Am Samstag, dem 20. September 2025, findet weltweit der World Cleanup Day statt. Millionen von Menschen aus über 190 Ländern engagieren sich an diesem Tag, um unsere Umwelt symbolisch und ganz praktisch von Müll zu befreien. Auch in Berlin sind etliche Aktionen geplant – verschiedene Cleanups quer durch die Hauptstadt laden dazu ein, sich zu beteiligen. Vom Müllsammeln beim Kanufahren bis zum Müllflohmarkt.

Doch wie sinnvoll sind solche Aktionen eigentlich? Sind sie bloß Symbolik oder tragen sie tatsächlich zu einer nachhaltigeren Stadt bei? Zur Beantwortung dieser Frage lohnt ein Blick auf zwei Putzaktionen, die in der Hauptstadt bereits stattgefunden haben – am Donnerstag und Freitag. Beide richteten nicht nur den Fokus auf die Müllprobleme im öffentlichen Raum, sondern erweisen sich auch als Spiegel der sozialen und ökologischen Herausforderungen Berlins.

BadPankStraße: Gemeinsam gegen den Müll

Am Donnerstag, dem 18. September, ging es in der Nähe des Gesundbrunnencenters in Mitte zur Sache. Zum allerersten Mal nahm das Geschäftsstraßenmanagement BadPankStraße – ein Projekt, das sich seit Sommer 2024 die nachhaltige und soziale Entwicklung des Gebiets auf die Fahnen geschrieben hat – am World Cleanup Day teil. Zusammen mit dem Gesundbrunnencenter, verschiedenen Anwohnern und Initiativen wie der Ukraine-Hilfe Berlin versammelte man sich, um die Gegend von Müll zu befreien. Rund 50 Freiwillige machten mit, darunter Familien, Rentner und auch obdachlose Personen.

World Cleanup Day: Müllsammeln um den Gesundbrunnen-Center
World Cleanup Day: Müllsammeln im Gebiet BadPankStraße um das Gesundbrunnencenter mit rund 50 Freiwilligen, darunter Susann Liepe (2. von links).© Florian Boillot | Florian Boillot

„Vermüllung wird zunehmend ein Problem, in allen Stadtteilen und auch hier“, erklärte Susann Liepe vom Geschäftsstraßenmanagement. „Vor allem hier am Bahnhof Gesundbrunnen und um das Gesundbrunnencenter ist eine geschäftige Transfer-Ecke. Hier ist viel Müll.“

Ein falsches Signal: Gelder für „Mitte macht sauber“ gestrichen

Ein besonderes Highlight war die Teilnahme des Müll Museums aus dem Soldiner Kiez, das am Stand sogar ein Videospiel mit thematischem Bezug anbot, um jüngere Berliner zum Mitmachen zu motivieren. Positives Feedback von Passanten ließ nicht lange auf sich warten. „So sauber war es noch nie hier“, kommentierten einige Anwohner.

Dennoch zeigte sich Susann Liepe auch kritisch gegenüber dem symbolischen Wert solcher Cleanups: „Trotzdem halte ich nicht viel von solchen Tagen.“ Es sei zwar gut zum Sensibilisieren, aber das Engagement müsse auch über solche symbolischen Tage hinausgehen. Das Geschäftsstraßenmanagement plant, das Müllproblem langfristig anzugehen. Geplant sind Informationsbroschüren ebenso wie „Abstimm-Aschenbecher“, bei denen Raucher ihre Kippen in durchsichtige Behälter mit humoristischen Abstimmungen werfen können, zum Beispiel: „Pizza oder Pasta?“.

