Nach ihrem erfolgreichen Kampf für einen besseren Mutterschutz nach Fehlgeburten will Natascha Sagorski die Wirtschaft stärker in den Blick nehmen. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist eine vorausschauende Familienpolitik ein wahrer Booster für eine gesunde Wirtschaft“, sagt die Autorin und Aktivistin im Interview. Die 40 Jahre alte PR-Expertin und Mutter will ein Netzwerk gründen, das sich für eine Neugewichtung der Familienpolitik einsetzt. „Weg vom Gedöns hin zur Wirtschaftspolitik“, wie sie sagt.

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Menschen, die die Unternehmen am Laufen hielten, profitierten von einer besseren Familienpolitik, betont Sagorski. „Deswegen macht es nur Sinn, wenn sich Verantwortliche aus der Wirtschaft genau dafür einsetzen“, sagt sie. Auch sie hätten ein Interesse an modernen Elterngeld-Modellen, Kita-Plätzen und Ganztagsschulen. Dafür einzutreten, sei nicht nur Aufgabe der Zivilgesellschaft. „Verbünden sich Wirtschaft und zivile Organisationen zu einer positiven Lobbybewegung, können wir eine ganz andere Kraft entwickeln und Familienpolitik endlich entscheidend voranbringen“, betont sie.

Sagorski spricht beim FFF-Day in Berlin

Wie sich Sagorski die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der neuen Arbeitswelt vorstellt, wird die Autorin am 11. Oktober in Berlin erläutern. Dann ist sie zu Gast beim Female Future Force Day im Berlin Congress Center (BBC) am Alexanderplatz. Diskutieren wird sie das Thema dort ab 12 Uhr mit Karin Teichmann, Vorständin der Berliner Euref AG, Isabelle Gardt, Geschäftsführerin der digitalen Marketingplattform OMR und Johanna Röh, die sich für selbstständige Schwangere einsetzt. Außerdem wird Volker Baisch mit auf dem Podium sitzen, einer der profiliertesten Experten zum Thema aus Vätersicht. Moderiert wird die Diskussion von Morgenpost-Chefredakteur Peter Schink.

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Sagorski zählte in den vergangenen Jahren zu den bekanntesten Stimmen für einen besseren Mutterschutz nach einer Fehlgeburt. Sie selbst hatte 2019 ein Kind verloren und wurde von ihrer Ärztin am folgenden Tag wieder zur Arbeit geschickt. Im vergangenen Januar beschloss der Bundestag schlussendlich eine neue Regelung für einen gestaffelten Mutterschutz im Falle von Fehlgeburten. Demnach haben Frauen, die zwischen der 13. und der 24. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden, künftig Anspruch auf Mutterschutz. Schätzungen zufolge ereignen sich jährlich in Deutschland etwa 6000 Fehlgeburten zwischen der 13. und 24. Schwangerschaftswoche.

Sagorski will stärkere Gewichtung der Familienpolitik

„Ich kriege viele Nachrichten aus dem Ausland dazu und es gibt Bestrebungen, ähnliche Gesetze auch in anderen Ländern wie Österreich oder der Schweiz umzusetzen“, sagt Sagorski. „Es ist ein wichtiges Zeichen, dass wir uns in Demokratien nicht nur über Wahlen beteiligen können, sondern unser Engagement auch darüber hinaus zu konkreten Ergebnissen führen kann“, betont sie.  

Der Familienpolitik fehlt laut Sagorski die Lobby. Familienpolitik finde mitnichten nur im Familienministerium statt, betont sie. „Ich bin der Überzeugung, wir müssen eine starke, generationenübergreifende Allianz aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft bilden, um die Gewichtung von Familienpolitik neu zu definieren“, sagt Sagorski.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Beispiel Gasag

Dass Unternehmen beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf aufgeschlossen sind, zeigt das Beispiel Gasag. Der Berliner Energieversorger beschäftigt rund 1600 Menschen. Nach Angaben des Unternehmens haben rund 45 Prozent der Beschäftigten Kinder. „Wir haben einen sehr hohen Elternanteil, das ist ein wichtiges Thema“, bestätigt Vera Holzmeister, Leiterin Personal bei der Gasag.

Die IHK hat die Firma vor einigen Jahren als eines der familienfreundlichsten Unternehmen der Hauptstadt ausgezeichnet. Holzmeister betont, in einem familienfreundlichen Unternehmen müsse es um „lebensphasen-orientierte Personalpolitik und bedarfsorientierte Angebote“ gehen. Die Mitarbeitenden wünschten sich Flexibilität. „Wir bieten fast alle Jobs in der Gasag-Gruppe in Teilzeit an“, berichtet Holzmeister. „Wir haben flexible Arbeitszeitmodelle, Option für mobiles Arbeiten und Job-Sharing-Angebote“, berichtet sie.

Holzmeister selbst teilt sich die Personalleitungsstelle mit einer anderen Mitarbeiterin. Beide haben Kinder, beide arbeiten in Teilzeit. „Wir bringen so Job-Verantwortung und Familie zusammen“, sagt sie.

Unternehmen kümmert sich um Notfallbetreuung

Um die Kinderbetreuung für Beschäftigte auch dann sicherzustellen, wenn die Kita etwa wegen Krankheit kurzfristig schließen muss, hat das Unternehmen einen Dienstleister eingeschaltet, der Plätze vermittelt. Kinder von Mitarbeitenden der Gasag erhalten dann eine Notfallbetreuung. Während der Coronazeit hätten einige Eltern sogar eine virtuelle Betreuung in Anspruch genommen. Dabei hätten Betreuerinnen und Betreuer mit den Kindern über Bildschirme kommuniziert und gemeinsam gebastelt und gesungen.

Weniger gefragt seien zuletzt die Eltern-Kind-Büros des Unternehmens gewesen. „Die haben nicht mehr ganz so eine große Bedeutung, weil die Mitarbeitenden auch flexibel von zuhause arbeiten können“, berichtet Holzmeister.

Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen die rund 1300 Kinder seiner Beschäftigten mit Veranstaltungen. Jedes Jahr gibt es eine große Kinder-Weihnachtsfeier. Außerdem organisiert der Dienstleister für die Kinder von Gasag-Beschäftigten Ferienlager im Sommer.

Female Future Force Day, 11.10., ab 10 Uhr, Tickets (zwischen 29 Euro, nur Networking-Event am Abend, und 149 Euro) gibt es hier. Alle Informationen und das gesamte Programm können Sie hier nachlesen. (www.editionf.com/fff-day/)