Als selbsternannte Heimatschützer laufen sie durch die von Touristen frequentierten Orte in Berlin, warnen vor mutmaßlichen Taschendieben, die sie mit der Kamera verfolgen: Rechtsextreme von Deutscher Jugend Voran (DJV) und Die Heimat fokussieren sich in einer jüngsten Kampagne auf Trickbetrug. Am Sonnabend rufen sie zur Demonstration in Berlin-Mitte auf. Die Veranstaltung offenbart, wie eng die Verbindungen zwischen alten und neuen Kadern mittlerweile sind und wie sie zunehmend mitten in der Stadt Präsenz zeigen.

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„Taschendiebe, Betrüger und Hütchenspieler stehlen Berlinern und besonders unseren nichtsahnenden Touristen das Geld aus der Tasche“, heißt es in dem Demo-Aufruf im Telegram-Kanal der rechtsextremen Deutschen Jugend Voran. Angemeldet wurde die Demonstration jedoch vom Berliner Ableger der Heimat – ehemals NPD –, wie die Polizei auf Anfrage mitteilt. Auch die Jugendorganisation der Neonazi-Partei, die Jungen Nationalisten, werden in dem Aufruf erwähnt.

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Neonazi-Demo: 100 Teilnehmende angemeldet – und 350 Gegendemonstrierende

Angemeldet sind 100 Teilnehmende. Als Treffpunkt ist der Berliner Dom geplant. Ursprünglich wollten die Rechtsextremen von dort über Unter den Linden zum Brandenburger Tor laufen, wo um 15 Uhr eine Abschlusskundgebung geplant war. Allerdings teilt die Versammlungsbehörde mit, dass der Aufzug am Auswärtigen Amt vorbeiführen und am Tränenpalast auf der Friedrichstraße enden soll. Drei Gegen-Demonstrationen mit insgesamt 350 Teilnehmenden sind angemeldet. Ein Protest wird von den Omas gegen Recht organisiert.

Der Startpunkt der Demonstration ist kein Zufall. Am 9. September veröffentlichte Die Heimat Videoaufnahmen von der Museumsinsel, wo Oliver Niedrich, Beisitzer in der Partei, mit Personen von der DJV unterwegs war. Sie filmten Frauen, die sie bezichtigten, Touristinnen und Touristen zu betrügen. Bei einem Flohmarkt riefen sie „aufpassen, Taschendiebe“ und liefen ihnen mit der Kamera hinterher.

Die Aktion erinnert an die „Schutzzonen“-Kampagne der Vorgängerpartei NPD, an der ebenfalls Niedrich beteiligt war. „Die Kampagne soll dazu beitragen, sich selbst als ‚Kümmerer vor Ort‘ zu inszenieren und staatliche Strukturen verächtlich zu machen“, hieß es 2022 in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei. Gleichzeitig stellt die Kampagne ein niedrigschwelliges Kontaktangebot zur Rekrutierung neuer Mitglieder für die Partei dar und ist für jedermann zugänglich.“

Allianz zwischen DJV und Die Heimat aufgrund von Krisenstimmung

Ähnliches dürfte Die Heimat mit der jüngsten Aktion im September verfolgen. Sie bezeugt die mittlerweile enge Verbindung zwischen den älteren Neonazi-Kadern und den jungen Rechtsextremen. Der Politikwissenschaftler Alexander Ritzmann sieht diese Allianz in der Krise begründet, in der Die Heimat seit Jahren steckt. Diese drücke sich vor allem durch rückläufige Mitgliederzahlen aus – die Personenanzahl in Berlin ist zwischen 2023 und 2024 von 170 auf 160 gesunken, wie es im Verfassungsschutzbericht 2024 heißt. Die Deutsche Jugend Voran wiederum, die im vergangenen Jahr gegründet wurde, suche ebenfalls Orientierung.

Ihr Gründer Julian M. trat Anfang September seine Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung an. Begleitet wurde er dabei von rund 30 Gefolgsleuten, die seine letzten Minuten in Freiheit inszenierten. Darunter auch Oliver Niedrich, der die teils minderjährigen Neonazis von der DJV mehrmals bei Demonstrationen begleitet hat.