Ein bewaffneter Mann ist in der Nacht zu Donnerstag auf dem Gelände eines Heizkraftwerks in Berlin-Steglitz festgenommen worden. Er hatte das Gelände unberechtigterweise betreten und sich dort nach bisherigen Erkenntnissen sogar eine provisorische Unterkunft gebaut. Dabei betrieb er in der Behausung auch eine kleine Cannabis-Plantage, wie die Polizei in einer Pressemitteilung berichtete.

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Demnach begann der Vorfall gegen 20 Uhr, als ein Bewegungsmelder auf dem Gelände in der Teltowkanalstraße auslöste. Zwei Sicherheitsmitarbeiter im Alter von 32 und 53 Jahren trafen auf den Mann. Laut Polizei bedrohte dieser die beiden mit einem Spaten und einem Taschenmesser. Bei einer Auseinandersetzung wurde der 53-Jährige am Kopf verletzt, konnte dem Tatverdächtigen aber beide Waffen abnehmen. In der Nacht hatte die Polizei beim Kurznachrichtendienst X geschrieben, dass der Mann eine „Langwaffe“ bei sich hatte. Der verletzte Mitarbeiter begab sich später eigenständig in ambulante Behandlung.

Schüsse gefallen? Zeugen berichteten von einem Knall

Der Mann flüchtete anschließend in seine selbstgeschaffene Behausung auf dem Gelände. Dort bedrohte er eintreffende Polizisten mit einer Eisenstange. Als die Beamten ihn stellen wollten, soll er gedroht haben, sie zu erschießen. Kurz darauf wurde ein Knall gehört – ob der Mann tatsächlich schoss, ist weiter unklar. Verletzt wurde niemand. Die Polizei setzte ein Reizstoffsprühgerät sowie ein Distanzelektroimpulsgerät (DEIG) ein. Danach konnten Spezialkräfte den Mann überwältigen und festnehmen.

Im Zuge der Ermittlungen fanden die Beamten in seiner Unterkunft mehrere Cannabispflanzen, eine Platzpatronenhülse, eine Federdruck-Langwaffe, eine Gasdruck-Handfeuerwaffe sowie ein Teil einer weiteren Langwaffe. Insgesamt verfügte der Mann also über mehrere Waffen, mit denen er laut Polizei zuvor auch gedroht hatte.

Die Polizei rückte mit Spezialkräften an – auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Der Bereich rund um den Teltowkanal und den Charité-Campus Benjamin Franklin (CBF) sei nach Angaben von Anwohnern abgesperrt gewesen. Demnach hätten Beamte dort mit Maschinenpistolen patrouilliert.

Bedrohung mit Waffe Betriebsgelände
Schwer bewaffnete Einsatzkräfte der Berliner Polizei waren am Donnerstag rund um das HKW im Einsatz.© Axel Billig / Pressefoto Wagner | Axel Billig / Pressefoto Wagner

Jürgen wohnt direkt gegenüber dem Gelände, das zum einen Teil Stromnetz Berlin gehört und auf dem sich das Energiemuseum sowie das Fernabspannwerk Steglitz befindet. Zum anderen Teil ist es in privater Hand der SF Grambin Beteiligung GmbH. Seit 30 Jahren lebe er in der Teltowkanalstraße, erzählt der Anwohner. Aber so etwas wie in der Nacht sei ein einmaliges Geschehen gewesen: die Straße komplett gesperrt, kein Bus, kein Auto, dafür etwa 20 Polizeiwagen, Männer in Kampfanzügen und der Hubschrauber über der Straße. Er habe sein Fenster lieber geschlossen gelassen, aber alles dahinter genau beobachtet, erzählt er.

Heizkraftwerk Steglitz
Das alte Heizkraftwerk Steglitz steht direkt am Teltowkanal.© Katrin Lange | Katrin Lange

Über den lauten Hubschrauber hat sich auch Andreas gewundert, er wohnt ebenfalls in dem Kiez. „Ich musste den Fernseher lauter machen, um noch etwas zu verstehen“, sagt der 67-Jährige. Und seine Begleiterin fügt hinzu: „Ich hatte Angst.“

Noch unklar ist, wie lange sich der Mann bereits auf dem Gelände aufhielt und welches Motiv er hatte. Er befindet sich weiterhin im Polizeigewahrsam und wird einem Bereitschaftsgericht vorgeführt. Ein Sprecher der Polizei erklärte, man prüfe die Verbindung des Mannes zum Gelände.

