Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag müssen sich Fahrgäste in Berlin und Brandenburg auf diverse Änderungen im Bahnverkehr einstellen. Vor allem die Eröffnung der Dresdner Bahn bewirkt, dass zahlreiche S- und Regionalbahn-Linien andere Streckenverläufe erhalten. Der Chef des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), Christoph Heuing, sieht die „umfangreiche Neuordnung“ positiv. „Unterm Strich gibt es eine spürbare Angebotsverbesserung“, sagte er am Mittwoch, verwies aber darauf, dass die Rahmenbedingungen herausfordernd gewesen seien.

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„Wir haben mit einer schlechten Infrastruktur zu kämpfen“, so der VBB-Chef, zudem stoße man an Kapazitätsgrenzen. „Die Trassen sind voll.“ Hinzu kommen finanzielle Probleme, weil Kosten steigen, aber die Einnahmen durch Fahrkarten und die sogenannten Regionalisierungsmittel nicht genügen. Dennoch habe man einen Rückgang im Angebot vermeiden und sogar ein kleines Wachstum bei den gefahrenen Zugkilometern erzielen können. Ein Überblick über wichtige Änderungen – auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und im Fernverkehr:
Berliner S-Bahn
Die Linie S45, die bislang zwischen dem Flughafen BER und Südkreuz fährt, wird eingestellt. Der Wegfall soll durch zusätzliche Leistungen auf den Linien S46, S47 und S85 ersetzt werden, heißt es. Der Flughafen ist ab Südkreuz künftig mit dem Flughafenexpress FEX über die Dresdner Bahn erreichbar; Reisende aus Tempelhof oder Neukölln müssen dort künftig umsteigen, sparen aber Zeit.
Die Linie S46 fährt zwischen Hermannstraße und Grünau unter der Woche tagsüber künftig in einem dichteren 5/15-Minuten-Takt, ersetzt so die S45 als auch die S85 in diesem Abschnitt. Denn die S85 bekommt künftig eine neue Streckenführung und fährt ab dem Fahrplanwechsel zum Flughafen BER statt nach Grünau. Wochentags fährt die Linie im Nordabschnitt von und nach Frohnau, abends ab 20 Uhr bis Waidmannslust. Am Wochenende sowie täglich ab 21.30 Uhr endet die Linie in Pankow. Positiv für Fahrgäste: Die Betriebszeiten werden täglich bis 24 Uhr verlängert.
Eine weitere Änderung gibt es auf der Linie S47, sie wird über Hermannstraße hinaus nach Südkreuz verlängert. Zudem fährt die S-Bahn künftig auf ganzer Länge, also zwischen Südkreuz und Spindlersfeld, bis 24 Uhr.
Regionalbahn
Zentrale Änderung ist der neue Streckenverlauf des Flughafenexpresses, vom Hauptbahnhof über Potsdamer Platz und Südkreuz sowie die neue Strecke Dresdner Bahn zum BER. Die Fahrzeit vom Hauptbahnhof zum BER reduziert sich dadurch von rund 40 auf 23 Minuten. Gefahren wird im 15-Minuten-Takt und damit doppelt so oft wie bislang. Mit der Dresdner Bahn, sagte Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) könne man den Flughafen endlich gut anbinden.

Mit dem RE20 gibt es laut VBB ein neues Angebot, das ebenfalls die Anbindung des Flughafens verbessern soll. Die Linie fährt im Stundentakt von Hauptbahnhof nach Lübbenau, über Potsdamer Platz, Südkreuz, Flughafen BER, Königs Wusterhausen und Lübben.
Im Zusammenhang mit dem Flughafen gibt es auch eine Änderung beim RE8. Der nördliche Teil der bisher zweigeteilten Linie fährt künftig nicht mehr über Stadtbahn zum BER, weshalb Spandau, der Zoo oder der Alexanderplatz die umsteigefreie Regional-Verbindung zum Flughafen verlieren. Dafür wird die Linie zu einer zusammengefasst. Der RE8 fährt nach Abschluss der Generalsanierung der Hamburger Bahn von Wismar bzw. Wittenberge über Spandau, den Hauptbahnhof und Südkreuz nach Wünsdorf-Waldstadt, Baruth und Elsterwerda. Als Ersatz auf der Stadtbahn fährt dort in Zukunft die Linie RB14, die bisher von Nauen zum Südkreuz unterwegs ist.
Eine Besserung wird für die Verbindung zur Ostsee versprochen. Zwischen Angermünde und Stralsund wird mit dem RE30 eine neue Linie eingerichtet, die im täglichen Zweistundentakt den RE3 ergänzt. „Es ergibt sich damit ein stündliches Angebot zwischen Berlin und Stralsund, wechselweise mit und ohne Umstieg“, so der VBB. Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW) sagte, man gehe davon aus, die Nachfrage der Fahrgäste damit abbilden zu können – und überfüllte Züge, aus denen Reisende wieder aussteigen müssen, vermeiden zu können. Zusätzliche Verstärkerfahrten in der Saison soll es dafür erstmal nicht geben, man könne bei Bedarf aber nachsteuern, so Tabbert.
Fernverkehr
Die Deutsche Bahn kündigt an, dass ab dem Fahrplanwechsel zwischen Berlin und München stündlich schnelle ICE in knapp vier Stunden Fahrzeit verkehren. Damit gebe es drei Sprinter-Verbindungen mehr als bislang, heißt es. Ein ganz neuer Sprinter werde zwischen Berlin und Stuttgart eingeführt, der nur in Nürnberg hält. Rund 4 Stunden und 45 Minuten dauert die gesamte Fahrt, rund eine Stunde weniger als bisher. Auch international ändert sich etwas: Nach Warschau gibt es von Berlin aus eine weitere tägliche Direktverbindung. Nach Abschluss der Generalsanierung der Hamburger Bahn, ab Mai 2026, fahren zudem zweimal täglich Züge zwischen Berlin und Kopenhagen. Fahrzeit: rund sieben Stunden.
Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
Bei der BVG gibt es im Angebot weniger Änderungen, was auch der aktuellen Strategie „Stabilität vor Wachstum“ geschuldet ist. Auf je einer Bus-, Tram- und U-Bahn-Linie sollen längere Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Die Buslinie 147 (Ostbahnhof bis Hauptbahnhof) soll künftig von Montag bis Freitag mit 18-Meter-Gelenkbussen fahren und damit die Kapazität gegenüber den bisher eingesetzten 12-Meter-Fahrzeugen um rund 56 Prozent erhöhen. Auf der U-Bahn-Linie U3 fahren die Züge künftig mit acht statt sechs Wagen, was 140 Plätze pro U-Bahn mehr bedeute. Auf der Tram-Linie M5 (Zingster Straße bis Hauptbahnhof) sollen zehn Meter längere Bahnen das Platzangebot um etwa ein Drittel erhöhen.





