Die Differenzen in der Verkehrspolitik zwischen SPD und CDU wurden zuletzt so deutlich wie selten. Das gilt auch für die Frage, inwiefern auf Berliner Hauptstraßen wieder Tempo 50 eingeführt werden soll. Das betrifft Strecken, auf denen bislang aus Luftreinhaltegründen Tempo 30 gilt. Weil sich die Luftqualität verbessert hat, kann dort Tempo 30 wegfallen, wobei die Verkehrsverwaltung unter Ute Bonde (CDU) zurzeit noch prüft, welche der Hauptstraßen auch als Schulwege stark frequentiert werden.

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Während die CDU und ihr Fraktionschef Dirk Stettner darauf drängen, dass Tempo 50 möglichst schnell zurückkommt, sieht die SPD das kritischer. Auch in der Redaktion gibt es unterschiedliche Ansichten bei der Frage:

Sollte Berlin tagsüber die Richtgeschwindigkeit auf Hauptstraßen wieder auf Tempo 50 erhöhen?

PRO von Pascal Biedenweg

Berlin braucht fließenden Verkehr statt ideologischer Verlangsamung

Pascal Biedenweg
Pascal Biedenweg, Digital Lead

Berlin steht. Und zwar immer öfter im Stau. Wer werktags mit dem Auto durch die Stadt muss, braucht starke Nerven. Die künstliche Verlangsamung des Verkehrs durch flächendeckende Tempo-30-Zonen auf Hauptstraßen trägt erheblich dazu bei.

Denn: Die meisten Ampeln in Berlin sind auf Tempo 50 programmiert. Wer hier 30 fährt, zerstört die Grüne Welle. Das Ergebnis? Mehr Stopp & Go, höherer Verbrauch, mehr CO₂-Ausstoß. Selbst das Umweltbundesamt bestätigt: Im gleichmäßigen Tempo-50-Verkehr sind moderne Fahrzeuge effizienter unterwegs.

Tempo 50 auf Hauptstraßen schützt auch die Kieze

Wer täglich pendelt oder im Lieferverkehr arbeitet, spürt die Folgen direkt: Frust, Verzögerungen, unnötiger Lärm. Tempo 50 tagsüber wieder als Richtgeschwindigkeit einzuführen, ist deshalb richtig. Denn Hauptstraßen haben im Verkehrssystem eine klare Funktion: Sie sollen den Durchfluss von Fahrzeugen ermöglichen und den Kiezverkehr entlasten. Wer den Verkehr dort absichtlich ausbremst, verlagert ihn in die Nebenstraßen. Das führt zu mehr Lärm und Abgasen genau dort, wo Menschen wohnen, wo Kinder spielen. Tempo 50 auf den Hauptachsen schützt also auch die Kieze.

Natürlich muss es Ausnahmen geben – rund um Schulen, Kitas oder an Lärm-Hotspots ist Tempo 30 sinnvoll und bleibt es auch. Doch auf den Hauptstraßen dieser wachsenden Stadt braucht es fließenden Verkehr statt ideologischer Verlangsamung. Berlin muss wieder in Bewegung kommen. Tempo 50 gehört dazu.

CONTRA von Jessica Hanack

Verkehrssicherheit gibt es nicht ohne Abstriche beim Kfz-Verkehr

Jessica Hanack
Jessica Hanack, Redakteurin

Berlin erlebt zurzeit eine Verkehrspolitik der Widersprüche. Auf der einen Seite wird auch von der CDU regelmäßig betont, welch hohe Priorität die Verkehrssicherheit hat. Auf der anderen Seite werden Handlungen ergriffen, die das Gegenteil bewirken: weniger Radwege gebaut, Geld für die Verkehrsberuhigung in Kiezen gestrichen und das Ziel verkündet, dass Tempo 50 auf diversen Hauptstraßen zurückkommen soll. Das passt nicht zusammen und führt dazu, dass man es zunehmend infrage stellen muss, wie ernst es die CDU wirklich mit der Verkehrssicherheit meint.

Denn Verkehrssicherheit wird man nicht ohne die Bereitschaft erreichen, Abstriche beim Kfz-Verkehr zu machen. Weil Fahrspuren oder Parkplätze für Radwege und die Umgestaltung von Kreuzungen wegfallen. Oder weil Autos eben nur mit 30 statt 50 Kilometern pro Stunde auf Hauptstraßen fahren dürfen, die zugleich stark von Fußgängern, Radfahrern und Schulkindern frequentiert werden. Dass die Verkehrsverwaltung zumindest prüft, ob es Überschneidungen von Schulwegen und Strecken gibt, auf denen die Luftreinhaltung kein Tempo 30 mehr rechtfertigt, ist daher absolut richtig.

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Die Sicherheit muss hier immer wichtiger sein als das mutmaßlich schnellere Vorankommen des Verkehrs. Da hilft auch der Blick über den Tellerrand. Andere europäische Großstädte haben längst flächendeckend Tempo 30 eingeführt und Zahlen bestätigen, dass schwere Unfälle dort zurückgegangen sind. So könnten am Ende sogar Autofahrer profitieren. Fühlen sich Menschen auch auf Berlins Straßen sicherer, steigen sie eher aufs Fahrrad um. Für die, die das nicht können, gilt dann: Bei Tempo 30 flüssig durch die Stadt zu kommen, ist besser, als bei erlaubtem Tempo 50 im Stau zu stehen.

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