Diesmal ist sich die Innenverwaltung ganz sicher: Am diesjährigen bundesweiten Warntag am 11. September werden um 11 Uhr mindestens 200 Warnsirenen eine Minute lang über den Dächern Berlins erschallen. Das kündigte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Freitag an. „Es ist eine Übung“, sagte sie an die Bevölkerung gerichtet. „Haben Sie keine Panik!“. Eine sinnvolle Warnung, immerhin wurde die letzte Sirene in der Hauptstadt vor knapp 30 Jahren abgebaut. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bundesländern existierte seitdem keine derartige Infrastruktur mehr.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
800 Kilogramm schwer, 140 Dezibel laut und mit einer vom Stromnetz unabhängigen Solarbatterie betrieben, sollen die Sirenen nun für den immer wahrscheinlicher werdenden Katastrophen- und Verteidigungsfall sensibilisieren – neben den bekannten Warn-Apps wie Nina und Katwarn. „Ich bin mir sehr sicher, dass wir sie hören werden“, so Spranger.
Schonmal dran gewöhnen: am 11. September zum bundesweiten Warntag sollen erstmals seit 30 Jahren wieder Sirenen in Berlin ertönen. #morgenpost pic.twitter.com/TbuOsFy4iN
— Dennis Meischen (@DennisMeischen) 5. September 2025
Neues System garantiert, dass die Warnsirenen funktionieren
Schon 2022 hatte die SPD-Politikerin das angekündigt. Denn eigentlich sollten schon damals 450 Sirenen auf Berlins Dächer angebracht sein. Doch Lieferengpässe, Fachkräftemangel und fehlende Bundesmittel verhinderten das. Im vergangenen Jahr war Berlin dann sogar das einzige Bundesland, in dem die Sirenen stumm blieben – weil es nicht gelang, eine Schnittstelle vom bundesweiten Warnsystem zum abgesicherten Digitalfunk der Hauptstadt zu schaffen.
- Zum Thema: Hören Sie hier die Töne der Warnsirenen
Darauf fühlt man sich diesmal aber vorbereitet. „Seit einem Systemwechsel haben wir nun ein neues, starkes, redundantes System“, versicherte der hierfür zuständige Projektleiter Markus Kaatz. Jede einzelne Sirene musste in den vergangenen Monaten in dieses eingespeist werden. Trotz der dadurch entstandenen Mehrarbeit sollen bis Ende des Jahres die angedachten 450 Sirenen endlich aufgebaut sein. Derzeit sind sie vor allem auf den touristischen Hotspots der Innenstadt installiert – bald würden aber auch die Außenbezirke in den Blick genommen, so die Innenverwaltung. Für 55 weitere Sirenen sind im kommenden Jahr 510.000 Euro vorgesehen.
Seit Januar wird die Arbeit von Berlins Katastrophenschutzämtern koordiniert
Doch Sirenen sind angesichts ungemütlich werdender Zeiten nicht alles. „In Berlin holen wir nun das nach, was über Jahrzehnte nicht gemacht wurde“, betonte Innensenatorin Spranger. Seit Januar diesen Jahres hat etwa das Kompetenzzentrum für Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement seine Arbeit aufgenommen.
Das Zentrum soll die Gefahrenabwehr der 37 Berliner Katastrophenschutzämter bei Stromausfällen, Großschadenslagen und Extremwettereignissen koordinieren, Katastrophenschutzpläne für Behörden erstellen, Übungen durchführen und die Bevölkerung sensibilisieren. Hierzu dient auch das Blaulichtfest, das am Sonntag im Deutschen Technikmuseum am Gleisdreieck stattfindet.
Nicht in allen Bezirken klappt der Bevölkerungsschutz
Aus dem Sondervermögen des Bundes sollen außerdem für 2026 und 2027 je 16,3 Millionen Euro in den Katastrophenschutz fließen. Unter anderem sollen hieraus pro Bezirk drei neue Stellen geschaffen werden, zwei für den Katastrophen- und eine für den Zivilschutz.
Kaum voran geht es hingegen bei den 44 „Katastrophenschutz-Leuchttürmen“, die in den Bezirken als erste Anlaufstellen bei Großschadenslagen errichtet werden sollen. Bisher sind nur 14 von ihnen in Mitte, Treptow-Köpenick, Reinickendorf und Lichtenberg einsatzbereit.
„Das Land Berlin hat hier kein Durchgriffsrecht“, stellte Spranger klar. „Es kann den Bezirken nur Logistik und Geld zur Verfügung stellen.“ In einigen Bezirken würde der Katastrophenschutz allerdings aufgrund klammer Kassen und Personalmangels keine Priorität genießen.