Energiemuseum nicht betroffen, sagt Vorstand

Auch der Eigentümer meldete sich auf Anfrage der Morgenpost zu Wort. „Ich denke jedoch, dass es sich möglicherweise um einen Vorfall bei den Stadtwerken nebenan handelt und nicht auf dem Gelände des alten Kraftwerks, das wir besitzen“, sagte der Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft, Steffen Fräbel. „Da wir keine Mitarbeiter und keinen Sicherheitsdienst auf dem Gelände beschäftigen, wäre es ungewöhnlich, wenn der Vorfall direkt bei uns stattgefunden hätte.“

Kraftwerk Steglitz
Das ehemalige Kraftwerk liegt direkt am Teltowkanal.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Vor dem Energiemuseum stehen am Donnerstagvormittag schon Architektur-Studenten, die auf eine Führung warten. „Der Vorfall in der Nacht hat nichts mit dem Energiemuseum zu tun“, sagt Michael Bahr, der im Vorstand des Museumsvereins ist und gleich die Führung macht. Das Gelände sei ab 17 Uhr immer abgeschlossen. „Wir setzen keinen Sicherheitsdienst ein“, so Bahr. Der Dienst sei zur Bewachung der kritischen Infrastruktur dort abgestellt, wie ein Stromnetz-Sprecher bestätigte.

Heizkraftwerk wurde zuletzt für 141 Millionen Euro versteigert

Das Heizkraftwerk (HKW) Steglitz an der Birkbuschstraße direkt am Teltowkanal ging 1911 ans Netz und wurde 1994 wieder abgeschaltet. Die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände stehen heute teilweise leer und gelten als Lost Place im Südwesten Berlins. Zuletzt wechselte das ehemalige HKW für 141 Millionen Euro bei einer Versteigerung den Besitzer.

Was der neue Eigentümer, die SF Grambin Beteiligung GmbH mit Sitz in Neubrandenburg, plant, war lange unklar. Nach Angaben des Geschäftsführers liegt mittlerweile eine Stellungnahme des Landesdenkmalamts vor. „Daraus geht hervor, dass sowohl eine Wohnnutzung als auch eine ergänzende Bebauung zu Wohnzwecken grundsätzlich denkbar ist“, sagte er kürzlich gegenüber der Berliner Morgenpost.

Kraftwerk Steglitz
Das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Bauensemble steht seit 2020 unter Denkmalschutz.© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Man wolle auch den Uferstreifen mit dem historischen Schiffsanleger nutzbar machen, so der Geschäftsführer weiter. Das Gelände solle dann auch für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Auch von kultureller Zwischennutzung vor Beginn der Bauarbeiten war zuletzt die Rede.

Gerücht: Neueigentümer soll Verbindungen zum Clan-Milieu haben

Unter Anwohnenden machten nach der Zwangsversteigerung eine Reihe von Gerüchten die Runde. Einige befürchteten, dass hier ein zweites RAW-Gelände wie in Friedrichshain entstehen könnte, inklusive Drogenhandels und nächtlichen wummernden Bässen. Zeitweise verorteten einige den Neueigentümer im Berliner Clan-Milieu – konkret bei der Familie Abou Chaker – was bislang jedoch nicht belegt werden könnte.

Geplant ist nach Auskunft des Geschäftsführers der Eigentümergesellschaft eine Mischnutzung aus Wohnen, Gastronomie sowie Räume für innovative Projekte. Zentral sollen demnach Mikroapartments für Studierende oder Berufspendler sein. Mit einer Fertigstellung werde, abhängig von der Länge der Genehmigungsverfahren, auch in den nächsten drei bis fünf Jahren gerechnet.

mit pvt und kmh