„Aber wir haben natürlich immer noch im Stadtbild dieses Problem“, polarisierte Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Potsdam mit einer Äußerung. „Und deswegen ist der Bundesinnenminister dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen.“ Die Bemerkung löste breite Empörung aus: Grüne und Linke fordern eine Entschuldigung, Grünen-Chef Felix Banaszak nannte die Aussage „eines Kanzlers unwürdig“.
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Regierungssprecher Stefan Kornelius versuchte bereits am Mittwoch, die Situation zu entschärfen: „Ich glaube, da interpretieren Sie zu viel hinein. Der Bundeskanzler hat sich zu dem geänderten Kurs in der Migrationspolitik der neuen Bundesregierung geäußert ‑ übrigens in seiner Funktion als Parteivorsitzender, was er auch explizit so kenntlich gemacht hat.“ Eine persönliche Stellungnahme des Bundeskanzlers blieb bisher aus.
Wie reagiert man im Herzen von Berlin auf die Äußerung des Bundeskanzlers? Die Morgenpost hat sich am wuseligen Potsdamer Platz in Mitte umgehört. Die Antworten zeigen: Die meisten Befragten lehnen eine pauschale Zuschreibung klar ab. Manche aber sehen das durch Migration geprägte Stadtbild Berlins kritisch.
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Nach Merz-Aussage: „Hat mit Migranten nichts zu tun“
Vielfach wird von positiven Alltagserfahrungen berichtet: „Ich finde, es gibt keine Probleme, ich fühle mich wohl. Viele meiner Freunde haben Migrationshintergrund“, erzählt etwa ein Teenager. Eine junge Dame aus Kreuzberg ergänzt, dass sie abends ungern allein ausgehe, dies jedoch „mit Migranten nichts zu tun“ habe – Ängste seien unter den Befragten eher situationsabhängig.
Andere heben hervor, dass Pauschalisierungen nicht nachvollziehbar seien und man Migranten im Alltag nicht klar identifizieren können: „Woran soll ich einen Migranten von einem Touristen unterscheiden?“, so ein Mann im Seniorenalter. „Da, wo ich verkehre, sehe ich keine Probleme.“

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Vor allem die jüngeren Befragten lenken den Blick auf strukturelle Ursachen: ungleiche Bildungschancen und schlechte Integrationsangebote würden Probleme eher erklären als ein vermeintliches „Stadtbild“-Phänomen. „Migranten bekommen weniger Zugang zu Bildung. Man kann nicht alle Menschen in einen Topf stecken“, äußert sich eine junge Frau aus Neukölln. Ein Junge im Teenageralter betont, dass es „gute und schlechte Menschen“ gibt – negative Einzelfälle rechtfertigten keine Generalisierung wie die von Friedrich Merz.
„Bewege mich in Gegenden, die ich als sicher empfinde“
Einige Befragte meiden bestimmte Orte aus persönlichen Gründen, wie zum Beispiel der Angst vor großen Menschenmengen, sehen darin jedoch nicht automatisch ein migrationsbedingtes Problem. „Ich fühle mich sicher, aber bewege mich auch nur in Gegenden, die ich als sicher empfinde.“
Ein Teil der Befragten führt Integrationsdefizite als zentrales Problem an – und nähert sich Merz‘ umstrittenem Kommentar damit an. Ein junger Mann fasst diese Haltung so zusammen: „Migranten müssen sich besser anpassen, um sich zu integrieren.“ Wenn kulturelle und rechtliche Normen nicht hinreichend geteilt würden, könnten Spannungen entstehen.
Ökonomische Bedenken spielen ebenfalls eine Rolle. Ein Charlottenburger mit italienischen Wurzeln beklagt, dass staatliche Leistungen bezogen, aber nicht gearbeitet wird: „Die Migranten jetzt bekommen alles vom Staat. Es gibt keine Anreize mehr zu arbeiten, da kommt es auch zu Kriminalität“, sagt er.
Manche Befragten betonen, es gebe „unschöne Stellen“ im Stadtbild, und damit habe oft eben auch ein Teil der migrantische Bevölkerung zu tun. „Es gibt fürchterliche Orte“, sagt ein junger Mann der Morgenpost. „Natürlich ist Migration dort ein Problem – aber nicht meins.“






