Es gibt Menschen, für die ist ihr Job nicht nur ein Beruf, sondern ihre Leidenschaft. Peter Buchner, Chef der Berliner S-Bahn, gehörte dazu. Seit Juli 2009 hatte er das Unternehmen in seiner tiefsten Krise übernommen und bis zuletzt nichts von der Begeisterung für Eisenbahnen und insbesondere die Berliner S-Bahn verloren. Nun ist Buchner am Dienstag im Alter von 58 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

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Peter Buchner wurde in Pfarrkirchen, einem kleinen Ort in Niederbayern, geboren und war schon immer Eisenbahn-Fan. Seinen 18. Geburtstag feierte er in einem gemieteten Gesellschaftswagen, und passenderweise lernte er auch seine Frau während einer Zugfahrt kennen, als er als Steward in Interregio-Bistros arbeitete. Auch seine Karriere führte ihn zu diversen Bahnunternehmen: Zunächst zur Deutschen Bundesbahn, ab 1992 nach Berlin zur Deutschen Reichsbahn und später zur Usedomer Bäderbahn, wo er 1994 Geschäftsführer wurde. Es folgten weitere Positionen, etwa als Mitglied der Regionalleitung Nordost bei der Deutschen Bahn und als Geschäftsführer der Busverkehr Oder-Spree GmbH, bevor er 2009 zur Berliner S-Bahn kam.

S-Bahn: Als Buchner den Job angeboten bekam, musste er nicht lange überlegen

Dass er das Angebot bekam, hier die Leitung zu übernehmen, war für Buchner selbst überraschend, wie er Ende 2024 bei einem Spaziergang erzählte. Nachdenken musste er darüber jedoch nicht lange. „Wenn man so eine Chance bekommt und der Konzern der Meinung ist, man ist für die Aufgabe der Richtige, dann muss ich nicht lange nachdenken“, sagte Buchner im vergangenen Jahr. Sein Job brachte ihn in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, in einer Situation, die für ein Verkehrsunternehmen kaum schwieriger sein konnte. Ein Großteil der Züge war von der Aufsichtsbehörde zwangsweise stillgelegt worden, weil das Unternehmen zuvor, aus Kostengründen, bei der Wartung gespart hatte. Der Fahrplan musste in der Folge erheblich reduziert werden, manche Linien wurden zeitweise sogar eingestellt.

Buchner
Peter Buchner, fotografiert im Januar 2024. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Peter Buchner hatte das nicht abgeschreckt, auch wenn der Job anstrengend war und manchmal keinen Spaß machte. „Solange ich die Probleme identifizieren und dafür eine Lösung finden kann, ist das für mich okay“, sagte Buchner. Es dauerte Jahre, bis die S-Bahn sich vollends erholt hatte und ihr komplettes Angebot wieder fahren konnte. Es erforderte Hartnäckigkeit und den Willen, sich nicht mit der aktuellen Situation zufriedenzugeben. Peter Buchner hatte beides – eben weil die Geschäftsführung bei der S-Bahn für ihn nicht nur ein Job war. „Wenn die Eisenbahn funktioniert, macht es Spaß und man ist stolz. Wenn sie nicht funktioniert, trifft einen das auch persönlich“, sagte er.

S-Bahn-Chef Peter Buchner: Der schweren Krankheit bis zuletzt getrotzt

So blieb es all die Jahre. Wohl kaum jemanden ärgerten die zunehmenden Störungen, die vielen Ausfälle und Verspätungen bei der S-Bahn mehr als Peter Buchner. „Wenn ich morgens aufstehe, schaue ich als Erstes: Mit wie vielen Fahrzeugen sind wir heute gestartet? Und gibt es eine Betriebsstörung?“, erzählte der Manager im vergangenen Jahr. Buchner scheute sich nicht, die Probleme der S-Bahn offen anzusprechen. Und war auch nach 16 Jahren als Unternehmenschef nicht müde, nach immer neuen Lösungen zu suchen, vor allem um die vereinbarten Zuverlässigkeits- und Pünktlichkeitsziele zu erreichen.

„Seiner schweren Krankheit hat er bis zuletzt getrotzt und sich unermüdlich für die Fahrgäste und Mitarbeitenden seiner S-Bahn eingesetzt. Wir trauern um einen Eisenbahner durch und durch, einen hochgeschätzten Kollegen und einen unvergleichlichen Menschen“, sagt auch Harmen van Zijderveld, Vorstand Regionalverkehr der Deutschen Bahn und Vorsitzender des Aufsichtsrats der S-Bahn Berlin GmbH, in einer Mitteilung. Buchners Tod reiße „eine Lücke, die mit Worten nicht zu beschreiben ist“.

Peter Buchners letzter medialer Auftritt: Der 1000. Lokführer bei der S-Bahn

Peter Buchners letzter medialer Auftritt war im Sommer. Unter seiner Führung hatte die S-Bahn vor zehn Jahren eine Ausbildungsoffensive gestartet, bei der Quereinsteiger zu Lokführern ausgebildet wurden. An diesem Tag konnte Buchner dem 1000. Lokführer aus der Offensive seinen Führerschein überreichen. Er tat es nicht nur fürs Foto, sondern mit ehrlicher Freude. Von den Mitarbeitern der S-Bahn, so war es immer zu hören, wurde er sehr geschätzt. Er selbst sah seine Rolle als Coach, der die Mitarbeiter anspornt und ihnen gleichzeitig Vertrauen schenkt.

Manche der von ihm angestoßenen Projekte wird er nicht mehr bis zum Ende begleiten können. Etwa das riesige Modernisierungsvorhaben, bei dem in den vergangenen Jahren Hunderte ältere Züge generalüberholt worden sind. Gerade befinden sich die letzten Fahrzeuge im Werk in Schöneweide. Karsten Preißel, Geschäftsführer Produktion, soll laut Deutscher Bahn den Vorsitz der Geschäftsführung bis auf Weiteres kommissarisch übernehmen. Er kann, mit den 3000 Beschäftigten, nun die Ziele von Peter Buchner für die S-Bahn weiterverfolgen. Sein größter Antrieb ist knapp formuliert und lautete bis zuletzt: „Zwei Prozent Zugausfälle und 96 Prozent Pünktlichkeit.“