Zusammenfassung
- Die Oberbaumbrücke ist ein ikonisches Symbol der Wiedervereinigung in Berlin.
- Die „Krach Boom Brass Band“, bestehend aus zwölf Mitgliedern, bietet spontane Straßenmusik – mit verschiedenen Stilen.
- Die Band liebt die Interaktion mit dem Publikum und schafft eine lebendige Atmosphäre.
Kotti? Der Platz neben der berühmten Currywurst-Bude Konnopke unter der Hochbahn an der Schönhauser Allee? Hm, schwierig, sich auf einen Lieblingsort in Berlin zu einigen, wenn die Auswahl so groß ist und zwölf Leute mitreden. Am Ende verteidigt die Oberbaumbrücke ihren Favoritenstatus. Die Brücke, die Friedrichshain und Kreuzberg über die Spree verbindet, eines der Wahrzeichen Berlins – ikonisches Symbol der Wiedervereinigung, Knotenpunkt des S- und U-Bahn-Verkehrs, hektischer Umsteigebahnhof der Feierbiester, ist der Lieblingsort der „Krach Boom Brass Band“.

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Die „Krach Boom Brass Band“, das sind zwölf Leute, die sich 2019 zusammengeschlossen haben. Frauen und Männer, zum Teil aus der „Zentralkapelle Berlin“, einem Orchester, das aus einem Freundeskreis entstand und seit bald 25 Jahren Sinfonische Blasmusik spielt. „Im Orchester ist es super. Aber auch wenn es verhältnismäßig locker zugeht, braucht es doch Disziplin, konzentrierte Arbeitsatmosphäre, klare Regeln“, sagt Fredrik Barkenhammar (54).

Ihm wie auch seinem Kollegen Philipp Müller war manchmal nach mehr Spontanität, Improvisation und Nähe zum Publikum. So riefen sie die „Krach Boom Brass Band“ ins Leben, das älteste Bandmitglied ist 57, das jüngste 23 Jahre alt: Inzwischen sorgen drei Saxofone, drei Trompeten, drei Posaunen, drei Schlagzeuge, ein Sousaphone und eine Gitarre für musikalische Power auf den Straßen Berlins.
Schnell sammelt sich schnell eine bunte Mischung aus Menschen
Ihre Bühne ist die Straße – welche, ist eigentlich nicht so wichtig, nur belebt muss sie sein, von vielen Menschen frequentiert. „Wir spielen gerne da, wo es laut ist“, erzählt Fredrik. „Denn stellen wir uns irgendwo hin, wo es leise ist, ruft jemand die Polizei.“ Sie spielen nicht nur oft auf der Oberbaumbrücke, auch neben Konnopke, im Mauerpark oder am Weichselplatz. Ihr Repertoire: Brass, Pop, Swing – alles, was gute Laune macht. „Nach den ersten Minuten sammelt sich schnell eine bunte Mischung aus Menschen, die sich total freuen, dass es unerwartet eine Mucke gibt“, beschreibt Fredrik. „Passanten, junge Leute, alte Leute, Businessleute und Obdachlose – eine gute Mischung, die sich sonst vielleicht nicht treffen würde.“

Vorbild sind Brass-Bands aus New Orleans, das pure Gegenteil der Disziplin im Orchester. Lebendige, spontane Straßenmusik, deren Herzstück die Second Line Paraden sind. Nach der First Line, der ersten Reihe der Musizierenden, sind in der zweiten Reihe Tanzende, Mitsingender, Mitfeiernde dabei. „Wenn‘s gut läuft, werden die Zuschauenden fröhlich, fangen an mitzuwippen, mitzutanzen. Die Musik macht Menschen unbeschwert, bringt ihnen Lebensfreude“, schildert Fredrik. Und das wiederum beflügelt die Band, die es liebt, zu interagieren, Gemeinschaft zu stärken. Wie kürzlich, als sich auf der Oberbaumbrücke ein Feuerspucker dazugesellte und man gemeinsam eine Performance hinlegte.
„Ein raues Pflaster, ein Platz, an dem sich nicht nur Gewinner aufhalten“
Was für eine Szene: Hoch oben über der Spree, im mittelalterlich anmutenden Kreuzgang, der einen Panaromablick auf die zarte Silhouette der Stadt gewährt, swingt die „Krach Boom Brass Band“, der Feuerspucker wiegt sich im Rhythmus, oben dröhnt die U1, unten wird getanzt.

Mag die „Krach Boom Brass Band“ die Brücke, weil sie zäh ist, immer wieder aufgebaut beziehungsweise wieder geöffnet wurde? Ihr Vorläufer war eine Holzbrücke, die zwischen 1894 und 1896 im neugotischen Stil mit ihren prägnanten Türmen errichtet wurde. In der Schlacht um Berlin wurde sie im April 1945 zerstört. Nach dem Kriegsende wieder instandgesetzt, war sie zu DDR-Zeiten zentraler Ort der Grenzanlagen zwischen Ost- und West-Berlin. „Zu weit hergeholt“, winkt Fredrik ab: „Ich liebe Berlin und seine Historie, aber es ist reiner Zufall, dass wir dort in den Kriegs- und Mauerfußstapfen wandern. Vielleicht mag die Brücke uns, weil die Brücke zäh ist?“
Für die „Krach Boom Brass Band“ ist dieser Lieblingsort Berlin in seiner besten Form – keineswegs lieblich oder idyllisch, aber eben ein sehr besonderer Ort, sagt Fredrik: „Ein raues Pflaster, ein Platz, an dem sich nicht nur Gewinner aufhalten. Im Kreuzgang campieren Obdachlose, manchmal fühlt es sich so an, als würden wir in deren Wohnzimmer spielen. Dann tauchen Touristen auf, Einheimische, Zugezogene, wir improvisieren, es gibt ein bisschen Chaos – herrlich!“
- Nächster Auftritt der „Krach Boom Brass Band“ auf der Oberbaumbrücke: 14. Juli ab 19 Uhr – mit der Band „Blech & Schwefel“ aus Kassel.
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