Liebe Leserin, lieber Leser,
es ist ein ewiges, ein nie enden wollendes Thema in vielen Familien: Wie viel Zeit darf das Kind am Handy verbringen? Gern auch erweitert um die Frage: Wie viel zusätzliche Zeit mit weiteren digitalen Endgeräten ist okay? Wir Erwachsenen haben für unseren Nachwuchs klare Vorstellungen: Eine Stunde am Tag nach dem Unterricht bis zum frühen Abend müsste reichen. Diese Vorstellung erweist sich jedoch täglich als völlig unrealistisch.

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Insofern wundert das Ergebnis des Otto-Nagel-Gymnasiums kein bisschen. Rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler gab an, täglich drei bis fünf Stunden am Handy zu verbringen, fast zehn Prozent der Befragten sogar sechs Stunden und mehr. Zu diesen Zahlen kommt eine anonyme Umfrage unter mehr als 300 Schülerinnen und Schülern der Biesdorfer Schule. Unser Kollege Nicole Dolif hat über die Ergebnisse der Umfrage geschrieben.

Die Kollegin beginnt ihren Artikel mit den Worten: „Die Mehrheit der Jugendlichen hat die Handynutzung nicht im Griff.“ Unser Sohn würde bei dieser Aussage die Augen verdrehen: Erwachsene! Was heißt denn hier „nicht im Griff“? Schließlich ist es vollkommen normal, dass viele Tätigkeiten mit dem Handy oder einem anderen computerartigen Gerät ausgeübt werden.
Selbstverständlich kommt auch er auf mehr als drei Stunden am Tag – schon weil er Musik über Spotify hört. Aber ist Musikhören schlimm? Und den Serienteil am Abend streamt er auf dem Tablet. Wäre ARD gucken auf dem alten Fernseher besser für seine Konzentrationsfähigkeit? Und natürlich schreibt auch kein Lehrer mehr eine Notiz an die Eltern auf einen Zettel, wird keine Hausaufgabe in einem Heft notiert. Stundenpläne (die sich oft täglich und manchmal in letzter Minute ändern) gibt es längst nicht mehr auf Papier.
Natürlich haben Eltern eine Vorbildfunktion – scheitern jedoch täglich daran. Schließlich organisieren auch wir unser Berufs- und Privatleben mithilfe der Geräte. Zugleich bin ich davon überzeugt, dass zu viel digitales Leben die Konzentrationsfähigkeit schwächt. Was also tun? Lange hielt ich ein Handyverbot an Schulen, wie es jetzt diskutiert wird, für einen wichtigen Baustein zur Lösung.
Doch wir müssen uns wohl ehrlich machen: Das ist völlig unrealistisch. Und ändert nichts. Den angemessenen Umgang mit den Geräten zu erlernen, ist der einzige Weg. Wir müssen es immer wieder versuchen. Scheitern gehört auf diesem Weg wohl dazu.
Was sonst noch wichtig ist
Rasende Kokstaxis: Die Zahl der Raserfälle in Berlin ist hoch. Im vergangenen Jahr gingen bei Amts- und Staatsanwaltschaft 947 entsprechende Verfahren ein, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es bereits 434. Doch die Ermittler stoßen bei der Fahndung schnell an ihre Grenzen, erfuhr Philipp Siebert am Mittwoch im Rechtsausschuss. Eine besondere Rolle spielen Kokstaxis.

Kein Ende des Staus in Sicht: Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) hat am Mittwoch eine neue Verkehrsführung für die Elsenbrücke in Friedrichshain vorgestellt. Sie soll eine deutliche Entlastung bringen, schreibt Jessica Hanack.
Sorge um die Olympiabewerbung: Bob Hanning warnt eindringlich davor, die Berliner Olympiabewerbung zum Wahlkampfthema zu machen. Worum sich der Geschäftsführer des Berliner Handballvereins Füchse Sorgen macht, haben Hans Cord Hartmann und Gilbert Schomaker aufgeschrieben.
Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Herbst-Donnerstag,
Ihre Heike Dietrich
Leitende Redakteurin
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