In der Berliner Charité ist es zu einem Ausbruch des Hefepilzes Candidozyma auris gekommen. Das bestätigte das Universitätsklinikum dem „Tagesspiegel“. Demnach wurden bei einer „niedrigen zweistelligen Anzahl“ von Patienten Nachweise des Erregers festgestellt. Für immungeschwächte Menschen kann die Infektion lebensgefährlich werden.

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Im Juni war der Pilz bei einem Patienten nachgewiesen worden, der zuvor in einer medizinischen Einrichtung im Ausland behandelt worden war. Laut Charité handelte es sich um eine Urinprobe, die routinemäßig untersucht wurde. Seitdem kam es zu weiteren Fällen innerhalb des Klinikums. Der Ursprung dieser Fälle sei der erste, sogenannte Indexpatient. Demnach hat die Übertragung in der Klinik stattgefunden. 

Die meisten Nachweise gelten als sogenannte Besiedlungen: Der Pilz ist im Körper nachweisbar, verursacht aber keine Symptome. Zwei Patienten sind bislang erkrankt, bei einem weiteren besteht ein Verdacht.

Charité: Strenge Isolationsmaßnahmen

Nach Angaben der Charité wurden alle betroffenen Patienten sofort isoliert. Eine solche Isolation dauert meist drei bis fünf Wochen – deutlich länger als bei anderen Krankenhauskeimen wie MRSA, wo in der Regel nur wenige Tage erforderlich sind. Zusätzlich wurden strengere Hygieneregeln eingeführt und umfangreiche Screenings durchgeführt, um unentdeckte Fälle zu finden.

Besonders Patienten mit Kathetern, Beatmungsschläuchen oder Prothesen gelten als gefährdet, da sich der Pilz bevorzugt an Kunststoffmaterialien ansiedelt.

Einer der gefährlichsten Pilze weltweit

Candidozyma auris wurde 2009 in Japan entdeckt und hat sich seither weltweit verbreitet, vor allem in Krankenhäusern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt ihn zu den vier gefährlichsten Pilzerregern weltweit – neben Candida albicans, Aspergillus fumigatus und Cryptococcus neoformans.

Der Erreger ist schwer zu bekämpfen, da er auf Oberflächen lange überleben kann und gegen viele Medikamente und Desinfektionsmittel resistent ist. Gegen das lange Zeit verwendete Antimykotikum Fluconazol aus der Substanzklasse der Azole beispielsweise hat Candidozyma auris bereits eine Resistenzrate von etwa 80 Prozent entwickelt. In Deutschland gilt deshalb die Substanzklasse der Echinocandine als erste Wahl der Behandlungsoptionen.

Fallzahlen steigen auch in Deutschland

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der gemeldeten Fälle von Candidozyma auris rapide angestiegen. Das geht aus einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hervor. Zwischen 2013 und 2023 wurden demnach in Europa mehr als 4000 Fälle gemeldet, davon allein 1.346 im Jahr 2023. Deutschland verzeichnete im untersuchten Zeitraum 120 Fälle, über die Hälfte (77) davon wurden 2023 gemeldet. Damit liegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich auf Rang fünf. Die meisten Fälle traten in Spanien, Griechenland, Italien und Rumänien auf.

Mit dem aktuellen Ausbruch an der Charité erlebt Deutschland den zweiten größeren Vorfall nach einer Klinik in Bayern im Jahr 2023. Experten betonen, dass die Infektionszahlen hierzulande noch niedrig seien – dennoch sei Wachsamkeit geboten.

kmh