Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal hat Politik ein Timing wie ein kaputter Fahrstuhl. Während in Berlin über Gerechtigkeit, Einsparungen und Reformtempo gestritten wird, gönnt sich der Bundestag ab sofort wieder Businessclass auf Dienstreisen ab zwei Stunden. Ausgerechnet jetzt. Ausgerechnet in einer Zeit, in der viele Menschen schon bei der nächsten Stromrechnung tief durchatmen müssen.

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Natürlich ist die Begründung nicht völlig aus der Luft gegriffen. Die größten Einsparungen erzielte das Parlament tatsächlich auf Kurzstrecken unter zwei Stunden, und wer während des Flugs Akten mit Geheimhaltungsstufe durcharbeitet, sitzt ungern eingequetscht zwischen Snackbox und Sitznachbar. Praktisch nachvollziehbar – politisch trotzdem unklug.
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Denn die Entscheidung trifft auf eine Stimmung, in der viele das Gefühl haben, dass die Lebensrealität von Politik und Öffentlichkeit immer weiter auseinanderdriftet. Wenn die Businessclass dreimal so viel kostet wie ein Economy-Ticket, wirkt der Verweis auf „Arbeitsfähigkeit“ schnell wie ein schlechter Witz. Besonders in Zeiten, in denen Haushaltsdisziplin das politische Schlagwort der Stunde ist.
Die Rückkehr zur Businessclass ist deshalb kein Skandal, aber ein Symptom. Eins dafür, dass man manchmal zu sehr auf Tabellen schaut und zu wenig auf die Stimmung im Land. Ein bisschen mehr Demut hätte gutgetan.
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Ihr Berlin-Tipp
Wo schmeckt der Kaffee am besten? In welchem Kiezversteck gibt es das beste Feierabendbier? Und wo zeigt sich Berlin von seiner schönsten, schrulligsten oder überraschendsten Seite? Alles wichtige Fragen, die Sie nun beantworten können. Der heutige Tipp kommt von Louisa aus Steglitz:
„Mein Geheimtipp ist das Udagawa in Steglitz. Ein kleines, sehr authentisches Japan-Restaurant mit superfrischem Sushi und herzlichem Service. Ich gehe seit Jahren hin.“
Und jetzt sind Sie gefragt: Schreiben Sie mir Ihren ganz speziellen Tipp – ob Lieblingsplatz, Geheimadresse oder Alltagsflucht – an spaeti@morgenpost.de. Ihre Einsendungen stelle ich hier im Newsletter vor.
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Jetzt kommt noch unser Kult-Taxifahrer Kasupke ...
... der nichts vom Böllerverbot hält:
„Alle Jahre wieda wird nachm Vabot der Silvesta-Knallerei jerufen. Anjeblich is in Berlin laut ner Umfrage ooch die Mehrheit dafür. Aba ma janz ehrlich: Glooben wa denn ernsthaft, det sich die üblichen Vadächtijen in den entsprechenden Kiezen durch so een Vabot davon abhalten lassen, Silvesta Krieg jejen Polizei und Feuawehr zu spieln? Und wieviel Hundatschaften der Polizei solln so een Vabot denn durchsetzen? Dafür darf der normale Bürja keene bunten Raketen mehr innen Himmel schicken. Dabei wäre det Vatreiben bösa Jeista nötija denn je.“

Und damit schließt der Späti für heute. Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie Fragen, Tipps oder Lieblingsorte haben. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Feierabend!
Herzliche Grüße!
Ihr Pascal Biedenweg
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