Die Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP schlägt Alarm. Immer weniger junge Menschen in der Hauptstadt wollen Polizist oder Polizistin werden. Laut der Gewerkschaft haben nur 436 von 612 möglichen Nachwuchskräften in der ersten Jahreshälfte ihre Ausbildung beziehungsweise ihr Studium bei der Polizei Berlin begonnen.

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„Eine dramatische Situation, die sich bereits seit Jahren immer weiter zuspitzt“, heißt es in einer Mitteilung. In Reaktion darauf plane Berlins Politik aber eine Maßnahme, die zu höchst negativen Effekten führen werde: Das Streichen der nicht benötigten Stellen. Die Gewerkschaft der Polizei spricht hier von gefährlicher Kurzsichtigkeit, die zur Haushaltsbereinigung Berlins zukünftige Sicherheit opfern würde.

Polizei Berlin: Ein Drittel des Personals geht bis 2030 in Rente

„Die Lage ist dramatisch und das kann niemand mehr leugnen“, sagt Landeschef Stephan Weh. „Wir weisen seit Jahren auf die sinkende Qualität der Bewerber und fehlende Attraktivität des Arbeitgebers hin.“ Die Polizei habe in den letzten fünf Jahren fast 700 Stellen nicht mit Menschen besetzen können, das entspreche drei Abschnitten oder fast sieben Einsatzhundertschaften. „Dazu kommen Dropout-Quoten von 11 bis 24 Prozent pro Jahrgang, die durch Ehrenrunden bereits geschönt sind und die übrigens nicht sinken, wenn man einfach so Stellen streicht“, so Weh weiter.

Angesichts der Tatsache, dass bis 2030 gut ein Drittel des Personals der Polizei in Pension oder Rente gehe, schlittere die Sicherheitsbehörde dadurch sehenden Auges in eine gefährliche Situation, in der selbst Funkwagen und Wachen nicht mehr besetzen werden könnten.

Polizei reagiert mit Anhebung des Höchstalters und Strukturreform

Die GdP warnt deshalb vor den geplanten Stellenkürzungen und fordert stattdessen Maßnahmen, um die Quantität und vor allem Qualität der Bewerber zu verbessern, Interessierte zu halten und Kündigungen während Ausbildung und Studium vorzubeugen.

Zu den Forderungen gehören unter anderem ein noch stärkerer Ausbau des Beschäftigtenwohnens, die Freie Heilfürsorge für Studierende, verstärkte Digitalisierung und eine engere Vernetzung von Polizeiakademie und Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR) durch einen gemeinsamen Campus in Ruhleben.

Auch die Behördenleitung weiß indes um den Fachkräftemangel. Zuletzt hat die Polizei deswegen erneut das Höchstalter für Berufseinsteiger auf nunmehr 40 Jahre angehoben. Anfang März wurde zudem angekündigt, ab dem nächsten Jahr eine umfassende Strukturreform durchzuführen, die mehr erfahrene Beamte zurück auf die Straßen bringen soll.