Das Rote Rathaus hat am Sonnabend seine Pforten für die Berlinerinnen und Berliner geöffnet. Erstmals lud mit Kai Wegner (CDU) ein Regierender Bürgermeister zum Tag der offenen Tür in seinen Amtssitz. Trotz annähernd 30 Grad folgten viele Menschen der Einladung und drängten sich in den Gängen. Wegner schüttelte viele Hände und posierte alle paar Meter für Fotos. In drei Gesprächsformaten beantwortete er die Fragen der Bürger.

„Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, Demokratie erleben zu können“, begründete Wegner seine Entscheidung für einen Tag der offenen Tür – und sah sich durch die zahlreichen Besucher bestätigt: Der Premiere sollen viele weitere Tage der offenen Tür folgen, kündigte er an. Damit ist sicher: Vor der nächsten Wahl, im September des nächsten Jahres, wird Wegner noch einmal die Bürger in sein Haus laden. Der Regierende ließ am Sonnabend aber durchblicken, dass er Ambitionen hegt auch nach 2026 weiter im Amt zu bleiben – auch wenn die Spitzenkandidatur für die Berliner CDU noch nicht offiziell ist.
Sauberkeit ganz oben auf der Agenda: „Unsere Stadt hat echt ein Müllproblem“
„Ich bleibe so lange Regierender Bürgermeister, bis ein Berliner Fußballclub Deutscher Meister wird“, scherzte er. Das Amt sei anstrengend, herausfordernd, mache ihm aber auch große Freude. Während die Regierungsfraktionen von CDU und SPD auf ihrer Fraktionsklausur in Nauen zeitgleich über zentrale Reformvorhaben bis zum Ende der Legislatur berieten, sagte Wegner im Bürgerdialog, eine zentrale Herausforderung, die ganz oben auf seiner Agenda stehe, sei aktuell die Sauberkeit in Berlin. „Unsere Stadt hat echt ein Müllproblem und zwar mehr und mehr.“ Gemeinsam mit den Bezirksbürgermeistern und der BSR werde er „alles daransetzen“, das Problem in den Griff zu bekommen. Viele Bürger würde ihm rückmelden, dass ihnen dieses Thema sehr wichtig sei.

Angesprochen auf das Einhalten von Fristen, wie etwa das Ziel, Bürgern innerhalb von 14 Tagen einen Bürgeramtstermin zu garantieren, mit dem er vor zwei Jahren angetreten war, sagte Wegner: „Ja, ich war bei der ein oder anderen Sache wahrscheinlich zu optimistisch.“ Ein Lerneffekt seiner ersten Jahre im Amt sei, dass Dinge oft länger dauerten als gewünscht. Mit Blick auf das 14-Tage-Ziel sieht er Berlin aber auf einem „sehr guten Weg“.
Wegner: „Jeder Bürgerkontakt macht mir Spaß“
Unter den vielen Ständen auf den Fluren und im Hof des Roten Rathauses war am Sonnabend auch ein mobiles Bürgeramt. Die Besucher konnten vor Ort ihren Behördengang erledigen. Vor keinem Stand war die Schlange so lang wie hier. Im Hof spielten mehrere Bands als Teil der Fête de la Musique. Andere Besucher stellten sich in der repräsentativen Säulenhalle hinter ein Rednerpult vor eine Deutschland, Europa- und Berlinflagge und ließen sich in staatsmännischer Pose fotografieren – einmal Regierenden Bürgermeister spielen.

„Jeder Bürgerkontakt macht mir Spaß“, sagte Wegner, während er die Mitmachstationen im Innenhof besuchte. Lob, Kritik, konkrete Probleme, all das gehöre dazu. „Man kommt, redet mit mir und dann gucken wir, ob wir helfen können.“ Eine besondere Bürgeranfrage war am Sonnabend an einer Stellwand ausgehängt: In einem handschriftlich geschriebenen Brief baten Schüler der Bauche Grundschule im Mai diesen Jahres um Unterstützung: „Wir brauchen saubere Toiletten. Bitte kümmern Sie sich um uns.“ Und: „Die Schule soll erst um neun beginnen.“
Am Nachmittag, gegen Ende der Veranstaltung, stauten sich nach Informationen der Berliner Morgenpost allerdings die Besucherströme in den oberen Stockwerken. Der Grund: Die Treppen waren, wie schon den ganzen Tag über, gesperrt. Um in das dritte Stockwerk zu kommen, musste ein Fahrstuhl benutzt werden. Auf dem Weg nach unten das Gleiche: ein Fahrstuhl, der pro Fahrt 15 Leute befördern kann. Aus der Schlange wurde unserer Redaktion zugetragen, es sei heiß und stickig, die Leute seien sauer. Laut der Senatssprecherin sei die Situation am späten Nachmittag allerdings ruhig gewesen. Die Leute hätten zehn bis fünfzehn Minuten anstehen müssen, um den Amtssitz und den Senatssitzungssaal zu sehen. Insgesamt seien bis kurz vor Ende der Veranstaltung über 7200 Menschen ins Rote Rathaus gekommen.



