Für einen jungen Turmfalken ist ein Unfall am Flughafen BER gerade noch glimpflich ausgegangen. Anfang Oktober wurde der Vogel am Terminal 1 schwer verletzt aufgefunden – offenbar nach einem Zusammenstoß mit einer Scheibe. Die Flughafenfeuerwehr brachte ihn zunächst in die Kleintierklinik nach Düppel, bevor die Nabu-Wildvogelstation den Pflegling übernahm. Nach einer Phase der Erholung und ersten Flugversuchen in der Voliere konnte der Greifvogel Ende Oktober wieder ausgewildert werden.

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Doch solche positiven Ausgänge blieben laut Nabu selten. Deswegen fordert der Naturschutzbund nun, bauliche Maßnahmen für den besseren Schutz von Vögeln. „Es ist so, dass Wildtiere, gerade die Wildvögel, solche Strukturen wie Fenster, Glasflächen oder wirklich flächendeckende Versiegelung durch Glasscheiben nicht gut erkennen und auch als solche wahrnehmen können, wie wir das als Menschen teilweise tun“, erklärt Marc Engler, Teamleiter der Nabu-Wildvogelstation. Die Reflexionen großflächiger Glasfassaden führten regelmäßig dazu, dass Vögel die Spiegelungen nicht als Hindernis wahrnähmen, erklärt er weiter. „Sie sehen lediglich die Vegetation dahinter oder den Himmel, besonders an Eckgebäuden oder im Winter, wenn der Sonnenstand sehr niedrig ist und die Sonne unvermittelt auf das Gebäude scheint.“ Dieses Problem sei vor allem im urbanen Raum weitverbreitet.
Nabu: Jährlich 100 Millionen tote Vögel durch Glasscheiben
Seit Jahren dokumentieren Naturschützer – darunter langjährig Engagierte des BUND Berlin und des Nabu Berlin – immer wieder vermehrte Vogeltote rund um Terminal 1. In einer Mitteilung des Nabu heißt es, in Deutschland würden jedes Jahr etwa 100 Millionen Vögel an den Folgen des Zusammenstoßes mit einer Glasfläche sterben. Besonders während des Herbstzugs seien die Zahlen teilweise erheblich. Zu den regelmäßigen Opfern zählen unter anderem Turmfalken, Eisvögel und Waldschnepfen.

Der Flughafen reagierte 2024 erstmals mit umfangreicheren Schutzmaßnahmen: Rund 3750 Quadratmeter Glasfläche wurden mit für Vögel sichtbaren Punkten versehen. Auf Anfrage erklärt BER-Pressesprecherin Sabine Deckwerth: „Wir haben nach Rücksprache mit der Naturschutzbehörde die großen Glasflächen foliert, die die größte Gefahr für Vögel darstellen – alle diese Maßnahmen erfolgten von uns freiwillig, wir haben grundsätzlich alle baulichen Vorgaben eingehalten und waren zu keinen zusätzlichen Maßnahmen verpflichtet.“ Der junge Turmfalke sei zudem an einer unfolierten Glasfläche gefunden worden, ergänzt die Pressesprecherin.
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Für Marc Engler reicht dies jedoch nicht aus. Er fordert weitergehende und moderne Schutzmaßnahmen. „Institutionen wie der BER müssen fortschrittliche Maßnahmen ergreifen, um die Gebäude vogelsicher zu machen“, sagt der Tierschützer. Die richtige Lösung sei nicht, mehr Wildvogelstationen zu schaffen, sondern die Ursachen zu beheben. Heutzutage gebe es zahlreiche technologische Möglichkeiten, Gebäude auch für Vögel sicher zu gestalten. „Beispielsweise können spezielle Muster oder Sticker verwendet werden, die den Vögeln zeigen, dass es sich um ein Hindernis handelt.“
Sein Appell ist eindeutig: „Großbauprojekte müssen Vogel- und Artenschutz von Anfang an in der Planung mitdenken und nicht erst reagieren, wenn es zu spät ist.“






