Hier kommt Willi, genau gesagt Willi Wackelöhrchen. Das Flusspferd-Baby kündigt sich mit einer klatschenden Welle in der Hippo-Bay im Zoo an, die ein Dampfer nicht besser hinbekommen hätte. Natürlich ist Mama Nala mit ihren zwei Tonnen eher für das unruhige Wasser verantwortlich. Aber wo Nala ist, ist Willi. Der Kleine weicht seiner Mutter nicht von der Seite. Dass er jetzt Willi heißt, spiele für ihn noch keine große Rolle, sagt Zoodirektor Andreas Knieriem. Aber wenn er in zwei, drei Jahren ein großer Bulle ist, so wie seiner Vater Bouli, dann wird er auf seinen Namen hören. Dann ist er der Chef der Truppe.

Aber bis dahin ist noch viel Zeit. Willi ist mit seinen zehn Wochen noch ein Baby, das nun auch getauft wurde. Etwa 20.000 Namensvorschläge seien eingegangen, berichtet Knieriem im Flusspferd-Haus. Viele ähnelten sich. Kurz und knackig sollte der Name sein, mit Bezug zu den typischen Merkmalen von Flusspferden. Und es sollte ein Doppelname mit demselben Anfangsbuchstaben sein, wie Paule Plansch und Bruno Boulette, die unter den Vorschlägen waren. Mit Klaus Kleinknautschke sollte an Berlins berühmtestes Flusspferd Knautschke erinnert werden und mit Harry Hippo an die Ehrenpaten, die Hersteller des Schokoriegels „kinder Happy Hippo“. Getauft wurde der kleine Hippo-Bulle nun auf den Namen Willi Wackelöhrchen, „in einem ganzen Schwimmbecken voll Taufwasser“, so Knieriem. Wer kann sowas schon bieten? Nur der Zoo.
weitere Videos
Das Leben des kleinen Hippos begann dramatisch. Am 28. September kamen Zwillinge auf die Welt, viel zu klein, viel zu leicht. Das eine Tier hatte keine Chance, es trank nicht und wurde am nächste Tag tot aufgefunden. Willi setzte sich durch. „Er hat zwei Zitzen für sich allein und trinkt kräftig“, berichtet Knieriem. Er verweist stolz auf die Flusspferd-Geschichte im Berliner Zoo, die 1874 begann. Willi wird sie jetzt weiterführen, denn er entwickelt sich prächtig. Zwischen 80 und 90 Kilogramm wiegt er nach 2,5 Monaten, wenn er ausgewachsen ist, wird er zwei bis drei Tonnen auf die Waage bringen.

Willi wird noch gesäugt, er interessiert sich aber auch schon für Äpfel
Im Moment ist seine Hauptnahrungsquelle Muttermilch. Das demonstrierte er auch während der „Taufe“. Statt auf den Felsen zu kommen, wo sein Namenszug mit schmackhaften Salatblättern ausgelegt war, blieb er lieber unter Wasser und dockte bei Mutter Nala zum Trinken an. Die 14 Jahre alte Kuh ist zum ersten Mal Mutter geworden. Als der Bulle Bouli vor einem Jahr in den Zoo kam, hat es sofort zwischen den Tieren gefunkt. Jetzt sind sie eine perfekte Familie. Nala hat sich sofort in ihre fürsorgliche Rolle eingefunden und Bouli passt aus der Entfernung auf die beiden auf.

Langsam reicht Willi die Milch nicht mehr aus. „Er probiert auch schon Apfelstücke, Salat und Heu – alles, was die Mama frisst“, erklärt Kurator Florian Sicks. Das Gleiten im Wasser und das Abstoßen vom Boden hat er schon richtig gut drauf. Flusspferde schwimmen nicht, sie schweben wie U-Boote unter Wasser. Vor dem Abtauchen machen sie die Nasenlöcher und Ohren zu. Beim Auftauchen bewegen sie die Ohren ganz schnell wie Propeller, um das Wasser wieder rauszuschütteln. Deshalb auch der Beiname Wackelöhrchen.
Hippos verbringen den Tag zur Hälfte je im Wasser und an Land
So ein Flusspferd-Tag beginnt ganz schön entspannt. Das kann Tierpfleger Lucas Baum berichten. Nach dem Aufwachen bleiben die Tiere zunächst liegen und chillen weiter. Selbst für den „Gute-Morgen-Snack“, ein Stück Apfel zum Beispiel, reißen sie lediglich das Maul auf. Sie bewegen sich erst, wenn das richtige Frühstück angerichtet ist. Der Rest des Tages wird mit Abtauchen, Fressen und Dösen verbracht. Günstig für Besucher ist es, 14.30 Uhr zu kommen. Dann gibt es eine kommentierte Fütterung mit allen Infos über die Hippo-Gruppe, zu der auch noch die alte Kati gehört, die schon 50 Jahre alt ist.

Mindestens fünf Jahre können die Zoobesucher Willi jetzt beobachten. Dann ist er erwachsen und wird eine Konkurrenz zu Bouli. „Man kann keine zwei männlichen Flusspferde zusammen in einer Gruppe halten“, erklärt Kurator Sicks. Aber wer den Zoo verlässt, ob Bouli oder Willi, um in einem anderen weiter für die Arterhaltung zu sorgen, das ist jetzt noch nicht abzusehen.
Das aktuelle Flusspferdhaus, die „Hippo Bay“, wurde 1997 fertiggestellt. Berühmt wurde unter anderem der Hippo-Bulle Knautschke, der den Zweiten Weltkrieg überlebte und zum Symbol für die lange und erfolgreiche Flusspferdhaltung in der Hauptstadt wurde. An Knautschke erinnert eine Bronzeskulptur vor der Hippo-Bay.



