Flugzeuge aus Stockholm, Antalya, Helsinki und London wurden umgeleitet, es kam zu Verspätungen bei Starts und Landungen am BER und der Flugbetrieb wurde für etwa zwei Stunden eingestellt. Das ist die Bilanz einer Drohnensichtung am Freitagabend am Flughafen BER. Nachdem ein Zeuge wegen einer Drohne am Himmel die Polizei in Brandenburg alarmiert hatte, wurde der Flugbetrieb für etwa zwei Stunden unterbrochen, zahlreiche Maschinen wurden umgeleitet.

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Der Flughafenverband ADV forderte am Freitagabend noch, der Staat müsse die Drohnenabwehr verbessern. Die mehrstündige Sperrung des Berliner Hauptstadtflughafens sei „ein sicherheitspolitischer Weckruf“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Ralph Beisel. „Wenn Starts und Landungen gestoppt und zahlreiche Flugzeuge zu anderen Airports umgeleitet werden müssen, steht nicht nur der Flugbetrieb still – auch das Vertrauen der Passagiere in die Sicherheit des Luftverkehrs leidet.“ Die Politik dürfe die Flughäfen nicht alleine lassen. „Die Drohnendetektion und -abwehr sind hoheitliche Aufgaben des Staates und müssen umfassend und konsequent angegangen werden“, sagte Beisel.

Auch Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hält nach den Störungen im Flugverkehr am Flughafen BER wegen einer Drohnensichtung mehr Einsatz für die Drohnenabwehr für unverzichtbar. „Ich begrüße die Initiative auf Bundesebene in Bezug auf die Drohnenabwehr. Ich befürworte die Einrichtung eines zentralen Drohnenabwehrzentrums“, teilte die SPD-Politikerin auf dpa-Anfrage mit.

„Bereits früh haben wir in Berlin die Dringlichkeit der Drohnenabwehr erkannt und schon im Kontext der UEFA EURO 2024 Abwehrtechnik beschafft“, erläuterte Spranger. Weitere Anschaffungen würden sichergestellt. „Dass jedoch die Bundeswehr bei der Drohnenabwehr in Amtshilfe tätig werden soll, muss in engen, rechtlichen Grenzen erfolgen und geprüft werden.“

Bereits sieben Drohnenalarme am BER in diesem Jahr

Der Flugbetrieb sei zwischen 20.08 Uhr und 21.58 Uhr eingestellt worden. Dann hätten die Sicherheitsbehörden den Drohnenalarm wieder aufgehoben. „Wir gehen davon aus, dass die Gefahr erst mal gebannt ist“, sagte der Flughafen-Sprecher, nachdem der Flugbetrieb wieder aufgenommen wurde. Die Polizei war auch mit einem Hubschrauber im Einsatz. Es war bereits der siebte Vorfall in diesem Jahr am BER.

„Die Sicherheitsmaßnahmen haben gestern gegriffen, natürlich mit massiven Auswirkungen für die Fluggäste“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) der Berliner Morgenpost. „Wir müssen aber ganz ehrlich sein, wir werden nicht jeden Flughafen unseres Landes so mit Drohnenabwehr ausstatten können, um jegliches Restrisiko auszumerzen. Dafür ist die technische Entwicklung zu schnell.“

Flughafenverband sieht reale Bedrohung für den Luftverkehr

Drohnen stellen die Sicherheitsbehörden immer wieder vor große Probleme. Besonders betroffen sind die großen Flughäfen. Denn wird dort eines dieser unbemannten Flugobjekte gesichtet, bedeutet das in den meisten Fällen, Flugausfälle, Verspätungen, Flugzeuge müssen zu anderen Flughäfen umgeleitet werden.

Laut ADV wurden bis Ende August 2025 bereits 144 Stö­run­gen durch Droh­nen an deut­schen Flug­hä­fen regis­triert: Ten­denz stei­gend. Die Fälle rei­chen von ein­zel­nen Sich­tun­gen über gezielte Stör­ak­tio­nen bis hin zu voll­stän­di­gen Betriebs­ein­stel­lun­gen. Es han­delt sich um eine reale Bedro­hung für den Luft­ver­kehr und die öffent­li­che Sicher­heit – ins­be­son­dere in kri­ti­schen Pha­sen wie Start und Lan­dung oder in der Nähe von Vor­fel­dern und Ter­mi­nals. „Wenn der Flug­be­trieb durch Droh­nen lahm­ge­legt wird, ist das nicht nur ein Sicher­heits­pro­blem – es beschä­digt das Ver­trauen in die Zuver­läs­sig­keit des Luft­ver­kehrs. Die Pas­sa­giere erwar­ten zu Recht, dass Flug­hä­fen sicher sind – in der Luft wie am Boden“, betont Ralph Bei­sel.

Deutschland braucht ein zentrales Kompetenzzentrum für Drohnenabwehr

Der Flug­ha­fen­ver­band ADV for­dert eine staat­lich koor­di­nierte und finan­zierte Droh­nen­de­tek­tion und –abwehr. „Sicher­heit darf keine Haus­halts­frage sein. Der Schutz des Luft­raums ist eine ori­gi­när hoheit­li­che Auf­gabe. Wir begrü­ßen die von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Alex­an­der Dobrindt ange­kün­digte Rege­lun­gen im Bun­des­po­li­zei­ge­setz und im Luft­si­cher­heits­ge­setz“, sagte Beisel. „Sie stär­ken die zen­trale Rolle der Bun­des­po­li­zei und sol­len den geziel­ten Ein­satz der Bun­des­wehr ermög­li­chen.“ Der ADV sieht es als zwingend an ein zen­tra­les Kom­pe­tenz­zen­trum für Droh­nen­ab­wehr zu schaf­fen, in dem Bundes- und Lan­des­po­li­zei, die Bun­des­wehr sowie die zustän­di­gen Ver­wal­tungs­stel­len eng zusam­men­ar­bei­ten, denn Droh­nen­ab­wehr betrifft nicht nur den Schutz der Ver­kehrs­flug­hä­fen, son­dern alle kri­ti­schen Infra­struk­tu­ren in Deutsch­land.