Von ihrem schweren Sturz hat sich Bärbel F. eigentlich gut erholt. Die 84-Jährige konnte nach dem Krankenhausaufenthalt wieder in ihr Zuhause in Friedenau zurückkehren. Doch seitdem ist sie auf den Rollator angewiesen - und kann die im zweiten Obergeschoss gelegene Altbauwohnung nicht ohne fremde Hilfe verlassen. „Ich suche seit Monaten nach einer passenden Wohnung für meine Mutter“, berichtet ihr Sohn Michael. Idealerweise in Zehlendorf, wo er selbst wohnt. „Doch bisher ohne Erfolg“, sagt er. Eine Erfahrung, die viele Menschen teilen, die in Berlin eine altersgerechte Wohnung suchen. Denn die sind Mangelware.

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Der Konkurrenzkampf um die wenigen Wohnungen, die auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ein selbstständiges Wohnen in den eigenen vier Wänden ermöglichen, wird sich absehbar auch nicht entschärfen. Nach Angaben der Bevölkerungsprognose für Berlin 2021 bis 2040 wächst die Zahl der Hochbetagten in Berlin seit Jahren kontinuierlich. Die Zahl der über 80-jährigen Personen wird demnach um etwa 3,5 Prozent (+8.000) auf rund 245.500 Personen steigen. Die Zahl der Personen im Alter von 65 bis unter 80 Jahren wird um annähernd 14,8 Prozent (+72.000) auf zirka 558.000 Personen anwachsen.
Versorgungslücke von 57.000 Wohnungen
Im Wohnraumbedarfsbericht 2025, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlicht hat, wird der schon heute bestehende Mangel beziffert: „Die Gegenüberstellung des Bedarfs an barrierereduzierten, barrierefreiem oder barrierearmen Wohnraum von insgesamt 126.900 Haushalten (davon 116.200 Seniorenhaushalte) und dem Wohnungsbestand von 69.900 weitgehend barrierefreien Wohnungen ergibt rein rechnerisch eine Versorgungslücke von aktuell rund 57.000 Wohnungen.“
Der demografische Wandel in Berlin hinterlässt auf dem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt seine Spuren. Das Angebot an altersgerechten Wohnungen ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich knapper und auch teurer geworden, wie eine Auswertung der Immobilienplattform ImmoScout24 zeigt. Die Angebotsmieten für barrierearme Wohnungen liegen demnach inzwischen mehr als fünf Euro über denen für herkömmliche Wohnungen in Berlin. Zum Vergleich: Die mittlere Angebotsmiete lag 2024 bei 15,74 Euro je Monat und Quadratmeter (kalt) , wie aus dem im März dieses Jahres veröffentlichten Wohnmarktreport der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB) hervorgeht.
Altersgerechte Wohnungen mehr als fünf Euro teurer
Das ist auch für Bärbel M. ein Problem. Wie viele ältere Menschen verfügt sie nur eine niedrige Rente. „Die wenigen barrierefreien Wohnungen, die überhaupt angeboten werden, sind allerdings teure Neubauwohnungen mit Mieten um die 20 Euro“, sagt Sohn Michael. Altersgerechte Wohnungen verfügen beispielsweise einen Aufzug, die Wohnung oder der Zugang zum Balkon sind schwellenlos erreichbar, das Bad ist mit einer bodengleichen Dusche ausgestattet. Alles Merkmale, die viele der Gründerzeit-Altbauten, aber auch die in den Nachkriegsjahren hochgezogenen Wohnblöcke oft nicht aufweisen.
5,33 Euro pro Quadratmeter teurer
Eine Mietwohnung mit altersgerechter Ausstattung liegt nach Angaben von ImmoScout24 aktuell 5,33 Euro pro Quadratmeter über den Preisen, die für eine herkömmliche Wohnung aufgerufen werden. Das bedeutet bei einer Wohnung mit 50 Quadratmetern einen Unterschied von monatlich 266,50 Euro. Im Vergleich der Metropolen liegt Berlin damit deutlich über dem Durchschnitt der acht größten deutschen Metropolen (3,45 Euro). Nur in Hamburg ist die Differenz zwischen einer Mietwohnung mit altersgerechter Ausstattung und einer ohne diese Merkmale mit 5,35 Euro pro Quadratmeter noch größer.
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Verschärft wird die Situation am Wohnungsmarkt noch dadurch, dass der Anteil altersgerechter Wohnungen am Gesamtangebot in Berlin seit 2020 um fünf Prozent gesunken ist. Nur in München ist die Situation mit einem Minus von sechs Prozent noch angespannter.
Barrierearme, für Rollatoren geeignete Wohnungen ohne Treppen und mit stufenfreiem Zugang zur Dusche ermöglichen älteren Menschen, länger selbstständig zu leben – ein Bedarf, der durch den demografischen Wandel weiter steigt. Doch eine solche Ausstattung kostet erheblich mehr Geld, was zu deutlich höheren Mieten führt.
„Die Zahlen zeigen ein klassisches Marktversagen: Die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum steigt durch den demografischen Wandel kontinuierlich, doch das Angebot entwickelt sich in die entgegengesetzte Richtung“, so ImmoScout24-Geschäftsführerin Gesa Crockford. Gleichzeitig seien altersgerechte Wohnungen häufig teure Neubauten. „Das hält ältere Menschen in ihren bestehenden, oft zu großen Wohnungen – und verschärft so die Wohnungsknappheit für alle Generationen.“