World Cleanup Day: Müllsammeln um den Gesundbrunnen-Center
World Cleanup Day: Müllsammeln im Gebiet BadPankStraße um das Gesundbrunnencenter Berlin mit Freiwilligen.© Florian Boillot | Florian Boillot

Doch auch auf politische Unterstützung kommt es an, meint Liepe: „Die Gelder für die Initiative ‚Mitte macht sauber‘ wurden beispielsweise gestrichen. Und gleichzeitig will man freiwilliges Engagement. Das ist ein falsches Signal.“ Lena Reich vom Müll Museum ergänzt: „Wir müssen aufpassen, dass der Müll uns nicht trennt.“

Campus Berlin: Schulen packen mit an

Einen ganz anderen Ansatz verfolgte am Freitag der Campus Berlin im Tiergarten. Die Bildungsinstitution, die Nachhaltigkeit fest im Lehrplan verankert hat, nahm bereits zum dritten Mal am World Cleanup Day teil. Melanie Krause, stellvertretende Schulleiterin der Campus Pflegeschule in Südkreuz, berichtet, dass das Engagement der Schulen bereits 2017 mit kleinen Aktionen wie Fridays For Future-Demonstrationen begonnen habe.

Melanie Krause (links) und ihre beiden Mit-Initiatorinnen beim Cleanup im Tiergarten.
Melanie Krause (links) und ihre beiden Mit-Initiatorinnen beim Cleanup im Tiergarten.© Antonia Weber

Mittlerweile gehört Nachhaltigkeit zu den zentralen Säulen des Schulkonzepts. „Das reicht von der Verwendung von nachhaltigem Papier über die richtige Mülltrennung bis hin zu ökologischen Projektwochen“, erklärt Krause. Der große Ehrgeiz der Schülerinnen und Schüler bescherte ihrer Einrichtung 2023 sogar den Titel „Berliner Klimaschule“.

Materialmangel und skurrile Funde

Für Krause und ihre rund 100 freiwilligen Sammler stand beim Cleanup im Tiergarten vor allem der ein Aspekt im Vordergrund: „Diese Aktion setzt ein Zeichen und sie stärkt die Gemeinschaft – auch innerhalb unserer Schulen.“ Auf den drei Standorten des Campus Berlin kommen Menschen unterschiedlichster Altersgruppen – zwischen 16 und 53 Jahren – sowie verschiedenster geografischer, sozialer und kultureller Hintergründe zusammen.

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Ganz reibungslos lief es aber dennoch nicht. „Dieses Mal waren so viele angemeldet, dass es uns tatsächlich an Material mangelt“, erklärt Krause mit einem Lächeln. Die Aktion wurde durch die Initiative Kehrbürger unterstützt, die Handschuhe, Müllzangen und Beutel bereitstellt – und den Müll am Ende auch abholt und fachgerecht entsorgt. Besonders skurril war der Fund einer verrosteten Angelrute, die aus den Grünflächen des Tiergartens entfernt werden konnte.

Was bringt der Cleanup Day nun?

Beide Aktionen zeigen, dass der World Cleanup Day für die Berliner mehr ist als nur ein symbolischer Akt. Sowohl in der BadPankStraße als auch am Campus Berlin wurden wichtige Verbindungen geknüpft und ein sozialer Beitrag geleistet. Während in Gesundbrunnen der Fokus auf Viertelentwicklung und Nachbarschaft lag, stand im Tiergarten die Stärkung der Gemeinschaft im Mittelpunkt.

World Cleanup Day: Müllsammeln um den Gesundbrunnen-Center
World Cleanup Day: Müllsammeln im Gebiet BadPankStraße um das Gesundbrunnencenter Berlin in Wedding mit Freiwilligen.© Florian Boillot | Florian Boillot

Doch trotz aller Erfolge dürfen die Teilnehmer solcher Aktionen laut Melanie Krause nicht allein gelassen werden. Initiativen wie „Mitte macht sauber“, deren Gelder gestrichen wurden, zeigen, dass die Politik ebenfalls gefordert ist. Wie Krause passend kommentiert: „Wir können die Stadt nicht in einem Tag aufräumen.“

Im Endeffekt ist es die Mischung aus Symbolik und langfristigem Engagement, die aus dem World Cleanup Day mehr macht als nur eine einmalige Geste. Und vielleicht ist genau das die Antwort auf die eingangs gestellte Frage: reine Symbolik oder echtes Engagement? In Berlin ist es eindeutig beides – und das ist schon mal ein Anfang.

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