ist seit 2019 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Wir wollen Lichtträgerinnen und Lichtträger sein

Uns stehen die furchtbaren Schrecken aus Sydney vor Augen, der entsetzliche, antisemitische Terror ausgerechnet am jüdischen Lichterfest Chanukka. Wir fühlen mit den Angehörigen, wir sind in Gebeten bei den Verletzten, bei den jüdischen Geschwistern. Das Licht, das wundersam stärker ist, verbindet uns, Weihnachten und Chanukka. Wir tragen es auch auf die Märkte, die uns in diesem ersten Jahr nach dem Anschlag in Magdeburg verbinden wie im neunten Jahr nach dem Terror auf dem Breitscheidplatz. Dunkelheit und Hass sind zu gegenwärtig – und umso mehr wollen wir Lichtträgerinnen und Lichtträger sein. Seit vier Wochen ja auch jede Woche eine Kerze mehr auf dem Kranz, der ebenso zum Advent gehört. Man setze sich einen Moment vor die Kerzen und versuche, dieses Licht aufzunehmen, das Flackern erst und wie es dann ruhiger wird, wie ich gewahr werde, wie das Wachs die Kerze nährt und selbst dabei aufgeht, es genauso hell wird. Das ist das Geheimnis der Weihnacht, die ja Christfest ist, weil: Gott gibt sich selbst, kommt in diesem Jesus Christus und nährt so uns, die Welt, mit seinem guten Wort, mit seinem Licht, mit der Liebe und Wärme, die ohne Schranken sein soll für alle Menschen.

Weihnachten ist so viel, an Gedanken, an Reichtum von Bildern. Nehmen wir noch mal die Engel, die nicht nur vom Licht umgeben sind, die auch eine Botschaft haben, mit der setzen sie sofort ein, fallen sozusagen mit der Tür ins Haus: Fürchtet euch nicht! In einer Welt, in der Angst versucht zu regieren, ist das doch eine Ansage. Da kommt der Engelsruf wie aus einer anderen Welt, von Gott, der die Angst vor dem Sterben, aber mindestens auch genauso die Angst vor dem Leben nimmt, nehmen will. „Fürchtet euch nicht“, rufen die Engel und machen so ihrer Aufgabe alle Ehre, sind sie doch nicht Flügelwesen zuerst, sondern nichts als ihre gute Botschaft: Du bist beschirmt, beschützt, Gott will mit dir sein, dich nicht allein lassen, nie und nirgendwo. Womöglich die schönste aller Weihnachtsbotschaften und Bilder, denn – wir wissen das – das Fest hat ja seine Rückseite.

Die heilige Familie ist ein offenes, alle Bilder hinter sich lassendes Modell

Hinter der Geschäftigkeit und Umtriebigkeit und dem familiären und freundschaftlichen Reise- und Zusammenkommrhythmus verbirgt sich ja eine Wirklichkeit, in der viele einsam sind. Das ist das Signum unserer Zeit, nicht erst seit gestern. Man muss allerdings auch da aufpassen, dass kein falscher Zungenschlag reinkommt – allein sein, Single. Singlehaushalte bilden die Mehrheit inzwischen in den Metropolen, das ist nicht automatisch einsam, und noch falscher wäre es, wenn in der Rede über all das (wieder einmal!) Lebenskonzepte abgewertet würden. Die heilige Familie, die so oft zur angeblichen Norm einer vorgeblich heilen Familie mutiert wurde, ist ja im Kern ein offenes, alle Bilder hinter sich lassendes Modell, in dem – Elternschaft Gott! – die Annahme des Kindes, des neuen Lebens im Mittelpunkt steht. „Fürchtet euch nicht“ – ja, all die Kinder Gottes, das große Kollektiv der Menschheit im Grunde, wir tragen eine große Freiheit aus dieser Botschaft, eine, die sich in der Welt ja stets gegen die Angst durchsetzen muss. Da sind Engelsworte im Rücken hilfreich. Und Kirchengemeinden als Netzwerke gegen Einsamkeit. Keiner soll, keiner muss allein sein, der es nicht selbst bewusst so wählt oder will. „Macht hoch die Tür“ ist die Losung der offenen Weihnachtsstuben aller Orten.

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Engelsbotschaften tun gut. Das Kind, das da geboren wird und bei dem Christen weltweit glauben, dass Gott selbst in ihm in die Welt und zur Welt kommt, ist ja eines, das gleich auf die Flucht muss. Ein Flüchtlingskind also, da ist der Bogen nicht weit zu unserem Miteinander im großen Weltthema Flucht heute. Weit über 100 Millionen Menschen sind rund um den Globus auf der Flucht. Wie sehnen sie sich danach und vertrauen, dass zugesagt ist, dass ihr Leben zählt! Die Zusage Gottes, für die wir einstehen. Sie ist doch Grund unserer Kultur und aller Gesellschaft. Füreinander da zu sein, auf das zu hören, was andere von uns brauchen und erwarten dürfen.

Weihnachten ist so viel. An Gedanken. Bildern. Noch viel mehr. Über das Grün, die Zweige, die Hoffnung in einer geschundenen Schöpfung haben wir noch nicht gesprochen. Das machen Sie dann womöglich. Die Hoffnung himmlisch-komischer Aussöhnung der Schöpfung. Alle Wetter, ach, die Bilder sind unausschöpflich, nie versiegend. Das ist Weihnachten. Der unendliche Strom des Lebens aus Gottes Kommen, in den wir immer neu gestellt werden. Gute Engelsworte im Rücken. Frohe und gesegnete Weihnachten wünsche ich Ihnen!