Wer kurz vor Weihnachten nach Aktivitäten in Berlin sucht und beim Googeln auf die Veranstaltung „Decolonizing Christmas“ stößt, wird enttäuscht sein. Der Link scheint veraltet und führt nicht etwa zur Beschreibung der vom Senat geförderten Führung in der Charlottenburger Friedenskirche, sondern zu einer Ankündigung für ein Weihnachtssingen im Jahr 2023.

Montag bis Samstag

Morgenpost der Chefredaktion

Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Doch das ist wohl kein technischer Fehler. Es ist vielmehr das Ergebnis einer Debatte, losgetreten durch einen „Welt“-Artikel mit dem Titel „Sie wollen Weihnachten abschaffen. Ich bin sprachlos“. Am Mittwochabend schaltete sich dann auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ein und forderte bei „X“ Aufklärung von seiner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson. Doch worum geht es genau?

Kai Wegner: „Veranstaltungen wie Decolonizing Christmas braucht niemand“

Anstoß der Debatte war ein „Welt“-Interview mit Seyran Ates, Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Sie kritisierte die Veranstaltung und erklärte, dass sie den Zusammenhang zwischen der Weihnachtsgeschichte und Kolonialisierung für absurd halte. „Die Geburt Jesu Christi wird verbunden mit Machtspielen“, so Ates.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Debatte nahm Fahrt auf – so dass sich dann auch Berliners Regierender Bürgermeister genötigt sah, zu reagieren. Bei X schrieb Wegner: „Veranstaltungen wie Decolonizing Christmas braucht niemand – schon gar nicht, wenn sie aus Steuermitteln finanziert werden. Ich erwarte Aufklärung durch die zuständige Senatsverwaltung.“ Und die kam prompt.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

So erklärte Wedl-Wilson kurze Zeit später bei Instagram, dass die Debatte „mit dem irritierenden und missverständlichen Titel Decolonizing Christmas“ zur Aufregung und Verletzung von Menschen geführt habe. „Der Vorwurf, Weihnachten abschaffen zu wollen, geht völlig an den Inhalten der Veranstaltung vorbei.“

„Decolonizing Christmas“: Kultursenatorin verteidigt Förderung von Projekten

Und Wedl-Wilson verteidigte die Förderung der Projekte vom Berliner Forum für Religionen. In zwölf Jahren hätte ihre Abteilung „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ mehr als Hunderte Projekte des Forums gefördert, „deren Ziel es ist, das Friedenspotenzial der vielfältigen Religionsgemeinschaften (..) zu mehr Wirkung zu verhelfen“.

Dennoch gab das Berliner Forum für Religionen nun in einer Stellungnahme die Absage der für den 15. Dezember geplanten Nachfolge-Veranstaltung bekannt. Nach der Berichterstattung könne die Sicherheit der Referierenden für den kommenden Montag nicht mehr gewährleistet werden. Darin heißt es außerdem: „Der zitierte Satz, Weihnachten solle ‚abgeschafft‘ werden, ist in der Veranstaltung niemals gefallen. Sämtliche entsprechenden Äußerungen in Interviews orientierten sich an dieser zugespitzten Behauptung aus Überschrift oder Moderation, nicht an tatsächlich getätigten Aussagen auf der Veranstaltung selbst.“ Der gewählte Titel der Veranstaltung sei rückblickend jedoch zu provokant gewählt worden.

Nach Angaben der „Welt“ sei die Veranstaltung mit Restmitteln aus den ursprünglich eingeplanten 80.000 Euro für den Verein „Freunde und Freundinnen des Berliner Forums der Religionen e. V.“ umgesetzt worden.